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Kirche in WDR 3 | 21.10.2015 | 07:50 Uhr

DIESER BEITRAG ENTHÄLT MUSIK, DAHER FINDEN SIE HIER AUS RECHTLICHEN GRÜNDEN KEIN AUDIO.

Christus Corpus

Guten Morgen!

Es war in Boston. Eine gute Bekannte hatte mich eingeladen, mit ihr das „Museum of Fine Arts“ zu besuchen. Ein Kosmos menschlicher Kulturgeschichte, die dort in verschiedenen Abteilungen vor einem ausgebreitet ist, angefangen von den Antikensammlungen aus Ägypten, Griechenland, Rom … bis hin zur zeitgenössischen Malerei.

Bei meinem Rundgang stand ich plötzlich vor einem abgelegenen Saal, der sich als die Nachbildung einer romanischen Kapelle entpuppte: Das Original war wohl in Spanien, erste Hälfte 13. Jahrhundert. In der Apsis, vis-à-vis dem Eintretenden gegenüber, ein Fresko: Der wiederkehrende Christus, eingefasst in einer Mandorla, und seitlich davon an der Wand ein lebensgroßer Corpus des Gekreuzigten, der auf den Besucher herabschaut.

Damit hatte ich nicht gerechnet: Inmitten des Musealen urplötzlich und überraschend hineingenommen zu sein in die Aura des Heiligen. Ich fühlte mich von diesem Christus angeschaut und wurde mir schlagartig der Präsenz des Göttlichen bewusst– und das an einem Ort, an dem ich das am allerwenigsten vermutete.

„Nein, Du darfst hier nicht hängen!“, war mein erster Gedanke mit Blick auf den romanischen Christus. „Du gehörst doch in eine Kirche, in einen sakralen Raum, nicht in ein Museum!“ Aber das schien nur mir so durch den Kopf zu gehen, denn dann ich sah vor mir ein japanisches Pärchen, das interessiert, aber religiös nicht sonderlich ergriffen, an den Exponaten entlangging; ein altes Ehepaar, das sich für Elfenbeinschnitzereien in einer Vitrine interessierte; eine Gruppe Jugendlicher, die kurz einen Blick in den Raum warfen und dann weitergingen … Alles – aber keine religiöse Anteilnahme war bei ihnen zu spüren.

Mir kamen die Worte Jesu in den Sinn, mit denen er sein eigenes Sterben gedeutet hat: „Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen!“ (Joh 12,32) – eben genau auch jene, die heute offensichtlich teilnahmslos, religiös eher unmusikalisch, mit dem Heiligen in Berührung kommen, ob sie sich dessen bewusst sind oder nicht. Und ist der Ort des Profanen und Säkularen nicht auch der Ort, an dem Gott den Menschen begegnen, ihn erreichen will?

Bei der Schilderung des Sterbens Jesu heißt es bildreich, dass der Vorhang im Tempel mitten entzwei riss (vgl. Mt 27,51), der Vorhang, der das Sacrum vom Profanum trennt. Seitdem gibt es nichtmehr die Trennung zwischen Heiden und Gläubigen, auch nicht in einem Museum in Boston: Die säkulare Welt, da wo die Menschen leben, wird zum Ort, wo Gott den Menschen erreichen, ihn berühren will.

„Manchmal feiern wir mitten Tag ein Fest der Auferstehung“ , so heißt es in einem modernen Kirchenlied. Genau daran erinnere ich mich in jener säkularen „Museumskapelle“ in Boston. Warum sollten nicht auch andere Museumsbesucher unvermittelt mit dem Göttlichen in Kontakt kommen – ein Fest der Auferstehung, mitten am Tag.

Ich bin Peter Klasvogt aus der Kommende Dortmund.

Kommen Sie gut durch den heutigen Tag!

*Manchmal feiern wir

Text: Alois Albrecht 1974 / Musik: Peter Janssens 1974

© Peter Janssens Musik Verlag, Telgte

Aufnahme 01

Das Gesangsorchester Peter Janssens

In: Meine Lieder. Peter Janssens

LC 4679 / CD1074 / Track 09 (3:03)

Zitiert nach: http://www.kirche-im-swr.de/?page=manuskripte&id=19467

Copyright Vorschaubild: romanischer Christus wikimedia

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