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Choralandacht | 18.08.2018 | 07:50 Uhr

DIESER BEITRAG ENTHÄLT MUSIK, DAHER FINDEN SIE HIER AUS RECHTLICHEN GRÜNDEN KEIN AUDIO.

Geh aus, mein Herz, und suche Freud (eg 503)

Musik 1: Choral (Bläser)

Sprecherin:

Geh aus, mein Herz, und suche Freud

in dieser lieben Sommerzeit

an deines Gottes Gaben;

schau an der schönen Gärten Zier

und siehe, wie sie mir und dir

sich ausgeschmücket haben.

Autor: Eines der meistgesungenen Lieder aus dem Evangelischen Gesangbuch, jedenfalls um diese Jahreszeit. Ganz gleich ob Gottesdienst oder Sommerfest. Meist singt man eine kleine Auswahl an Strophen. Der „Sommergesang“ von Paul Gerhardt ist jedoch ein Gesamtwerk, ein streng komponiertes Gedicht. Mir hat es sich erst erschlossen, als ich es mal in Gänze betrachtet habe. Seither liebe ich es noch mehr.

Musik 2: Choral (Strophen 2 und 3)

2. Die Bäume stehen voller Laub,

das Erdreich decket seinen Staub

mit einem grünen Kleide;

Narzissus und die Tulipan,

die ziehen sich viel schöner an

als Salomonis Seide,

als Salomonis Seide.

3. Die Lerche schwingt sich in die Luft,

das Täublein fliegt aus seiner Kluft

und macht sich in die Wälder;

die hochbegabte Nachtigall

ergötzt und füllt mit ihrem Schall

Berg, Hügel, Tal und Felder,

Berg, Hügel, Tal und Felder.

Autor: Ein irdischer Paradiesgarten. „Der schönen Gärten Zier“ malt der Dichter sechs Strophen lang im Detail aus. Storch und Hirsch, Bächlein und „schattenreiche Myrten“, Schafherde und Weizenfeld, Bienen und Weinreben. Aber ist das eine realistische Schilderung der Natur? Malt Paul Gerhardt, was er sieht? Schauen wir genauer hin. Lerche und Nachtigall singen nicht gleichzeitig.

Tulpen, damals eine Modeblume der Reichen, kannte der Autor vielleicht – wenn überhaupt – höchstens vom kurfürstlichen Lustgarten in Berlin.

Auch Myrten hat er sicher nicht in natura gesehen, sie kamen in Mitteleuropa nicht vor. Und Wein wurde in der Mark Brandenburg damals nicht angebaut.

Der Dichter schildert also nicht die Natur, wie er sie sieht und erlebt, sondern er beschreibt, was er weiß. So entsteht das Idealbild eines irdischen Paradieses. Aber mit welchem Ziel macht er das? Wozu zeichnet er dieses Bild?

Musik 2: Choral (Strophe 8)

8. Ich selber kann und mag nicht ruhn,

des großen Gottes großes Tun

erweckt mir alle Sinnen;

ich singe mit, wenn alles singt,

und lasse, was dem Höchsten klingt,

aus meinem Herzen rinnen,

aus meinem Herzen rinnen.

Autor: Wer die Natur in ihrer Schönheit betrachtet, kann gar nicht anders, als den Schöpfer zu preisen, so Paul Gerhardt. In der Komposition des Gedichts beginnt nun etwas Neues: Ein zweiter Vorstellungskreis folgt auf das irdische Naturparadies. Dieses, die Erde, erweist sich jetzt als Abbild des himmlischen Gartens.

Es ist nämlich so: In der Zeit des Barock, als Paul Gerhardt lebte, gab es eine beliebte Kunstform, das Emblem. Ein barockes Emblem besteht aus einem Motto, einer Überschrift, die das Thema nennt, dann aus einem Bild – meist ein Kupferstich – und schließlich aus einer Bildunterschrift, die den verborgenen Sinn des Bildes erläutert, auslegt und daraus eine Botschaft ableitet.

