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Kirche in WDR 3 | 10.02.2017 | 07:50 Uhr

Kerzen als Gebet

Guten Morgen!

In der Heilig Kreuz Kirche, wo ich Pfarrer bin, kommen täglich viele Menschen und zünden dort eine Kerze an. Oft ist es ein ganzes Lichtermeer, welches da vor dem Kreuz oder dem Marienbild brennt. Ich beobachte das manchmal und bin überrascht, mit was für Anliegen die Menschen hierher kommen. Einige haben davon erzählt:

Eine Frau, die sich um ihre hochbetagten Eltern sorgt. Sie wohnen allein am anderen Ende der Republik. Wie soll sie, die Tochter, ihnen helfen, wie ihnen gerecht werden auf diese Distanz? Dann ein Vater auf dem Weg zur Arbeit. Auch er zündet eine Kerze an und denkt besonders an seine Tochter, die heute eine wichtige Prüfung zu bestehen hat. Zweimal war sie bisher durchgefallen. Jetzt braucht sie neuen Mut und ganz viel Kraft, die Herausforderung doch noch zu bestehen. Schließlich die Witwe, die ihren Ehemann nach langjähriger Partnerschaft plötzlich verloren hat. Sie ist jetzt allein und findet kaum Trost. Die Momente in der Kirche tun ihr gut, auch wenn sie es nicht verstehen kann, warum alles so kommen musste.

Jede Kerze, die in der Kirche angezündet wird, brennt für ein eigenes Anliegen – und das nicht nur in der Heilig Kreuz Kirche. Jede Kerze steht für ein eigenes, stilles Gebet um die Hilfe und den Segen Gottes, steht stellvertretend für den, der sie entzündet hat.

Mich berühren die Anliegen der Menschen und ihr Umgang mit der dahinterliegenden Not und dem entsprechenden Schicksal der einzelnen Beter und Bitter.

Ein sehr großer Beter, der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer, hat für mich dieses Erlebnis mit den Kerzen einmal wunderschön formuliert:

„Lass warm und still die Kerzen heute flammen,

Die du in unsre Dunkelheit gebracht.

Führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.

Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.“

Dietrich Bonhoeffer war auch Widerstandskämpfer, der von den Nationalsozialisten ins Gefängnis geworfen und noch kurz vor Kriegsende auf Befehl Adolf Hitlers ermordet wurde. Dieses neue geistliche Lied schrieb Bonhoeffer als Weihnachtsgruß aus dem Gefängnis an seine Verlobte und seine Familie. Für ihn war jede Kerze, die still entzündet wird, in besonderer Weise ein Widerschein von dem Licht, das in der Weihnacht in Bethlehem in die Finsternis unserer Welt gekommen ist. Gottes ewiges Licht scheint in der Dunkelheit meiner Nacht. Bonhoeffer war sich der Gegenwart Gottes gewiss und vertraute seine Lieben und sich selbst der Fürsorge und dem Segen Gottes an. So heißt es dann auch in dem Text:

„Von guten Mächten wunderbar geborgen,

Erwarten wir getrost, was kommen mag.

Gott ist mit uns am Abend und am Morgen

Und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Ich erahne, was Bonhoeffer gemeint hat, als er von guten Mächten sprach und von dem Licht, das in der Nacht leuchtet. So gehe ich des Öfteren in die Kirche und zünde auch eine Kerze an für einen Menschen, dem ich gerne versprochen habe für ihn zu beten. Die Kerze ist noch nicht das Gebet, aber so, wie sie sich verzehrt, steht sie stellvertretend für das Gebet und für diesen Menschen.

Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Christian Ritterbach aus Detmold.

*Gotteslob, Katholisches Gebet – und Gesangbuch, Nr.430 S. 488.

Ebd.

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