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Hörmal | 26.12.2022 | 07:45 Uhr

Windeln wechseln

Zweiter Weihnachtstag und ich hoffe, bei Ihnen hat schon jemand den Müll runtergebracht. Vor allem, wenn ein Neugeborenes an Bord ist. Denn mal ehrlich: So süß Babys ja sind. Aber deren Windeln, die können ja mitunter stinken wie der letzte Höllenschlund.

Und trotzdem: Wann, wenn nicht an Weihnachten sollte ich hier bei „Kirche im WDR“ mal über Windeln sprechen? Immerhin taucht die Windel gleich zweimal in der Weihnachtsgeschichte auf. „Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe", so hat Martin Luther die Geburtsszene aus dem Lukasevangelium übersetzt. Und seit Luthers Bibelübersetzung vor 500 Jahren heißt dieses Wickeltuch im Deutschen dann auch: Windel. Und das zweite Mal kommt sie noch mal an zentraler Stelle vor in der Weihnachtsgeschichte. Als nämlich der Engel den Hirten auf den Feldern das Zeichen verrät, woran Sie den Gottessohn erkennen: „Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt.“

Ja Mensch – da spielt die Windel im Grund die entscheidende Rolle. Nicht der Stall kommt in der Bibel vor, nicht Ochs und Esel, sondern die Windel ist das Zeichen. Aber für was?

Für mich ist das glasklar und ich drücke es mal drastisch aus: Ich glaube an einen Gott, der sich die Hose gemacht hat. Ja, so radikal können Christen diesen Gedanken ruhig mal denken – wenn sie das ernst nehmen mit der Menschwerdung, die ja bekanntlich an Weihnachten gefeiert wird. Was bringt diesen absoluten Wahnsinnsgedanken, dass Gott Mensch wird, mehr auf den Punkt als die Vorstellung der Windel? Die vor 2022 Jahren in Bethlehem wohl genauso gestunken haben mag, wie eine Windel, die seit vorgestern, Heiligabend, im Müll rumlungert. Natürlich gab es damals noch keine Einwegwindeln – erst seit 60 Jahren muss man Stoffwindeln nicht mehr auswaschen. Und das macht den Gedanken ja umso mehr unappetitlich.. Aber: Ja, das gehört zu unserem Menschsein dazu. Mein Theologie-Prof in den USA hat dazu gesagt: „das ist die Demut der Menschwerdung“: Jesus scheißt sich in die Windeln wie jedes andere Kind.

Zwei Wege gibt es, wie Sie auf diesem Gedanken noch etwas mehr kauen könnten.

Der eine ist: Sie essen gleich etwas Christstollen. Denn ungelogen: Stollen ist ein sogenanntes Gebildegebäck und symbolisiert genau: die eingeschlagenen Windeln. Daher der weiße Puderzucker oben noch drauf.

Der zweite ist: Sie essen jetzt ein Printe aus Aachen und nehmen sich dabei schon mal vor, im Juni nach Aachen zu fahren. Denn vom 9. bis 19. Juni wird sie dort zu sehen sein. Kein Scherz: die Windel Jesu liegt in Nordrheinwestfalen. Also, sagen wir besser mal so: Zumindest seit der Zeit Karls des Großen wird in Aachen das Stück Stoff als Windel Jesu verehrt, das dann im Juni wieder zu sehen ist. Normalerweise befindet sich die Windel Jesu festverschlossen in einem goldenen Schrein. Aber alle sieben Jahre wird sie – und die anderen sogenannten „Aachener Heiligtümer“ – herausgeholt. Und dann findet eine der ältesten Wallfahrten Europas statt: Die Aachener Heiligtumsfahrt. Und sicher ist das alles sehr katholisch, mit dem Wallfahren. Und dann noch zu einer vermeintlichen Windel. Ich war bei der letzten Wallfahrt in Aachen und ich gestehe, mich hat das schon bewegt. Denn diesen Gedanken, den finde ich wirklich faszinierend: Dass Gott Mensch wird – auch in den Dingen, über die wir lieber nicht so gerne reden, wie eine vollgeschissene Windel.

Übrigens: Maria, die ihm die Windeln gewechselt hat, hat Jesus damit einen ersten Dienst erwiesen. Und damit war das im Grunde
der erste Gottesdienst. Jesus, der Gottessohn, würde bei diesem Gedanken sicher mitgehen. Hat er doch später gepredigt: „Was Ihr dem Geringsten getan habt, das habt Ihr mir getan.“ Genau: Diese kleinen Dienste am Nächsten sind: Gottesdienst.

Und insofern wünsche ich jetzt erstmal einen guten 2. Weihnachtstag! Vielleicht gehen Sie heute nicht mehr zum Gottesdienst. Aber bringen Sie doch mal den Müll raus. Oder wechseln sie Windeln. Oder machen Sie sonst etwas für Ihre Nächsten. Auch damit feiern Sie Weihnachten!

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