#
Aktuelles

Beiträge auf: wdr3 

katholisch

Kirche in WDR 3 | 09.10.2014 | 07:50 Uhr

Vom Achtsamsein

Guten Morgen, verehrte Hörerinnen und Hörer!

An den kommt man ja gar nicht dran, sagen Kolleginnen und Kollegen über Herrn Schulz. Der ist ja sowas von zugeknöpft. Der dünkt sich wohl was Besseres. Herr Schulz packt mittags seine Butterbrotdose aus. Er nimmt seine Mahlzeit nicht wie alle anderen in der Kantine, sondern an seinem Bürotisch ein. Herr Schulz trägt jeden Tag einen Anzug. Herr Schulz lacht nie und lächelt selten. Vor allem dann, wenn die Tochter von Frau Weber zu Besuch kommt. Die mag er gerne. Die erinnert ihn an seine eigene kleine Tochter.

Sie ist vor 20 Jahren verstorben, doch das weiß hier niemand. Herr Schulz hat sich seitdem verändert. Er lässt kaum jemanden an sich heran. Manchmal denkt er, dass sich sein Herz in all den Jahren verhärtet hat. Irgendwie zu Stein geworden ist.

Das gibt es. Da wird ein Mensch unerreichbar. Er kesselt sich ein in seine Lebensthemen und verengt seine Weltsicht wie in einem Tunnel. Niemand fragt, warum, weil niemand hinter die Fassade des Gesichts, der Kleidung blicken will, blicken kann, blicken soll.

Manchmal denke ich, dass es mir mit Gott ähnlich geht.

Manchmal bin ich so verstrickt in meine eigene körperliche und seelische Befindlichkeit, dass Gott keine Chance hat, mich zu erreichen.

Oder ich zergrübele mich über Konflikte und Katastrophen dieser Welt.

In solchen Dunkelzeiten kann ich selten wie der Psalmist in Psalm 23 beten:

Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürcht ich kein Unheil.

Nein, ich fürchte Unheil.

Und ich spüre Gott nicht, wenn ich nach Gott rufe.

Oft erst im Nachhinein, erst auf der Lichtung hinter dem finsteren Wald erkenne ich Gottes hilfreiches, heilsames Wirken. Dann erst spüre ich, dass Gott mich getragen hat durch die Felsschluchten und über die Abhänge meines Lebens.

Manches Mal muss ich in solchen Situationen an eine bildhafte Geschichte denken, die von diesem unaufdringlichen Helfen Gottes handelt:

Es ist Hochwasser und ein Mann rettet sich vor den steigenden Fluten auf das Dach seines Hauses.

Da will ihm ein Mann von einem Boot aus einen Schwimmring zuwerfen.

"Nicht nötig", ruft der Mann, „Gott wird mir helfen!“

Wenig später kommt ein Boot vorbei und Menschen rufen: „Steig ein!“

„Nein!“, erwidert der Mann. „Nicht nötig! Gott wird mir helfen.“

Das Wasser steigt und steigt und von einem Hubschrauber wird eine Strickleiter zu dem Mann herunter gelassen. „Halten Sie sich fest!,“ ruft jemand,

„wir ziehen Sie hoch!“ „Nein“, ruft der Mann zurück, „Gott rettet mich!“

Schließlich ertrinkt der Mann und kommt zu Gott.

„Warum hast du mich nicht gerettet?“, fragt er Gott vorwurfsvoll.

„Das habe ich versucht“, antwortet Gott, „aber du hast dich nicht darauf eingelassen. Was hätte ich denn noch tun sollen?“

In aktuellen Untersuchungen zum Glücklichsein ist häufig die Rede von Achtsamkeit.

Achtsamkeit auf Nebensächliches, auf die Beachtung stiller Gesten, auf die Botschaft zwischen den Zeilen. Solche Achtsamkeit mildert ein verhärtetes Herz, weitet den Tunnelblick.

Guter Gott, diese Achtsamkeit will ich heute üben. Vielleicht kann ich Dein Wirken dann klarer erkennen, Dein lebendiges Dasein gerade in den Felsschluchten meines Lebens.

Einen guten Tag wünscht Ihnen Petra Fietzek aus Coesfeld

Copyright Vorschaubild: Public Domain Pixabay

evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen