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Kirche in WDR 3 | 17.06.2015 | 07:50 Uhr

-wahrnehmen, was dran ist

Guten Morgen.

Mitten in der Woche, heute, Mittwoch, und ich weiß nicht so recht, ob es gut ist, dass die Woche schon halb rum ist, oder ob es schlecht ist, dass ich die sie zur Hälfte noch vor mir habe. Kann man daran die Optimisten von den Pessimisten unterscheiden? So wie anscheinend an der halbvollen bzw. halbleeren Kaffeetasse?

Vielleicht ist die Mitte der Woche ja ein guter Tag, um mal auf die eigene Work-life-Balance zu schauen. Wie viel Zeit habe ich denn heute für die Arbeit eingeplant und wie viel für Freizeit und Entspannung? Wie viel Zeit widme ich heute meiner Familie, meinen Freunden? Es gibt unzählige Beratungsangebote, Seminare oder Bücher, die alle das erklärte Ziel haben, Menschen zu helfen, in eine gute Balance zu kommen. Eine Balance zwischen Arbeit und Freizeit, die die Lebensfreude wachhält und dabei auch die eigene Wirksamkeit spüren lässt. Und diese Lebensbalance, die soll sich individuell dann natürlich auch gut auswirken auf mein Lebensgefühl.

Das ist eigentlich nichts Neues! Denn „alles hat seine Stunde, für jedes Geschehen unter dem Horizont gibt es eine bestimmte Zeit“ (Koh 3,1). Diesen prägnanten Satz findet man schon im Alten Testament der Bibel, und zwar im Buch des Weisheitslehrers Kohelet. Und dann heißt es da weiter (vgl. Koh 3,2-8): „Eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Ernten, eine Zeit zum Bauen und eine Zeit, das Gebaute einzureißen, eine Zeit für die Liebe und eine für den Hass, eine für die Geburt und eine zum Sterben.“ Ein ganz pragmatischer Text ist das, so ganz ohne moralische Botschaft, ohne Appell, auch ja das Richtige zu tun. Einfach nur eine Situationsbeschreibung der Wirklichkeit, des „real life“ eben. Der Text ist übrigens so eindringlich und allgemeingültig, dass der amerikanische Folk-Sänger Pete Seeger daraus in den 60iger Jahren des letzten Jahrhunderts einen Hit geschrieben hat: Turn, turn, turn – ein Oldie, mir klingt er immer noch im Ohr.

Wahr nehmen, was heute dran ist und was auch nicht – und das auch wahr sein lassen. Wie schnell versucht dagegen das tückische Wörtchen ‚eigentlich‘, mich von meiner Lebenswirklichkeit wegzulocken: Eigentlich müsste ich ja heute Abend unbedingt noch dies und das machen… Mir fällt bei dieser Formulierung immer direkt etwas ein, was ich heute – eigentlich – noch unbedingt tun müsste? Ich persönlich glaube ja, dass das Wörtchen „eigentlich“ ein schlechtes Gewissen offenbart, weil man sich über die Erkenntnis hinwegsetzt: Da ist etwas wichtiger, als das, was ich jetzt gerne tun möchte. So gesehen müsste ich das Eigentliche, was wirklich hier und jetzt anliegt, ernst nehmen.

Heute, mitten in der Woche, gönne ich mir meine eigene Wirklichkeit. Und die liegt irgendwo zwischen bereits angefangen und: doch, da geht noch was.

Ach ja, noch mal zurück zur Kaffeetasse, die Sie jetzt ja vielleicht gerade vor sich stehen haben: Die Antwort, ob halbvoll oder halbleer ist ja so eine klassische Optimist / Pessimist – Frage. Wenn man es einfach mal ohne Wertung versucht, einfach nur mit der Wahrnehmung der Wirklichkeit, so wie sie ist, dann würde der Physiker vermutlich sagen: Natürlich ist die Tasse immer ganz voll: zur Hälfte mit Kaffee, und zur anderen Hälfte mit Luft.

Aus Oberhausen verabschiedet sich Ingelore Engbrocks

Copyright Vorschaubild: Public Domain Pixabay

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