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Kirche in WDR 2 | 29.06.2024 | 05:55 Uhr

Von 100 auf Null

Die Überholspur war lange Zeit sein zu Hause. Seit er denken kann ist Jürgen mit Vollgas unterwegs. Nicht nur mit den schnellen Autos, von denen er gleich mehrere hat, sondern auch beruflich. Aus dem nichts hat er sich alles aufgebaut: Eigene große Firma, eigenes Haus. Läuft bei ihm sagen alle, die ihn kennen.

In der Pandemie dann wendet sich das Blatt. Lange blendet er den Einschnitt aus. Das wird sich schon wieder zurecht rütteln, denkt er.


„Im Nachhinein ist man natürlich immer schlauer, die Zeichen standen schon so, dass die Insolvenz meiner Firma nicht plötzlich vom Himmel gefallen ist; es gab schon Warnsignale. Aber ich dachte, wenn ich noch mehr und noch härter arbeite, dann wird es schon klappen.“

Tat es aber nicht.

„Als die Firma weg war, bin ich praktisch ein Jahr im Bett geblieben. Ich wusste nichts mit mir anzufangen und schlimmer noch, ich musste einsehen, dass die Jahre der übermäßigen Arbeit die Beziehung zu meiner Frau und den Kindern zerstört hatte. Es kam immer häufiger zum Streit und irgendwann saß ich alleine in dem großen Haus, das mir nicht mehr gehörte.


Beim Sortieren meiner übrig gebliebenen Habseligkeiten fiel mir ein alter Rucksack in die Hände. Viel bin ich nie gewandert, dazu war nie genügend Zeit. Jetzt hast du sie ja eigentlich, die Zeit … und dann, dann war plötzlich der Gedanke da los zu laufen. Heute weiß ich, diese Entscheidung mich gerettet. Wie tiefgreifend sie mein Leben verändern sollte, hätte ich nie für möglich gehalten.


Mit Religion hatte ich nie etwas am Hut. Und dann kam dieser eine Tag auf meiner Wanderschaft: Der Berg, der jenseits des Flusses aufragte, war eher ein Hügel. Als mein Puls sich langsam beruhigt hatte, durchströmte mich plötzlich eine unvorstellbare Kraft. Und noch unvorstellbarer war mein Gefühl, dass ich nicht allein oben auf dem Hügel stehe. Ich stand förmlich neben mir mit der Gewissheit, dass Gott mit mir auf dem Weg ist und mir gerade verspricht nicht von meiner Seite zu weichen.

Es hört sich seltsam an, aber es war wie eine „Infusion für die Seele.“


Jürgen und seine Familie wohnen inzwischen wieder unter einem Dach, auch wenn es deutlich bescheidener ist. Und auch das Auto hat weniger PS. Es reicht aber um am Wochenende gemeinsam Ausflüge zu machen. Der alte Rucksack ist dabei zu seinem ständigen Begleiter geworden. Infusionen hat er nicht dabei, dafür aber Heftzwecken und kleine laminierte Kärtchen. Auf denen steht: „Du bist nicht allein! Die Bibel 5. Mose 31,6“.


Immer wenn sie an verlassenen Orten vorbeikommen, versucht er das Kärtchen zu befestigen: Für alle diejenigen, die nicht mehr auf der Überholspur unterwegs sind.



Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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