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Kirche in WDR 3 | 09.10.2015 | 07:50 Uhr

Bei Gott haben wir einen festen Wohnsitz

Guten Morgen,

vor einiger Zeit stand in einer Kölner Kirche ein Zelt des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR). Das Zelt war Teil einer Flüchtlingsaktion. Es war vor allem dazu gedacht, dass Jugendliche in dieses Zelt hineingehen und die Ausstattung anschauen und anfassen können. Die jungen Menschen sollten so die Gelegenheit bekommen, sich einen Eindruck davon zu verschaffen, wie die Menschen, die auf der Flucht in ein Flüchtlingslager kommen, untergebracht sind. Als ich selbst das Zelt betrat, war ich erschrocken darüber, auf welch engem Raum ganze Familien oft wochen- oder monatelang leben müssen. Aber das Zelt rettet ihr Leben.

Das Zelt ist ein Symbol für Menschen, die keinen festen Wohnsitz haben, sondern sich nur vorübergehend an einem bestimmten Ort aufhalten. Diese „Nicht-Sesshaftigkeit“ kann man zunächst als Defizit werten. Spannend aber ist: Gerade in der jüdisch-christlichen Tradition gibt es eine ausgeprägte Spiritualität der Nicht-Sesshaftigkeit. Eine Theologie in Zelten, wenn man so will.

Das Volk Israel, das in der Exoduserzählung vierzig Jahre durch die Wüste zieht, lebt seine Gottesbeziehung in Zelten, im Nicht-Sesshaften. Auf ihrem Weg in das Gelobte Land müssen die Israeliten keine Angst haben, weil Gott immer bei ihnen und mit auf dem Weg ist. Als Zeichen dafür zieht Gott tagsüber in einer Wolke vor ihnen her, und in der Nacht ist es die Feuersäule. Gott ist ihre Heimat.

Ein Gott, der in Zelten wohnt, der mitzieht mit seinem Volk: An diese Spiritualität der Nicht-Sesshaftigkeit knüpft Jesus an, als er seine Botschaft verkündet.

Auf seinem Weg nach Jerusalem wird Jesus eines Tages von einem Schriftgelehrten angesprochen, der ihn kennen und schätzen gelernt hat und der ihm nun nachfolgen möchte. Obgleich er bereit ist, mit Jesus fortzugehen, nimmt Jesus ihn nicht einfach mit Begeisterung auf, sondern lässt ihn wissen, worauf er sich einlässt. Jesus erklärt ihm, wie er lebt: „Die Füchse haben ihre Höhlen, und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann“ (Lk 9,58). Jesus macht dem Schriftgelehrten deutlich, dass es nicht leicht ist mit ihm unterwegs zu sein, weil er nirgends einen festen Ort hat, weder Haus, noch Bett oder Ruhekissen. Wer Jesus auf seinem Weg folgen will, der muss alle Sicherheiten und allen Schutz hinter sich lassen und wie ein Unbehauster, wie ein Heimatloser leben, denn Jesus geht dorthin, wo die Menschen ihn brauchen, und gibt ihnen Nähe und Gemeinschaft: Gott ist ihre Heimat. Das Beispiel Jesu zeigt mir, dass Heimatlosigkeit auch eine bewusste spirituelle Lebensform sein kann.

Heimatlosigkeit oder Nichtsesshaftigkeit ist sogar ein existenzieller Zustand im menschlichen Dasein. Er gehört zu unserem Leben als Menschen dazu. Denn wir wissen, dass wir auf Erden nicht verwurzelt sind und uns hier nicht festmachen können. Wir können uns hier nicht dauerhaft einrichten, weil unser irdisches Leben nur vorübergehend ist, und wir eines Tages sterben müssen. In meiner Arbeit beim Erzbistum Köln habe ich angefangen, mich intensiv mit Trauerpastoral und Trauerbegleitung zu befassen. Gerade auf dem letzten Stück des Lebensweges kann die Erfahrung der eigenen Nicht-Sesshaftigkeit auf Erden große Ängste auslösen. Oder auch Trost - wenn man seine Heimat festmacht in Gott. Das bezeugt auch der Apostel Paulus, wenn er sagt: „Wir wissen: Wenn unser irdisches Zelt abgebrochen wird, dann haben wir eine Wohnung von Gott, ein nicht von Menschenhand errichtetes ewiges Haus im Himmel“ (2 Kor 5,1.4).

Mich persönlich tröstet dieser Gedanke sehr: das Wissen, bei Gott einen festen Wohnsitz zu haben.

Und damit verabschiedet sich aus Köln. Eva-Maria Will

Copyright Vorschaubild: Public Domain Pixabay

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