Paul Gerhardts Gedicht ist kein Emblem, aber es ist wie ein Emblem aufgebaut. Die erste Strophe ist das Motto: Betrachte die Natur! Schau an und siehe! Dann folgt das Bild, die Naturschilderung, nur eben nicht als Kupferstich, sondern in poetischer Sprache. Und nun die Bildunterschrift: Sie stellt die Naturschilderung in einen größeren Zusammenhang. Sie erklärt und deutet.

Musik 2: Choral (Strophe 9)

9. Ach, denk ich, bist du hier so schön

und lässt du’s uns so lieblich gehn

auf dieser armen Erden:

was will doch wohl nach dieser Welt

dort in dem reichen Himmelszelt

und güldnen Schlosse werden,

und güldnen Schlosse werden!

Autor: „Ach, denk ich…“ Wenn es schon hier so schön ist – wie unvorstellbar schön muss es dann erst im Himmel sein. Es ist wohl eine starke Hoffnung, aber keine Sicherheit und keine genaue Kenntnis:

Musik 1 (Bläser)

Sprecherin (overvoice):

(aus Strophe 10)

Welch hohe Lust, welch heller Schein

Wird wohl in Christi Garten sein!

Wie muss es da wohl klingen, (…)

Autor: „was will doch wohl“, „wird wohl“, „wie muss es da wohl klingen“. Zurückhaltend ist die Beschreibung. Das himmlische Paradies lässt sich nur erahnen. Die Schönheit der Erde ist der einzige Hinweis, den ich als Mensch darauf habe. Es ist, angesichts der wunderbaren Schöpfung, der denkbar stärkste Hinweis – und doch gibt diese schöne Erde nur einen schwachen Abglanz vom Himmel.

Genaues weiß ich also nicht. Alle menschlichen Versuche, sich das auszumalen, was danach kommt – diese Versuche werden scheitern. Doch der schwache Abglanz ist so stark, dass er mir eine unbeschreibliche Hoffnung gibt. Ohne sie müsste ich vielleicht verzweifeln. Aber nun spornt mich diese Hoffnung an, hier und heute etwas zu tun, um die schöne und bedrohte Erde zu erhalten.

Abschließend erscheinen die Naturbilder wieder: blühen, Baum, Blume, grünen. Sie werden gleichnishaft auf den Menschen übertragen. In dessen Seele sollen Glaubensfrüchte heranwachsen. Im Sommer der Gnade Gottes..

Musik 1 (Bläser)

Sprecherin (overvoice; Strophe 13):

Hilf mir und segne meinen Geist

mit Segen, der vom Himmel fleußt,

dass ich dir stetig blühe;

gib, dass der Sommer deiner Gnad

in meiner Seele früh und spat

viel Glaubensfrüchte ziehe.

Autor: Die anfangs ausgemalten „schönen Gärten“ erweisen sich jetzt als Bild für den Menschen, der selbst zu Blume, Baum und Frucht werden kann – Gott zur Ehre und anderen Menschen zur Freude. Es ist ein Geschenk Gottes, es ist seine Gnade, die in mir Raum schafft für seinen Geist. Gott selber macht mich empfänglich für das, was er mir schenken will.

Musik 2: Choral (Strophe 14)

14. Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd ein guter Baum, und lass mich Wurzel treiben. Verleihe, dass zu deinem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben, und Pflanze möge bleiben.

Musikinformationen:

Musik 1:

CD-Name: Lobet den Herren, alle, die ihn ehren – Die schönsten Lieder

von Paul Gerhardt in Bläser-Sätzen aus fünf Jahrhunderten

Titel: Geht aus, mein Herz, und suche Freud

Interpret: Westfälisches Bläserensemble

Leitung: Werner Benz

Komponist: August Harder vor 1813

Texter: Paul Gerhardt

LC-Nr.: 13743

Label: GerthMedien

Best.Nr.939017

Musik 2

CD-Name: Auf Gott vertrauen – Lieder und Worte, die bleiben

Titel: Geh aus, mein Herz, und suche Freud

Interpret: Solistenensemble

Leitung: Gerhard Schnitter

Komponist: August Harder vor 1813

Texter: Paul Gerhardt

LC-Nr. :07224

Label: hänssler-music

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