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Hörmal | 22.01.2023 | 07:45 Uhr

Gott wie einen Menschen lieben

Raten Sie mal: Wie viele der Songs in den amerikanischen Charts sind Liebeslieder? Ein Student hat das mal untersucht. Er kam auf das Ergebnis von 60 %. Ich hätte auf mehr getippt. Denn hat nicht jeder diesen einen Song, bei dem sofort die Person, die man liebt vor Augen ist? Mitten in der Bibel gibt es ein Buch, dass nichts Anderes ist, als eine Sammlung von Liebesliedern. Wie ein Gespräch zwischen zwei sich innig liebenden Menschen, sind die einzelnen Lieder aufeinander bezogen. Sie erzählen von Träumen, Sehnsucht und Erfüllung, Angst, Enttäuschung und Liebeskummer. Alles, was die Liebe zwischen zwei Menschen ausmacht, kommt hier zur Sprache.

Das Buch Hohelied kommt dabei ganz ohne den Begriff Gott aus. Und trotzdem bewegt es uns dazu, von Gott zu sprechen, wie von einem Menschen, den ich liebe. Mit allen Gefühlen, die damit verbunden sind. Das Reden von Gott findet nicht im luftleeren Raum statt und auch nicht nur im sakralen Raum einer Kirche, sondern im Hier und im Jetzt. Mit Luft, die mir die Lungen mit Leben füllt oder mit dem Atem, der mir gerade verschlägt. Das Suchen nach Gott ist nicht ein abstraktes Rätsel, sondern die Sehnsucht nach einer Beziehung, die verändert.


Von Gott zu reden, wie von einem Menschen, den ich liebe, heißt, eine große Sehnsucht auszuhalten. In einem der Liebeslieder aus dem Hohelied wird diese Sehnsucht beschrieben, wie eine Mauer, eine Wand, die die zwei Liebenden voneinander trennt. Sie erahnen, dass der andere da ist. Sie vertrauen darauf und malen sich aus, wie es ist, wenn diese Mauer weg ist und sie einander begegnen. Sie sind sich nah und doch getrennt.


Die Sehnsucht gehört zum Vertrauen auf Gott dazu. Eine Sehnsucht, wie man sie vom Bahnsteig kennt. Dann wenn man von dem einen auf das andere Bein tritt und auf die Zehenspitzen steigt, weil man es nicht aushalten kann, bis man diesen einen geliebten Menschen endlich in der Menge entdeckt und in die Arme schließen kann. Es ist eine Sehnsucht, wie sie sich in den Gesichtern der Menschen widerspiegelt, die täglich auf ein ungewisses Lebenszeichen ihrer Lieben in der Ukraine und dem Iran warten. Eine Sehnsucht, die dann aufbricht, wenn eben dieses eine Lied im Radio kommt.


Von Gott zu sprechen, wie von einem Menschen, den ich liebe. Das erdet alles Reden von Gott. Dann ist Glauben nicht einfach etwas, was man „hat“ oder nicht hat. Dann ist das Vertrauen auf Gott eine lebendige Beziehung, von der ich etwas erwarte und die mich verändert. So wie ein richtig guter Song, der nur von zwei Menschen singt und doch ein Stückchen Himmel öffnet.


Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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