#
Aktuelles

Beiträge auf: wdr3 

evangelisch

Choralandacht | 05.06.2021 | 07:50 Uhr

DIESER BEITRAG ENTHÄLT MUSIK, DAHER FINDEN SIE HIER AUS RECHTLICHEN GRÜNDEN KEIN AUDIO.

Ich will, so lang ich lebe (eg 276)

Dieser Beitrag enthält Musik, daher finden Sie hier aus rechtlichen Gründen kein Audio zum Nachhören.



Musik 1: Orgel

Titel: Ich will, solang ich lebe; Label: P4Y JQZ; Copyright: (C) 2002 JQZ Muziekproducties; ASIN: B073QZTQQB.                 

 

Sprecher (overvoiced)

Ich will, solang ich lebe,

loben den Herren mein

 

Musik 1: 

 

Autor: Den Herren loben … ein Leben lang?

Ein Leben lang Halleluja singen? Im Ernst?

Ich für meinen Teil würde sagen – kommt auf den Herren an.

 

Musik 2: Choral, 1. Strophe

Titel: Ich will, solang ich lebe; Text: Cornelius Becker; Komposition: Heinrich Schütz; Interpreten: Das Solistenensemble, Leitung: Gerhard Schnitter; CD: Lobe den Herren, die schönsten Loblieder und -choräle, Hänssler Verlag, Label: Hänssler, LC.-NR.: 07224, Bestell-Nr.: 99-956.

 

Sprecher (overvoiced)

Ich will, solang ich lebe,

rühmen den Herren mein,

im Herzen stets mir schwebe

das Lob der Ehren sein;

mein Mund soll allezeit

des Herren Ruhm verkünden,

dass Elende empfinden

in Trübsal, Trost und Freud.

 

Autor: Die Aufgabenstellung wird hier schon ein wenig konkreter. „Mein Mund soll allezeit des Herren Ruhm verkünden“; ich soll also nicht nur Ihm huldigen, sondern auch der Welt von ihm erzählen. Und ich soll Mitgefühl zeigen, Empathie wird mir anempfohlen mit denen, die im Elend leben. Dem Choral liegt ein Psalm zugrunde, und dort, in Psalm 34, heißt es noch deutlicher: „Meine Seele soll sich rühmen des Herrn, dass es die Elenden hören und sich freuen“ (Ps 34,3). Dieser Herr scheint auf der Seite der Armen zu stehen. Da stelle ich mich gerne dazu.    

 

Musik 2: Choral, 2. Strophe        

 

Sprecher (overvoiced):

Lasst uns beisammen stehen,

ihr lieben Christenleut,

des Herren Nam erhöhen

in Lieb und Einigkeit.

Ich rief in meiner Not;

als in Gefahr mein Leben,

den Feinden übergeben,

half mir der treue Gott.         

 

Autor: Aha. Der hier betet und singt, war in Not. Sogar in Todesgefahr in der Hand von Feinden. Er ruft zu Gott und wird am Ende gerettet. Für ihn ist klar: Gott hat mir geholfen. Den Herrn loben, ein Leben lang, das hat also vor allem damit zu tun, dass mir Gott das Leben gerettet hat... Und natürlich werde ich ihn loben, wenn er mein Leben rettet. Vielleicht sogar ein Leben lang!

 

Musik 2: Choral, 3. Strophe            

 

Sprecher (overvoiced)

All, die im Glauben stehen,

sieht Gott in Gnaden an,

lässt sie mit ihrem Flehen

zu seinem Herzen nahn.

Sein Antlitz ist gericht',

zu tilgen von der Erden

all, die erfunden werden,

dass sie ihn fürchten nicht.               

 

Autor: Hier stutze ich. Gott, der Herr scheint zur Gewalt zu neigen. Erschrocken nehme ich zur Kenntnis, dass er jene vertilge, die ihn nicht fürchten. Und das soll in Ordnung sein? Na gut. In anderen Zeiten gab es andere Vorstellungen von Gott. In allen monotheistischen Religionen gibt es auch diese Spur: das Bild von einem Gott, der den Seinen mit Gewalt zur Seite steht. Interessant: Der biblische Psalm, der dem Choral zugrunde liegt, kommt freundlicher daher. Da heißt es: „Der Engel des Herrn lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.“

Bleibt die Frage nach der Furcht. Ich erkundige mich bei den Gebrüdern Grimm, was unter Furcht zu verstehen ist. Warum soll ich denn Gott fürchten? Was soll das heißen?

