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Hörmal | 21.08.2022 | 07:45 Uhr

Geht´s noch?

„Ja, geht’s noch?!“ steht am Ende einer dreizeiligen Email an mich. Ich bin irritiert. Was für eine heftige Reaktion auf eine freundliche Einladung. Eine Einladung zum Friedensgebet.

Es ist offensichtlich: Die Nerven liegen bei vielen blank. Die emotionale Zündschnur ist kurz. Leider! Übrigens nicht nur bei den anderen. Auch bei mir. Ich selber merke, wie mir der Krieg in der Ukraine zusetzt. Unerträglich: die zerstörten Leben und zertrümmerten Städte. Unerträglich wie sich Feindbilder in unseren Köpfen breitmachen. Mehr Panzerhaubitzen und weniger Friedenslyrik, das leuchtet den meisten unmittelbar ein. Mit anderen die Hände zu falten und für den Frieden zu beten nicht. Geht’s noch, für den Frieden beten? Werde ich angeraunzt. Ich frage mich: Geht das überhaupt noch, der Hoffnung auf Frieden eine Stimme zu geben und dem Ganzen auch etwas zuzutrauen? Für mich ist Beten mehr als nur eine fromme Selbstberuhigung!

Im Gebet hat der Mensch „Anteil an Gottes Weltherrschaft“ (KDIII,3, §49.4, 323) sagt der Theologe Karl Barth. Ein steiler Satz von jemanden, der gleich zwei Weltkriege erlebt hat. Seine Botschaft: Keiner von uns ist ohnmächtig. Hände zum Gebet falten geht immer. Auch dann, wenn nichts mehr geht. Wir nichts mehr tun, nichts mehr bewegen, uns nirgendwo mehr festhalten können. Mit unseren Gebeten rütteln wir an Gottes Türe und vertrauen darauf, dass unsere Ängste, unser Zorn und die Verzweiflung einen Ort haben, wo sie gehört werden. Und nicht nur das: Wir vertrauen darauf, dass unsere Gebete die Welt verändern können.


Christen falten die Hände, um sie nicht tatenlos in den Schoß zu legen! Die Hoffnung auf Frieden, macht es nicht leichter die Realität des Krieges auszuhalten. Die Hoffnung auf Frieden gibt sich mit dieser Zeitenwende nicht ab. Sie hat das Bild von einer anderen Welt vor Augen, für die es sich einzusetzen lohnt. Die Hoffnung auf Frieden hat ein Bild von Menschen vor sich, die wissen was Schwerter sind, mit ihnen aber nicht kämpfen, sondern sie umschmieden: zu Pflugscharen. Schwerter zu Pflugscharen. Erinnern Sie sich noch - an diesen Slogan der Friedensbewegung?


„Welche innovativen Ideen hat die Kirche eigentlich für den Frieden entwickelt?“ fragt ein Moderator neulich bei einer Veranstaltung. Wie sieht die spirituelle Antwort auf die Hyperschallwaffen unserer Zeit aus? Menschen, die die Hände falten? Ja, weil damit dem Krieg und der Gewalt nicht das letzte Wort überlassen wird. Weil damit die Menschen im Krieg nicht vergessen werden. Weil ihr Leid eine Stimme bekommt. Weil damit die Hoffnung auf Frieden wachgehalten wird, für den es sich einzusetzen lohnt.

„Danke, dass Ihr betet“ sagt eine Frau in gebrochenem Englisch. Soeben hatte ich ihr vor der Kirche eine Einladungskarte zum Friedensgebet in die Hand gedrückt. Auf der Karte steht „Frieden“ in verschiedenen Sprachen. Mit beiden Händen drückt sie die Karte an die Brust und sagt gebrochen: „Es ist wichtig für uns.“


Ja, es geht noch. Für den Frieden beten.


Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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