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Kirche in WDR 3 | 29.07.2014 | 07:50 Uhr

Der Riese und der Zwerg

Die Großen fallen immer gleich als Erste auf. Das gilt nicht nur fürs Zwischenmenschliche, auch bei Kirchbauten ist das so.

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer.

Wer einmal den Münsteraner Dom besucht hat, der wird schwerlich diesen immensen Riesen übersehen haben. Seit fast 400 Jahren begrüßt er förmlich die Besucher des Domes vom Mittelschiff aus. Fünf Meter misst die kolossale Sandsteinfigur von Kopf bis Fuß und ihre Größe wird noch dadurch verstärkt wird, dass sie auf einem drei Meter hohen Sockel steht. Dieser Riese stützt sich mit seiner linken Hand auf einen Eichenstamm. Auf seiner rechten Schulter trägt er das Jesuskind. Eine Weltkugel liegt in der einen Hand des Kindes, die andere ist zum Segen erhoben. Der Name des Riesen ist Christophorus.

Die Großen fallen immer gleich als Erste auf – die Kleinen muss man suchen. Diagonal gegenüber diesem Koloss nämlich, in großer Höhe dort, wo die Westwand an das Gewölbe stößt, ist eine winzige Sandsteinfigur zu sehen, ein Zwerg mit einem spitzen Hut auf dem Kopf. Als würde er aus einem Fenster herunterschauen – mit großen Augen und freundlich lächelnd. Der Kontrast dieser Figur zum Christophorus könnte kaum größer sein. Der Riese hat einen Namen, der Zwerg ist namenlos. Der Riese ist unübersehbar, den kleinen Kerl unterhalb des Gewölbes nimmt kaum jemand wahr. Viele Menschen, auch solche, die im Dom ein und ausgehen, haben ihn noch nie gesehen. Auch bei mir dauerte es mehr als 50 Jahre, bis ich ihn bemerkt habe.

Riese und Zwerg, beide bilden ein spannendes Thema, wenn ich den Kommunionkindern meiner Gemeinde den Dom zeige. Riesen kennen sie aus Märchen. Kleine Jungen träumen davon, stark und unbesiegbar zu sein. Um Stärke geht es auch in der Christophoruslegende. Sie handelt von dem Riesen Offerus, der nur eines im Sinn hat, nämlich dem stärksten Herrn der Welt zu dienen. Nur, er findet keinen. Schließlich rät ihm ein Einsiedler, seine Kräfte in den Dienst frommer Pilger zu stellen und sie über einen reißenden Fluss zu tragen. Irgendwann bittet ihn ein Kind. Ein Leichtes, kaum der Rede wert, mag der Riese gedacht haben. Doch mitten im Fluss hält er inne. Eine ungeheure Last drückt ihn nach unten. Er fragt das Kind: “Wer bist du?“ Es antwortet: “Du trägst den, der die ganze Welt in seinen Händen hält.“ Seitdem trägt der Riese den Namen Christophorus, Christusträger.

Den Zwerg mit seiner spitzen Mütze finden die Kinder dagegen einfach drollig und lustig. Sie winken hinauf und finden es toll, dass sich der kleine Kerl da oben versteckt hat. Tun sie selbst doch nichts lieber als zu klettern, sich zu verstecken und andere dann zu überraschen. Manche der Kommunionkinder erinnern sich aber auch an eine Jesusgeschichte, an Zachäus, den kleinen Zöllner, der auf einen Baum geklettert war, um Jesus zu sehen, und wie er sich freute, von Jesus entdeckt und angesprochen zu werden.

Liebe Hörerinnen und Hörer, ich wünsche Ihnen für heute einen wachen Blick für das Unscheinbare. Vielleicht wird es Ihnen ähnlich wie Christophorus geschenkt, im Kleinen etwas vom Paradies zu entdecken, den Glanz des Göttlichen. Ihr Domkapitular Ferdinand Schumacher aus Münster.

Copyright Vorschaubild: Bönte Dialogverlag

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