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Kirche in WDR 3 | 05.11.2014 | 07:50 Uhr

Konstanz

Guten Morgen!

Heute bin ich ein stolzer Konstanzer. Naja, Ex-Konstanzer, denn ich wohne schon seit Jahrzehnten nicht mehr dort. Heute ist für Konstanz ein besonderes Datum, denn vor genau sechshundert Jahren war Konstanz mehr als nur eine wunderschöne kleine Stadt am Bodensee. Im Jahr 1414 wurde nämlich das Konstanzer Konzil eröffnet, so eine Art Treffen der Vereinten Nationen der christlichen Welt.

Anlass war ein Problem ohne Präzedenzfall: Gleich drei Männer beanspruchten, der rechtmäßige Papst zu sein und machten die Kirche handlungsunfähig. Wer sollte entscheiden, wer der richtige Papst ist? Also hatte der damalige König Sigismund alle Bischöfe und kirchlichen Entscheider nach Konstanz zusammengetrommelt. Daneben standen viele dringend nötige Reformen auf der Agenda.

Im Sommer habe ich mich in Konstanz auf eine Spurensuche zu den beiden wichtigsten originalen Orten des Konzils begeben.

Begonnen habe ich in der Innenstadt, am Konstanzer Münster. Hier war der Hauptversammlungsort des Konzils. Als ich durch die große Kirche ging, habe ich mir vorgestellt, wie es ausgesehen haben muss: eine Kirche, gefüllt mit Tribünen und Rednerpulten. Hunderte Bischöfe und Gelehrte in Verhandlungen und Debatten. Argumente und Positionen, die heftig aufeinanderprallen. So wurde vor sechshundert Jahren hier in Konstanz um die Zukunft der Kirche gerungen.

Dann ging ich weiter zum Seeufer und bin auf das Konzilsgebäude gestoßen. In Teilen noch Original ist dieses das Haus, in dem zum ersten und einzigen Mal auf deutschen Boden ein Papst gewählt wurde. Für mich ist es zum Symbol dessen geworden, was das Konzil ausgemacht hat: Hier wurde der Streit um das Papstamt letztlich beendet. Tragischerweise war danach für die Kirchen- und Glaubensreform keine Zeit und keine Energie mehr da. Das Münster und das Konzilsgebäude: sie stehen für die Chancen einer echten Debattenkultur in der Kirche. Leider stehen sie auch für die bittere Erkenntnis, dass solche Debatten nicht immer zu Ende geführt werden. Und daran musste ich denken, als vor kurzem in Rom die außerordentliche Familiensynode der Bischöfe und des Papstes zu Ende gegangen war. Zum ersten Mal seit langem war da in der Kirche wieder etwas Ähnliches greifbar, wie im Münster von Konstanz, oder beim 2. Vatikanischen Konzil vor 50 Jahren: eine offene Diskussion. Der Zwischenbericht der Synode zeigte eine vorher nie gekannte Weite der Debatte. Etwas, das wohl keiner wirklich von den Bischöfen erwartet hätte.

Aber dann kam der Abschlussbericht. Keine der Perspektiven aus dem Zwischenbericht hatten es dort hineingeschafft. Also auch wieder alles beim alten, wie nach der Papstwahl im Konzilsgebäude von Kostanz?

Das glaube nicht. Denn es gab ja durchaus eine Mehrheit für ein moderneres Denken. Sie war nur noch nicht groß genug. Damit besteht für mich Hoffnung, dass es in einem Jahr, wenn die ordentliche Bischofssynode losgeht, vielleicht doch eine Neuorientierung gibt.

Die Zeit ist reif, dass sich in der Kirche in dieser Frage endlich etwas bewegt – aber im Miteinander und nicht nur von oben herab. Das Konzil in Konstanz erinnert mich daran – im Guten wie im Schlechten.

Ihr Vikar Jörg Heinemann aus Attendorn

Copyright Vorschaubild: thomas CCBY-SA 2.0 flickr

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