Die gothische Wurzel von „Furcht“, so erläutern sie, habe mit „Furche“ zu tun, und Furche bedeute wiederum „eindringlich aufgewühlt“ sein. Wenn auf dem Acker Furchen gezogen werden, ist er empfangsbereit für das Saatgut. Und wenn ich „eindringlich aufgewühlt“ bin? Für was bin ich dann empfangsbereit? Ob die Gottesfurcht im Lied vielleicht weniger mit lähmender Angst zu tun hat, mit Einschüchterung? Möglicherweise geht es eher um Respekt. Ich öffne mich Gott gegenüber.    

 

Musik 3: 

Titel: Trotz alledem!; Text und Musik: Wolf Biermann; Label: Liederproduktion Altona, Copyright: 1998 Wolf Biermann; ASIN: B01N2LLBPL.


 

Autor (overvoiced): Zurück zum Choral: Ins Evangelischen Gesangbuch haben lediglich vier Strophen der 12strophigen Originalfassung Eingang gefunden. Allein zwischen der hier zitierten zweiten und dritten Strophe finden sich im Original sechs weitere. Das hat mich neugierig gemacht.

 

Sprecher:

Den Reichen ohne Segen
Der Hunger stetig plagt.
Er darbt bei sein'm Vermögen,
Der Geiz sein Herze nagt.
Wer Gott vertrauen tut,
Dem wird reichlich gegeben
Zur Notdurft in dem Leben
Vom Herren alles Guts.                     
           

 

Autor: Das erinnert mich an Maria. Der Evangelist Lukas berichtet, sie habe, bevor sie mit Jesus niederkam, einen großen Lobgesang angestimmt, wo es heißt:

 

Sprecher:

Die Hungrigen füllet er mit Gütern

Und lässet die Reichen leer.

 

Autor: Das ist Musik in meinen Ohren! Ich beginne, mich mit dem lebenslänglichen Halleluja anzufreunden. Es scheint kein lobgehudeltes Halleluja zu sein, sondern ein höchst kraftvolles, widerständiges, ein Halleluja, das über Frost und Kälte hinweghilft, das tönt wie ein „Trotz alledem“. Wolf Biermann hat ein Lied gesungen, wie so oft aus der Sicht der Hungrigen. Die Armen werden aufrecht gehen. Das ist die Idee. Nah dran am Lobgesang der Maria.                                                                           

 

Musik 3:                    

 

Sprecher (overvoiced):

Trotz alledem und alledem!
Wenn wir frieren müssen, werden wir
wohl zittern, doch vor Kälte bloß
Und aufrecht geh'n, trotz alledem

 

Autor: Wie gesagt: Unser Choral ist eine Nachdichtung von Psalm 34, dem Eingangspsalm des 1. Sonntags nach Trinitatis, den evangelische Christen morgen feiern.

 

Sprecher:

Ich will den HERRN loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Meine Seele soll sich rühmen des HERRN, dass es die Elenden hören und sich freuen.

 

Autor: Die Elenden sollen es hören und sich freuen. Im Mittelalter war Latein die Gottesdienst-Sprache. Dumm nur, dass die Mehrheit der Bevölkerung, eben die Elenden, diese Sprache nicht verstehen konnte. Gott auf der Seite der Armen? Das ging unter in den frommen Gesängen. Deshalb verlangte die Reformation die Übertragung der biblischen Texte in die jeweiligen Muttersprachen. Am besten sollte man vieles auswendig lernen können, das galt als Königsweg der Bildung. Also entstanden gereimte Übertragungen, und aus denen wurden oft populäre Lieder.

 

1602 hat Prof. Cornelius Becker, Pfarrer an der Nicolaikirche in Leipzig, alle 150 Psalmen in deutsche Gedichte verwandelt. Heinrich Schütz komponierte zu den meisten Becker-Psalmen schlichte vierstimmige Gesänge und machte so die evangelischen Kantoreien zu „Psalmbotschaftern“.

 

Musik 2: Choral, 5. Strophe              

 

Sprecher (overvoiced)

Ehr sei im Himmel droben

Gott Vater, Sohn und Geist.

Ihn wolln wir ewig loben,

der uns sein Gnad erweist.

O Herr, dreiein’ger Gott,

lass uns dein Güt empfinden

und hilf uns überwinden,

führ uns aus aller Not.                                  

 

Autor: Manche werden sich an dem Psalm und dem Choral gerieben haben. Mir ging es jedenfalls so. Manchmal habe ich gestutzt und auch gehadert. Auf jeden Fall habe ich gelernt. Bibeltexte und Kirchenlieder wortwörtlich zu nehmen, kann schiefgehen. Niemand verlangt von uns, alles Gesagte und Geschriebene einfach hinzunehmen, auch Gott nicht.

Aber wir können lernen, ein Leben lang. Vielleicht ist Lernen ja auch eine besondere Form des Lobens.

  

Redaktion: Landespfarrer Dr. Titus Reinmuth

katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen