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Choralandacht | 14.06.2014 | 07:50 Uhr

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Nun freut Euch, lieben Christen g´mein (eg 341)

1. Juli 1523. In Brüssel werden zwei junge Mönche auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Martin Luther ist entsetzt, denn die beiden Ordensbrüder hatten nichts anderes getan, als seine neue Lehre zu verbreiten: Gott müsste nicht durch gute Werke gnädig gestimmt werden. Die ewige Seligkeit könne jeder erlangen, der ernsthaft an Gottes Gnade glaubt. Doch damit galten sie als Ketzer. Die Inquisition, die Glaubensüberwachungsbehörde der römischen Kirche, hatte wieder zugeschlagen.

Es sind politisch stürmische Jahre. Martin Luther ist seit dem Reichstag in Worms vor zwei Jahren mit der Reichsacht belegt, er lebt nur noch, weil er von seinem Landesherrn geschützt wird. Jetzt widerspricht er öffentlich, er dichtet ein Protestlied. Es beginnt mit den Worten „Ein neues Lied wir heben an“, schildert das schreckliche Verfahren und verurteilt den Mord an den beiden tapferen Glaubenszeugen. Es verspottet die Feigheit der Richter und rühmt den Mut der Opfer. Selbst der drohende Feuertod hatte die beiden nicht daran hindern können, ihren Glauben an den gnädigen Gott zu bezeugen.

Sprecher: Zwei große Feur sie zünd'ten an,

Die Knaben sie her brachten,

Es nahm groß Wunder Jedermann,

Daß sie solch' Pein veracht'ten,

Die beiden jungen Mönche werden hingerichtet. Mit seinem Lied, als Flugblatt vervielfältigt, verbreitet Luther diese Nachricht. Die politische Lage spitzt sich weiter zu, wenig später kommt es zum Aufstand der Bauern. Martin Luther aber merkt durch seine Protestaktion mehr oder weniger zufällig, dass er durch Lieder öffentlich wirken kann. Noch im gleichen Jahr 1523 erscheint sein erstes Lied für die Gemeinde, ganz ähnlich gestaltet wie das Protestlied: Nun freut euch lieben Christen gmein …

Musik

1. Strophe: Nun freut euch, lieben Christen gmein, Und laßt uns fröhlich springen, Daß wir getrost und all in ein Mit Lust und Liebe singen,

Was Gott an uns gewendet hat Und seine süße Wundertat

Gar teu‘r hat er‘s erworben.

Sprecherin (overvoice): 1. Nun freut euch, lieben Christen gmein,

Und laßt uns fröhlich springen,

Daß wir getrost und all in ein

Mit Lust und Liebe singen,

Was Gott an uns gewendet hat

Und seine süße Wundertat

Gar teu‘r hat er‘s erworben.

Autor: Gott wendet sich den Menschen zu, er will nicht richten, er will helfen, ihre Not lindern. Das hat Martin Luther auf einmal begriffen. Wie ein Blitz hat ihn diese neue Erkenntnis getroffen, hat die Dunkelheit seines Lebens schlagartig erhellt. Lange Zeit ging es ihm wirklich schlecht, er quälte sich Jahr um Jahr mit der Frage: Wie finde ich einen gnädigen Gott? Wie kann ich Vergebung für meine Sünden erlangen?

Musik

2. Strophe: Dem Teufel ich gefangen lag, Im Tod war ich verloren,

Mein Sünd mich quälte Nacht und Tag, Darin ich war geboren;

Ich fiel auch immer tiefer drein, Es war kein Guts am Leben mein,

Die Sünd hat mich besessen.

Sprecherin (overvoice)

2. Dem Teufel ich gefangen lag,

Im Tod war ich verloren,

Mein Sünd mich quälte Nacht und Tag,

Darin ich war geboren;

Ich fiel auch immer tiefer drein,

Es war kein Guts am Leben mein,

Die Sünd hat mich besessen.

Autor: Die Angst vor Gottes Gericht peinigte Martin Luther. Wie kann ich diesen Richter gnädig stimmen? so fragt er. Muss ich ihn bestechen? Durch Spenden? Durch tadelloses Verhalten? Nichts kann ihn beruhigen, er wird die Angst vor der Hölle nicht los.

Musik

3. Strophe: Mein gute Werk, die galten nicht, Es war mit ihn‘ verdorben,

Der frei‘ Will hasste Gotts Gericht, er war zum Gut erstorben.

Die Angst mich zu verzweifeln trieb, Daß nichts denn Sterben bei mir bleib,

Zur Höllen mußt ich sinken.

Sprecherin (overvoice):

3. Mein gute Werk, die galten nicht,

Es war mit ihn verdorben,

Der frei‘ Will hasste Gotts Gericht,

er war zum Gut erstorben.

Die Angst mich zu verzweifeln trieb,

Daß nichts denn Sterben bei mir bleib,

Zur Höllen mußt ich sinken.

Autor: Dann aber dieses Blitzlicht, das sein Leben verändert: Er stößt in der Bibel auf einen Satz, der lange Zeit unbeachtet geblieben war. In seinem Brief an die Gemeinde in Rom schreibt der Apostel Paulus:

Sprecher: So halten wir denn dafür, dass der Mensch gerecht werde, nicht durch des Gesetzes Werke, sondern allein durch den Glauben. (Röm 3,28)

Autor: Wer ernsthaft an Gottes Güte glaubt, der muss sich keine Sorgen mehr machen. Martin Luther kann von gar nichts anderem mehr reden, diese neue Erkenntnis verbreitet er in Thesen, in Schriften, Predigten und auch in Liedern. Und seine Schüler geben seine Gedanken weiter, so wie die beiden Mönche, die in Brüssel hingerichtet wurden.

In den folgenden Strophen erzählt Luther diese ganz andere Geschichte, die Geschichte vom gütigen, gnädigen Gott und seinem Sohn: Gott hat Mitleid mit den Menschen, er schickt seinen Sohn, der soll den Menschen zeigen, wie Gott wirklich ist.

Sprecher:

4. Da jammert Gott in Ewigkeit

Mein Elend übermaßen,

Er dacht an sein Barmherzigkeit,

Er wollt mir helfen lassen.

Er wandt zu mir das Vaterherz,

Es war bei ihm fürwahr kein Scherz,

Er ließ sein Bestes kosten.

Autor: Gott sendet seinen Sohn in die Welt. Er soll sich für das Leben einsetzen und gegen den Tod. Er soll anders von Gott sprechen, als es die Menschen gewohnt sind: dass Gott wie ein verständnisvoller Vater zu denken ist, freundlich, liebevoll. Der Sohn soll sich deshalb gerade denen zuwenden, die am Rand stehen: die arm sind, die krank sind, die sich in Schuld verstrickt haben. Ein Auftrag nicht ohne Risiko. Die meisten Menschen stellen sich damals Gott als strengen Richter vor, wenn sie sich überhaupt ein Bild von Gott machen. Mit dem, was Jesus tut und lehrt, widerspricht er den religiösen und politischen Eliten. Und deshalb werden sie Gottes Sohn umbringen, er verwirrt die Menschen mit seinen Geschichten von Gott als einem guten Vater.

Musik

5. Er sprach zu seinem lieben Sohn: Die Zeit ist hier zu erbarmen,

Fahr hin, meins Herzens werte Kron, Und sei das Heil dem Armen

Und hilf ihm aus der Sünden Not, Erwürg für ihn den bittern Tod

Und laß ihn mit dir leben.

Sprecher (overvoice)

5. Er sprach zu seinem lieben Sohn:

Die Zeit ist hier zu erbarmen,

Fahr hin, meins Herzens werte Kron,

Und sei das Heil dem Armen

Und hilf ihm aus der Sünden Not,

Erwürg für ihn den bittern Tod

Und laß ihn mit dir leben.

Autor: Der Sohn kommt auf die Erde, wird Mensch unter Menschen und wirkt unter ihnen mit der Kraft seiner Worte, nicht mit Gewalt. Er bringt die gute Botschaft, dass keiner mehr Angst haben muss, von Gott gerichtet zu werden, denn er selbst, Gott ist Liebe, die Kraft, die Leben schenkt; diese Kraft kann jeder spüren, sie richtet nicht hin, sie richtet auf, sie überwindet den Tod.

„Nun freut euch, lieben Christen gmein“ – mit diesem Lied haben sich Luthers Reformgedanken schnell im Volk ausgebreitet, es steht am Anfang der Reformation, ein Protestsong gegen eine Lehre, die Angst macht, und gegen eine Kirche, die das Heil verwaltet und sich Trost bezahlen lässt.

Unsere Lieder heute singen kaum noch von der Suche nach dem Seelenheil. Aber sie erzählen weiter von der Liebe Gottes, die allen Menschen das Leben schenkt. Das zu glauben genügt. Alle anderen Vorschriften für ein frommes Leben sind überflüssig, sind nur von Menschen geschriebene Gesetze „Hüt dich vor der Menschen Satz“, dichtet Martin Luther in der letzten Strophe. Und stößt uns an, weiter von Gott zu erzählen. Von dem Gott, der Menschen frei macht.

Musik

Was ich getan hab und gelehrt, das sollst du tun und lehren,

damit das Reich Gottes werd gemehrt zu Lob und seinen Ehren.

Und hüt dich vor der Menschen Satz, davon verdirbt der edle Schatz,

das laß ich dir zu Letze.

Musikinformationen:

CD-Name: Verleih uns Frieden gnädiglich

Titel: Nun freut Euch, lieben Christen g‘mein

Text: Martin Luther

Sätze: Johann Sebastian Bach (1,7)

Gerhard Schnitter (2,3,5,6)

Hans Leo Haßler (4)

Chor: Studiochor des Evangeliums Rundfunks

Leitung: Gerhard Schnitter

Verlag: Schulte & Gerth, Asslar

LC-NR: 06160

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