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Hörmal | 16.06.2024 | 07:45 Uhr

Sünde hilft

Ich stehe mit einem Freund in der Sonne. Wir reden übers älter werden. Dass wir nach einer anstrengenden Arbeit jetzt öfter eine Pause brauchen. Da kommt eine alte Dame vorbei und begrüßt uns. Wie schön, sage ich, dass Sie jeden Tag Ihre Runde machen. Sie stimmt zu: Das hält fit. Ich bin jetzt schließlich 97.


Als sie wieder gegangen ist, sagt mein Freund: 97 werde ich bestimmt nicht. Dazu habe ich einfach zu ungesund gelebt. Schweigen. Ich denke: Gut, dass ich schon lange mit dem Rauchen aufgehört habe. Nach einer Pause sagt er etwas verlegen: Ich rauche jetzt wieder. Heimlich. Ich gucke verdutzt. Frage: Wie machst Du das denn? Das riecht man doch. Ja, meint er. Meine Frau weiß das ja auch. Aber trotzdem rauche ich heimlich. Ich kann einfach nicht mehr dazu stehen. Normalerweise rede ich nicht darüber. Aber es tut auch mal gut, das zu erzählen. Und dann auch noch dem Pastor, lache ich. Das ist ja ein bisschen wie beichten…


Der Satz geht mir nach. Es tut gut, Dinge auszusprechen. Gerade auch das, was nicht gut läuft. Rauskommen aus der Heimlichkeit. Aus dem peinlichen Verschweigen. Danach fühlt man sich schon ein bisschen freier.


In der Kirche sind wir total vorsichtig geworden, wenn es um Moral geht. Bloß nicht das alte Image bedienen: Dass Kirche für den erhobenen Zeigefinger steht. Für altmodische Vorschriften. Für Spaßfeindlichkeit. Bloß nicht von Scheitern reden. Oder von Schuld. Lieber von Lebensfreude. Vom Genießen der Schöpfung. Das Leben darf Spaß machen. Auch in der Gemeinde. In den fetten Jahren wollte niemand in der Kirche die Partystimmung verderben.


Die Rede von der Sünde ist dabei in der Mottenkiste verschwunden. Dabei ist sie so hilfreich. Wir wissen doch alle genau, was heute dran ist: Für eine gerechte Gesellschaft kämpfen. Für den Frieden. Wir müssen unser Leben total umkrempeln. Damit wir diese wunderbare Welt nicht zugrunde wirtschaften.


Mit meinem Freund bin ich mir ganz einig. Der alte Paulus hat es auf den Punkt gebracht: Das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. Das nennt man Sünde. Es beim Namen zu nennen, ist ein erster Schritt in die Freiheit.



Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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