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Kirche in WDR 3 | 16.12.2015 | 07:50 Uhr

Segnen und Gesegnet werden ist nicht unmodern.

Wenn es sich einrichten lässt, spreche ich nach den Gottesdiensten gerne mit den Leuten vor der Kirchtür. Wer lange als Seelsorger in einer Gemeinde lebt, dem sind viele Leute vertraut und manchmal genügt schon ein freundlicher Blick im Gottesdienst, um Nähe zu schaffen. Ich erzähle hier von einem schon älteren Mann. Er ist ziemlich schwerhörig. Fast schon taub. Aber Sonntag für Sonntag kommt er zum Gottesdienst, obwohl er kein Wort versteht von dem, was da gesagt, gepredigt oder auch gesungen wird. Als ich ihn frage, warum er dennoch komme, antwortet er: "Der Segen, wisst ihr, der Segen".

Der Segen ist mehr als ein frommer Wunsch. Er hat Teil an der Wirkkraft des Evangeliums. "Der Herr wird alle segnen, die ihn fürchten, segnen Kleine und Große", heißt das Versprechen im Psalm 115. Dietrich Bonhoeffer, von Nazi-Schergen hingerichtet, notierte im Gefängnis: "Segnen, das heißt die Hand auf etwas legen und sagen: Du gehörst trotz allem Gott." (vgl. Ferment 5,1998, S.2). Wer so etwas schreibt wie Boenhoeffer angesichts des Todes, weiß sich geborgen und weiß sich beachtet. Diese Sicherheit trägt und gibt die Kraft zum Tragen.

Es gab Zeiten, in denen der Segen und das Segnen selbstverständlicher war als heute. Wie sehr die Gläubigen einst den Segen und besonders den Segen am Schluss jeden Gottesdienstes geschätzt haben, zeigt ein kurzer Bericht aus der Chronik "liber pontificalis": Als Papst Vigilius 546 in Rom die Messe feiert, dringen kurz vor Schluss Soldaten an den Altar: Wegen kirchenpolitischer Streitereien hatte der oströmische Kaiser befohlen, den Papst zu verhaften. Kurzerhand wird er rabiat aufs Schiff geschleppt, das ihn nach Konstantinopel bringen soll. Das gläubige Volk bleibt an seiner Seite und erbittet in Sprechchören den noch ausstehenden Schlusssegen der Messe. Papst Vigilius breitet die Arme aus und gibt den Segen, den das Volk mit "Amen" beantwortet, worauf das Schiff abfährt.

Wobei: nicht nur Priester und Bischöfe können segnen. Früher war es gang und gäbe, dass auch im Haushalt gesegnet wurde. Ehe das Brot angeschnitten wurde, machte die Mutter oder der Vater ein Kreuz über den Brotlaib. Wenn mir heute das Brot geschnitten geliefert wird, soll ich es deswegen nicht mehr segnen? Zum Selbstverständlichen gehörte auch, dass Eltern ihre Kinder segneten, ehe sie aus dem Haus gingen. In vielen Teilen der Welt ist das heute noch so. Da begleitet das Segnen den Alltag. Kräuter, Kerzen und Trauringe werden gesegnet. Auch Wohnungen, Brücken, Autos. Jetzt könnten einige sagen: dahinter steckt doch ein magisches Verständnis der Welt. Aber: - das alles wird doch durch den Segen nicht magisch verändert. Es weckt vielmehr im Menschen die Hoffnung, in allen Lebensvollzügen von Gott behütet zu sein.

Der alte Mann, von dem ich erzählte, der seinen Kirchgang begründet: "Der Segen, wisst ihr, der Segen" wusste, worauf es ankommt. Segen ist die Sprache des Friedens. Segen verwandelt Mächte, die zerstören können in Kräfte, die versöhnen und helfen. Wer segnet und Segen wünscht, hilft die heillosen Zustände heilen. Segnen ist immer ein Zusprechen für einen anderen, wer immer den Segen auch ausspricht. Manchmal sagen die Leute: "Dieser Mensch ist ein Segen" oder auch "Auf diesem Haus liegt Segen". Ich weiß kein schöneres Kompliment für Sie, liebe Zuhörerinnen und Hörer. Kommen Sie gutbehütet in diesen Tag, Ihr Erich Läufer aus Leverkusen.

Copyright Vorschaubild: Martin Fisch CCBY-SA 2.0 flickr

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