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Kirche in WDR 2 | 24.11.2022 | 05:55 Uhr

Aussätzig

Vielleicht gehören auch Sie zu der Generation, als noch Leprawitze erzählt wurden. Ich habe die schon alle verdrängt. Und erzählen sollte man die besser auch nicht mehr. Aber Lepra, oder Aussatz – davon habe ich als Kind nicht nur aus Witzen gehört, sondern auch aus der Bibel. Nach der damaligen Gesetzgebung mussten Aussätzige vom Volk abgesondert leben, wie es im 3. Buch Mose heißt (Lev 13,14): „Solange das Übel besteht, bleibt er unrein; er ist unrein. Er soll abgesondert wohnen, außerhalb des Lagers soll er sich aufhalten.“

Weil es seinerzeit noch keine fundierte Schulmedizin gab, war Aussatz eine Bezeichnung für alles Mögliche, was man sich nicht erklären konnte: Hautkrankheiten wie die von Bakterien verursachte Lepra und sogar die lästige Schuppenflechte, die zwar nicht ansteckend war, aber weil man es einfach nicht besser wissen konnte, fiel Schuppenflechte auch unter „Aussatz“. Aussatz, so glaubte man, kommt von bösen Geistern.

Immer wenn ich solche Texte aus der Bibel mit Aussätzigen im Gottesdienst gehört habe, dachte ich, gut dass wir nicht in einer so bösen und schrecklichen Gesellschaft leben. Mit zunehmendem Alter allerdings wird mir immer klarer, wie privilegiert ich eigentlich die ganzen Jahre gelebt habe.

Aussätzigkiet ist kein Thema von gestern. Nicht nur während der Coronapandemie gab es bei uns Menschen, die einsam und aussätzig sterben mussten. Menschen, die wir wegen der Ansteckungsgefahr am Stadtrand ausgesetzt haben, nur um uns selbst nicht anzustecken.

Die Aussätzigen unserer Zeit finden wir auch unter den Arbeitenden auf den Bananenplantagen in Ecuador und bei den Näherinnen in Bangladesch. Selbst bei uns in Deutschland gibt es zigtausend Menschen, die haben überhaupt keine Krankenversicherung. Menschen, die ohne legalen Aufenthaltsstatus bei uns leben, und natürlich gibt es auch jede Menge Deutsche, die nicht sesshaft, obdachlos und damit rein verwaltungstechnisch überhaupt nicht existieren.

Jesus hat die Aussätzigen seiner Zeit angefasst, hat sie geheilt. Was würde also Jesus heute tun, in Zeiten von globalisierter Ungerechtigkeit, Verteilungskampf um Wasser, Nahrung und Energie, in Zeiten von Krieg und Pandemien?

Seine Botschaft ist eindeutig auf heute übertragbar: Hingehen, anfassen, helfen – und das mit dem Risiko, sich selbst dabei `was abzuholen. Er würde die Nächstenliebe aus nächster Nähe durchziehen. Die Konsequenz, mit der Jesus seine Botschaft gelebt hat, hat ihm letztendlich selbst das Leben als Menschensohn gekostet.
Nicht nur in Italien sind Priester trotz Corona in die Krankenhäuser gegangen, um sterbenden beizustehen. Es gibt Ärzte, die in ihrem Urlaub in Kriegsgebieten helfen, Mangerinnen, die für einen Bruchteil ihrer hiesigen Gehälter Fairtrade-Projekte aufbauen, Reporter, die aus den Kriegsgebieten berichten. Christsein ist immer ein bisschen gefährlich…

All das sage ich hier aus meinem wohlbehüteten Elfenbeinturm in Ostwestfalen. Wie viel Risiko ich mir selbst zumuten will, ist natürlich meine Sache. Die Aussätzigen von heute aber sind hier und es gibt sie wirklich. Wir alle können etwas für sie tun.
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