#
Aktuelles

Beiträge auf: wdr3 

katholisch

Kirche in WDR 3 | 31.08.2021 | 07:50 Uhr

Erinnerungen sind wie Rosen

Guten Morgen!

Wenn ich draußen in meinen Garten schaue, dann sehe ich, dass sich der Sommer langsam verabschiedet. Die Blütenpracht verändert sich und die eine oder andere Frucht ist reif für die Ernte. Ich erfreue mich vor allem an einem alten Rosenstock, denn der blüht und duftet immer noch. Die wechselhaften Wettertage haben ihm nichts anhaben können. Seine Blüten sind robust. Aber das ist es nicht allein, warum ich zu ihm eine besondere Beziehung habe.

Als mein Mann und ich vor 26 Jahren das Haus mit dem Garten kauften, da gab es diesen Rosenstock schon. Die Vorbesitzer, ein altes Ehepaar, hatten ihn auf einem Holzgerüst als Torbogen angelegt. Die beiden sind längst verstorben, aber ich muss jedes Jahr an sie denken, wenn ich die Rosen an dem Rosenstock sehe. Ich stelle mir vor, wie auch dieses Ehepaar sich schon an der beständigen Blütenpracht erfreut hat. Irgendwann ist das Gerüst morsch geworden und wir mussten den Rosenstock umpflanzen. Ich habe mir viel Mühe gegeben, ihm einen guten Boden zu bereiten. Das Umpflanzen ist geglückt. Die Rosen blühen weiter und mit ihnen bleibt die Erinnerung an das alte Ehepaar lebendig. Und so betrachte ich die Rosen Jahr für Jahr sehr gerne und das immer wieder: von der Knospe über das Aufblühen bis zum Verwelken.

Jede Rose ist wie ein kleines Wunder für sich. Da verändern die Blüten ihre Farbe, je weiter sich die Kelche öffnen. Aus dem zarten Rot wird ein leuchtendes Pink und dann tiefes Weinrot. Zum Schluss hängen sie goldbraun an den Zweigen, bevor sie zur Erde fallen. Ich glaube, so ist das wohl auch mit den Erinnerungen an Menschen, die uns am Herzen liegen: sie entspringen, sie wachsen, sie wandeln sich.

Dieses Motiv vom Werden und Vergehen habe ich vor dem inneren Auge, wenn ich in meinem Beruf als Gemeindereferentin trauernde Menschen begleite. Da erlebe ich, wie schwer es oft fällt, die Wirklichkeit anzunehmen, wenn jemand gestorben und damit unerreichbar geworden ist. Das drückt sich dann zum Beispiel aus in so einem Satz der Traueranzeige: „In unseren Herzen lebst du weiter.“ Ich spüre darin den Wunsch, dass der verstorbene Mensch doch noch da sein, leben und nahe sein möge. Mehr noch: Ich spüre, dass durch die Erinnerungen an einen verstorbenen Menschen etwas von ihm lebendig bleibt, ja sogar weiterlebt.

Für mich sind solche Erinnerungen wie Rosen: sie blühen auf, verändern sich, können zu etwas Wunderschönem und Kostbarem werden. Und so wie sich bei den Rosen im Laufe der Zeit die Farbe verändert, so können sich auch die Erinnerungen an Menschen verändern. Und wie die Blüten schließlich zur Erde fallen, so vergehen manche Erinnerungen auch wieder. Und manchmal blühen sie nach Jahren wieder neu auf. Ob es nicht noch mehr gibt als das Werden und Vergehen und mehr als die Erinnerung?

Der Sommer verabschiedet sich. Ich erfreue mich noch weiter an meinen Rosen im Garten. Wenn der Wind ihren Duft zu mir trägt, dann atme ich Hoffnung und denke daran, dass mein Leben nicht ein Ende, sondern ein Ziel hat, wo es einmal ganz aufgehoben wird.

Sommer im Sinn und Hoffnung im Herzen – das wünscht Ihnen Annkathrin Tadday aus Detmold.

katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen