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Kirche in WDR 3 | 15.10.2021 | 07:50 Uhr

Baustelle Kirche

Guten Morgen!

Wer schon mal in Köln gewesen ist, der kann wahrscheinlich nicht anders, als den Dom zu sehen. Mit seinen zwei Westtürmen ist er weithin sichtbar und gilt als das Kölner Wahrzeichen schlechthin. Der dritthöchste Kirchbau der Welt und ein Meisterwerk der Gotik! Wenn ich mal nach Köln komme, dann mach ich immer einen Abstecher zum Dom. Auf der Domplatte stehe ich dann und blicke nach oben, automatisch. Der Blick verschlägt mir jedes Mal aufs Neue die Sprache: so groß ist der Dom. Einfach unglaublich, was Menschen da zur Ehre Gottes errichtet haben!

Erst vor 141 Jahren wurde dieses beeindruckende Bauwerk vollendet – nach über 600 Jahren Bauzeit und zwar auf den heutigen Tag genau. Aber Moment! Ist der Dom tatsächlich damals vollendet worden? Jedes Mal, wenn ich den Kölner Dom bestaune, entdecke ich nämlich mindestens eine Baustelle – manchmal in schwindelerregender Höhe an einem der Türme. Oder ganze Fassadenteile verschwinden hinter Gerüsten. Das mit dem „Vollenden“ ist also so eine Sache. Der Kölner Dom ist zwar fertig, kann für Gottesdienste, für das Gebet oder einen Besuch genutzt werden. Aber er ist immer auch eine Baustelle und wird wohl auch immer eine bleiben. Ich finde allerdings, das macht gar nichts. Im Gegenteil: Damit ist er für mich ein Sinnbild für die Kirche an sich. Kirche ist eine Baustelle. Kirche ist im Werden, entwickelt sich weiter. Sie war noch nie fertig und wird es hier auf Erden nie sein. Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass Menschen auch heute noch oder wieder meinen: in den 50er oder 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, da war Kirche fertig. Damals waren die Kirchen voller, es gab mehr Priester und mehr Gottesdienste. Alles schien fest gefügt und wohl geordnet. Da war die Kirche sozusagen vollendet. Und seitdem verfällt sie mehr oder weniger. Nein, Kirche war noch nie fertig, sondern sie verändert sich mit der Zeit. So sagt das auch ein altkirchlicher Satz: „Die Kirche ist immer zu reformieren.“ Und darum ist so manche Baustelle nötig.

Für mich als Kaplan zeigt sich das im Moment in meinem Arbeitsalltag: Zu der Pfarrei, in der ich tätig bin, gehören 24 Gemeinden. Die meisten davon sind kleine Dörfer. Jedes dieser Dörfer hat seine Kirche oder Kapelle und auch Gottesdienste finden regelmäßig dort statt. Und doch muss man kein Hellseher sein, um zu ahnen, dass das in zehn Jahren so nicht mehr möglich sein wird. Weniger Priester, weniger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Vor allem aber auch weniger Gläubige und weniger engagierte Menschen vor Ort. Da gerät die bisherige Architektur ins Wanken. Neues muss entstehen. Und das Gleiche erlebe ich in so vielen anderen Teilen unserer Gesellschaft: Corona hat gezeigt, dass ich meine Gewohnheiten im Alltag ändern muss – ich sage nur Social Distancing und Maskenpflicht. Ich erlebe es bei Berufs- oder Partnerwechseln in meinem Freundeskreis. Was als festes Bauwerk galt, muss plötzlich umgebaut werden, anders werden, erneuert werden: Große Umbrüche, die ihre Spuren im Leben des Einzelnen hinterlassen. Nicht nur die Kirche ist in einem Umbauprozess. Dabei wird von der Kirche in einem biblischen Text gesagt (vgl. 1 Petr 2,5): sie besteht aus „lebendigen Steinen“. Darum verändert sich über die Jahre und Jahrzehnte die äußere Form der Kirche immer wieder. Und ich würde das auch für viele andere gesellschaftliche Gruppen ja für das Leben eines jeden einzelnen Menschen sogar sagen, denn was lebt, lässt sich nicht in Beton gießen.

Übrigens: Das riesige Gerüst am nordwestlichen Turm vom Kölner Dom wird in diesen Tagen vollständig zurückgebaut. Die Dombauhütte hat jedoch angekündigt: Wahrscheinlich schon 2023 wird ein ähnliches Gerüst an einer anderen Stelle montiert werden müssen. Schade? – Mir macht jedes neue Gerüst Mut, zu wissen: Die Kirche ist nichts Starres. Die Gesellschaft ist nichts Starres. Ich bin nicht starr. Alles lebt, weil weiter gebaut wird; weil es aus lebendigen Steinen besteht.

Kaplan Philipp Schmitz aus Erkelenz

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