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Kirche in WDR 3 | 08.02.2016 | 07:50 Uhr

Sind Sie echt?

Guten Morgen, liebe Hörer und Hörerinnen!

Auf dem Weg zu unserem täglichen Vespergebet sah ich sie plötzlich vor der Kirche stehen: zwei Teufelchen – und es zog mich unwiderstehlich zu ihnen hin. Es war Karneval und ich traf mit meinen Mitschwestern im Ordensgewand auf diese Gruppe Verkleideter, die sich an Münsters Lambertikirche tummelte. Dabei entstand ein Foto: eine Nonne zwischen einem als freundliche Teufel verkleideten Paar. Und jemand fragte mich: „Sind Sie echt?“ Eine Frage, die wir im Karneval öfter hören: „Sind Sie echt?“ Als ich zwischen diesen beiden Teufelchen stand, war ich mir plötzlich gar nicht mehr so sicher, ob ich echt war.

An Karneval traut man sich, gerade heraus so etwas zu fragen. Und zu einer guten Karnevalssitzung gehört es offensichtlich, nicht nur nach der Wahrheit zu fragen, sondern sie auch schonungslos zu sagen. Personen aus Politik, Wirtschaft und Kirche, die das ganze Jahr hindurch über alle Kritik erhaben sind, müssen es sich gefallen lassen, dass sie humorvoll unter die Lupe genommen werden. Karneval ist ebenso heiter wie schonungslos. Und daher passt diese Frage in den Karneval: „Sind Sie echt?“

Sie lässt mich doch nochmal genauer hinschauen. Bin ich wirklich echt oder verstecke ich mich auch etwas hinter diesem Gewand? Nein, meine Ordenstracht ist keine Verkleidung. Vielleicht ist es für manch einen befremdlich, aber ich trage das Kleid meines Ordens gern. Es drückt meine Zugehörigkeit zu einer Gruppe Menschen aus, die sich zur gleichen Lebensform gerufen fühlen wie ich: gelebte Armut in Gemeinschaft aus Liebe zu Gott und den Menschen. Es ist Ausdruck meiner Gesinnung. Insofern fühlt es sich für mich echt an, wenn ich das Ordensgewand trage.

In meinem Alltag, in den Begegnungen mit vielen Menschen und mit mir selber, kenne ich viele Formen von Verkleidung und Masken. Da haben sie allerdings oft den Sinn, etwas zu verbergen: vielleicht eine Emotion, einen Schmerz, ein Getroffensein, oder ein Fehlverhalten. Sich hinter Masken verschanzen bedeutet dann häufig, dass jemand Schutz braucht. Da einem Menschen die Maske schonungslos wegzureißen, würde ihn entblößen und ihm den Schutz rauben. Hinter diese Alltagsmasken zu schauen, ist gar nicht so leicht.

Am Rosenmontag aber haben Masken und Verkleidungen einen anderen Grund: Karneval ist spielerisch. Ich verstecke meine Alltagsrolle, in der ich vielleicht auch nicht immer ganz echt bin, und schaffe mir ein Wunsch-Äußeres, wie ich mich eben gern zeigen möchte. In diesem Spiel kann ich mit dem umgehen, was noch so alles in mir lebt und sonst nicht den Raum hat, sich zu entfalten. Und vielleicht hilft dieses Ritual dem ein oder anderen ja sogar, einmal mutig den Blick zu wagen auf das, was ihn wirklich ausmacht, jenseits der Alltagsrollen: „Bin ich echt?“

Die Frage „wer bin ich wirklich?“ muss nicht schonungslos gestellt werden, sondern liebevoll zu sich selbst. Aber in jedem Fall: ehrlich.

Dass Sie es schaffen, einmal mit Humor ehrlich darauf zu sehen, wer Sie wirklich sind: Das wünscht Ihnen – nicht nur zu Karneval – Sr. Ancilla Röttger aus Münster.

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Copyright Vorschaubild: Nonne Ben Eekhof CCBY 2.0 flickr

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