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Kirche in WDR 2 | 08.07.2024 | 05:55 Uhr

Nur ein Wort

„Heute ist aber schlechte Stimmung!“, denke ich noch. Wir sitzen zusammen in meinem kleinen Seelsorgebüro im Gefängnis, mein Gegenüber und ich. Und er hat Frust, aber so richtig. „Alles läuft schief!“, sagt er. Er fühlt sich ungerecht behandelt, Stress an allen Enden: Hier in Haft. Aber auch draußen mit der Familie. Nichts funktioniert, wie es sollte. Er schimpft sich alles von der Seele. Und ich gebe mir Mühe, ihn zu beruhigen. Eine ganze Stunde lang. Aber es klappt nicht. Ganz am Schluss unseres Gespräches, im Hinausgehen, fragt er noch: „Darf ich von Ihrem Telefon noch kurz bei meiner Frau anrufen?“ Ich weiß: Telefonieren ist hier im Gefängnis immer ein Problem. Rechtlich spricht bei ihm nichts dagegen. Also warum nicht?


Er wählt die Nummer. Aber statt seiner Frau meldet sich eine Kinderstimme. Die Enkeltochter ist zu Besuch, vier Jahre alt. „Hallo Opa!“ Und dann geschieht ein kleines Wunder: Von einem Moment zum anderen hellt sich das Gesicht des Mannes auf. Er lächelt. Redet ganz sanft. Ist durch und durch fröhlich. Ich frage mich: Wo ist denn all die Wut hin? Wo ist dieser Frust, den er mir vorher eine Stunde lang um die Ohren geschimpft hat? Das „Hallo!“ der Kleinen hat in ihm einen Schalter umgelegt. Dieses eine Wort hat den Sturm der Wut gestillt. Ich bringe ihn von meinem Büro zurück zu seiner Zelle. Als wir uns verabschieden, lächelt er immer noch zufrieden. Wahnsinn. Ein Wort, von der richtigen Person gesprochen, ändert alles.


Ich denke an eine Geschichte aus der Bibel: Die Jünger Jesu sind in einem Boot auf dem See unterwegs. Ein Sturm kommt auf. Sie haben Angst, dass das Boot sinkt. Dass sie ertrinken. Aber Jesus ist da. Er tut gar nicht viel. Er steht auf, sagt nur ein Wort, und der Sturm legt sich. Daran fühle ich mich erinnert. Vielleicht ist das so, dass manchmal ein einziges Wort reicht, um den Sturm zu beenden. Vielleicht sollte ich mich mal umschauen, ob es für mich auch ein solches Wort gibt. Und vor allem überlegen: Wer es für mich sprechen müsste.


Vielleicht ist es auch ein Wort Jesu – wie damals auf dem See. Ein Wort, das mir Hoffnung gibt, wenn ich denke, ich versinke in meinen Sorgen. Vielleicht ist es auch ein Wort meiner Kinder, das mich zum Lächeln bringt. Und eine düstere Welt freundlich macht. Vielleicht muss es gar kein Wort sein, vielleicht reicht auch ein Blick, eine Umarmung. Ein „Ich bin da für dich“. Ich mach mich mal auf die Suche. Und, wenn ich es gefunden habe, werde ich es nicht mehr loslassen. So viel steht fest.



Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius


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