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Kirche in WDR 3 | 13.07.2021 | 07:50 Uhr

Herzspezialist

Guten Morgen!


Es kommt ihm vor wie eine Ewigkeit. Dabei wartet er grade mal zehn Minuten.

 

Er starrt auf den sterilen Wartezimmerfußboden des Herzspezialisten. Vor einigen Monaten hat er endlich den Termin für heute bekommen.

 

Er hat kein gutes Gefühl - weder in seinem Bauch, noch in seinem Herzen.

 

Seit einiger Zeit schon merkt er, dass irgendwas nicht stimmt.

 

Er hat Angst, dass es was Ernstes sein könnte. Besonders jetzt, wo er hier ist und vielleicht bald schon erfahren wird, was eigentlich los ist.

Tausend Gedanken rasen durch seinen Kopf.

 

Der ungewisse Gang zum Arzt, das Ausharren im Wartezimmer kennen einige.

 

In der Bibel wird Gott mit einem Arzt verglichen.

Ich stelle mir vor, wie das wäre, bei Gott im Wartezimmer zu sitzen.

 

Zu ihm kann ich ohne Termin und ohne Warteliste.
Ein bisschen warten muss ich wohl trotzdem.

Mit vielen anderen warte ich darauf, dass ich aufgerufen werde.

Der Fußboden wirkt weniger steril und Zeitschriften suche ich auch vergebens.

 

Trotzdem ist da so eine ähnliche Ungeduld und eine ähnliches Gefühl in mir,

das mir sagt, dass ich endlich bin.

 

Und während ich warte – es ist nicht lang –, werde ich irgendwann bei meinem Namen gerufen

und darf ins Sprechzimmer kommen.

 

Meine Beschwerden darf ich loswerden.

Und ich merke gar nicht, wie ich rede und rede und die Zeit vergeht.

 

Aber untersucht werde ich irgendwie nicht so richtig.

 

Mir wird kein Blut abgenommen.

Dafür Wackersteine und Risse und Splitter,

 

und ich spür, das war schon lange fällig,

 

sich mal das Herz auszuschütten,

 

denn Herzen pumpen nicht nur,

 

manchmal brennen sie auch und manche brennen aus.

 

Manchmal verstummen sie und manche zerbrechen auch.

 

Manchmal werden Herzen gestohlen und manche werden immer wieder angelogen.

 

Der, der mein Herz mit all dem abgehört hat, sagt nichts.

 

Und ich bedanke mich, weil er mir geholfen hat und frage, ob ich vorne bei den Sprechstundenhilfen einen nächsten Termin ausmachen kann

 

sozusagen zur Vorsorge,

 

und er sagt das geht bei ihm nicht,

weil die Kranken ihn brauchen, nicht die Gesunden.

 

Dafür kommen alle dran, die ihn dann wirklich brauchen - ohne Termin, ohne Warteliste.

 

Und ich bin erst ein bisschen sauer und frag, ob er mir nicht dann wenigstens noch was aufschreiben könnte.

 

Für die Schmerzen, wenn sie kommen,

 

und er sagt ja, und

statt mir ein Rezept zu geben,

schreibt er mir ins Herz

seinen Segen.

 


Alles Gute für Ihr Herz wünscht Ihnen

Pfarrerin Anne Wellmann aus Duisburg.

 

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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