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Hörmal | 25.09.2022 | 07:45 Uhr

Gezeichnete Vision

Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen….sagt man ja so. Ich sage lieber: Wer Visionen hat, sollte zeichnen können. Und das sage ich im Angesicht des Kölner Doms. An dem komme fast jeden Tag vorbei. Und noch immer staune ich über die beiden Türme, die den Himmel kitzeln.

Für mich sind die Türme des Kölner Doms zwei Leuchttürme der Wissensvermittlung. Und was das mit Zeichnen zu tun hat und mit einer Kneipe in Darmstadt, das will ich Ihnen jetzt erzählen.

Dass wir nämlich die Kölner Domtürme heute so sehen können, ist ja ein kleines Wunder, zumindest ein großer Zufall. Denn wir sehen nicht etwas, das im Mittelalter gebaut wurde, sondern von den Preußen. 1880 erst war der Dombau fertig. Begonnen aber wurde er im Jahr 1248, von Gerhard, dem ersten Dombaumeister. Übermorgen vor 700 Jahren wurde der Chorraum geweiht – also der Teil der Kirche, wo sich heute noch der Dreikönigsschrein befindet und das wunderbare Chorgestühl. Aber dann kam die Reformation, dann ging das Geld aus und der Dom war ziemlich lang eine Dauerbaustelle im Dornröschenschlaf. Die Türme waren eher Stumpen, darauf ein Krahn. Die Kölner hatten sich schon gewöhnt an den unfertigen Dom. Aber wirbelte die Französische Revolution und dann Napoleon, gerade auch in Köln, und damit wuchs bei den Deutschen der Wille zu einer größeren Einheit als Nation. Und plötzlich war der Wunsch wieder da, den Dom zu vollenden.

Aber wie sollte das Ding eigentlich fertig aussehen? Nach 600 Jahren wusste man schlichtweg nicht mehr, wie sich die Dombaumeiste den fertigen Dom genau vorgestellt hatten. Also; man dachte, man wüsste das nicht.

Denn: Genau in dieser Zeit hatte der Zimmergeselle Johannes Fuhrer etwas entdeckt auf dem Dachboden des Gasthofs „zur Traube“ in Darmstadt: Ein altes Pergament, dünnes Leder, riesengroß. Darauf ein Turm. Und es hatte noch etwas gebraucht, bis klar war: Was wir hier sehen, ist ein Teil der Westfassade des Kölner Doms! Denn: die ersten Dombaumeister hatten sehr wohl nicht nur eine Vision, wie ihr Dom aussehen sollte, sondern: sie konnten auch zeichnen. Wie der Dombauplan auf den Dachboden einer Darmstädter Kneipe kam, das hat wohl dieselben Gründe wie der Fakt, dass zwei Jahre später auch die andere Hälfte gefunden wurde, auf einem Flohmarkt in Paris: Es hat wohl mit den Wirren der Franzosenzeit zu tun. Wie auch immer: Nur dank der Zeichenfertigkeit der ersten Dombaumeister konnte der Dom genauso vollendet werden, wie er im Mittelalter ausgedacht worden war. Und so sehen wir heute – nach Expertenmeinung – die Vollendung der mittelalterlichen Gotik ausgerechnet in einem Bauwerk, das mehrheitlich aus der Neuzeit stammt.

Und diese Vision als „think big“, also als „denke groß“, zu bezeichnen, das hatte sogar bis 1880 Bestand: Kurze Zeit war der dann fertig gestellte Dom das höchste Bauwerk der Welt.

Wie gesagt: Übermorgen feiert der Dom 700 Jahre Weihe seines originalen Teils aus dem Mittelalter. Und falls Sie in den kommenden Tagen diesen Prachtbau besuchen, dann schauen sie doch einmal hinterm Dreikönigsschrein in die erste Kapelle links von der Mitte durchs Gitter: Da sehen Sie einen grünen Vorhang. Dahinter hängt er: Der sogenannte Domriss, die gezeichnete Vision des fertigen Doms aus den Anfangstagen des Dombaus. Leider selten einzusehen. Aber was anders können sie entdecken: Wenn Sie in der mittleren Kapelle am Fenster mit Ihrem Auge den schmalen Rippen folgen, sehen Sie einen kleinen Kopf auf sich herunterschauen: Das ist Gerhard, der allererste der Kölner Dombaumeister. Und vielleicht verbeugen Sie sich einmal kurz vor der Visionskraft von diesem, der 1248 das Bauprojekt zur höheren Ehre Gottes in Angriff nahm.

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