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Kirche in WDR 3 | 01.09.2021 | 07:50 Uhr

Rücksichtnahme

Guten Morgen!

Wissen Sie was eine „Dickstrichkette“ ist? Bis vor kurzem habe ich diesen Begriff noch nie in meinem Leben gehört. Er stammt aus der Amtssprache und wird im Straßenbau verwandt: Dickstrichketten sind die weißen Streifen auf der Fahrbahn, die einen Fußgängerüberweg kennzeichnen. Einfach gesagt: Zebrastreifen. Und was noch bemerkenswerter ist: Der Zebrastreifen hat es sogar zu einem deutschlandweiten Gedenktag geschafft und zwar heute am 1. September – auch wenn er nur im Kalender der kuriosen Feiertage vermerkt ist.

Allerdings finde ich, dass so ein Tag, der ja eigentlich etwas mit Verkehrssicherheit zu tun hat, keineswegs kurios ist. Sicherheit im Verkehr – und dazu gehört vor allem Rücksicht – ist doch wichtig! Trotzdem ist es schon kurios, wie aus einer Dickstrichkette ein Zebrastreifen wurde. Das war so: Vor ungefähr 70 Jahren gab es noch keine Vorschrift, am Zebrastreifen halten zu müssen. Auf eine kreative Aktion des Hamburger Abendblattes hin erhielten aber alle Autofahrenden, die dennoch umsichtig an einem Fußgängerüberweg bremsten, sogenannte Gutpunkte. Und es gab dazu einen Sticker als „Zeichen eines besonders rücksichtsvollen Autofahrers“. Nimmt man nun die Anfangsbuchstaben dieser 5 Worte zusammen - also Z, E, B, R, A - ergibt sich daraus das Wort: „Zebra“. Und wie passend: die schwarzweißen Streifen des Tierfells ähneln dem schwarzweiß Muster auf der Straße.

Inzwischen ist es vorgeschrieben am Zebrastreifen zu halten, um den Mitmenschen dort am Straßenrand den Vortritt zu lassen. Es werden keine Gutpunkte oder Zebra-Sticker mehr verteilt. Schade, ich finde diese Aktion einfach zeitlos originell und wortwörtlich tierisch gut. Denn hier geht es um ein existenzielles Thema. Es geht um Rücksicht. Um „nehmen und geben“ – nicht nur im Straßenverkehr ist das ein unerlässlicher Bestandteil unseres Miteinanders.

Rücksicht ist nämlich eine Haltung, die ich einnehme. Dazu gehört es, aufmerksam zu sein. Wahrzunehmen, was alles um mich herum passiert und welche Bedürfnisse, Interessen und Gefühle andere haben. Wer Rücksicht nimmt, nimmt sich selbst „zurück“, macht Platz, den dann ein anderer füllen kann. Vielleicht weil er oder sie schwächer ist, Hilfe oder Verständnis benötigt, Mitgefühl oder Anerkennung braucht.

Rücksicht ist ein aktives Verhalten. Damit meine ich all jene Taten und Gesten, die einen Gutpunkt, ein kleines Zebra, verdient haben: den Kollegen in Ruhe ausreden lassen, die Meinung der Nachbarin respektieren, den Platz im Bus oder in der Bahn freimachen, jemandem die Tür aufhalten. Dafür könnte ich heute lauter kleine Zebras sammeln oder verschenken. Eben weil hier Respekt, Wertschätzung und Solidarität erkennbar wird.

Ein ethischer Grundsatz für Rücksichtnahme ist die Goldene Regel, das Gesetz der Gegenseitigkeit, das in verschiedenen Kulturen und Religionen in der ganzen Welt vorkommt. Im Volksmund heißt es: „Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg auch keinem anderen zu!“. Anders formuliert: „Behandle andere Menschen so, wie du von ihnen behandelt werden willst.“ Oder mit biblischen Worten ausgedrückt: „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst!“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten Tag.

Annkathrin Tadday aus Detmold.

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