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Kirche in WDR 3 | 25.10.2021 | 07:50 Uhr

Wie sagt man?

”Scheibchen Wurst für den Kleinen?“ – Ja… seit ich Vater bin, hat mich dieser Satz wieder eingeholt. Zugegeben: ich hatte ihn bis dahin irgendwie verdrängt. Aber: Als ich mich dann mit meiner Tochter wiederfand vor der Fleischtheke unseres Supermarktes, war alles wieder da. Ein Déjà-vu, so könnte man sagen. Wie hatte ich diesen Satz als Kind gehasst. Nicht wegen der Scheibe Schinkenwurst die ich zu erwarten hatte, sondern wegen des Procederes, das sich anschloss. Die Scheibe Wurst war geschnitten und vom Thekenpersonal noch nicht ganz zusammengerollt, da tönte es schon aus dem Mund meiner Erziehungsberechtigten: „Wie sagt man?“ – und gut konditioniert führte ich natürlich schon das sehnsuchtsvoll erwartete „Danke“ auf den Lippen, um es endlich loszuwerden. Danach hatte ich irgendwie nichts mehr sonderlich zu beachten und der Einkauf lief routiniert weiter. Alles war zufriedengestellt: Das Kind hatte die Wurst. Die Mutter wusste beruhigt, dass sie einen wohlerzogenen Zögling ihr Eigen nennt. Die Verkäuferin… tja… die war eh schon mit dem nächsten Kunden beschäftigt. Was mich an diesem Unternehmen schon als Kind störte, dass wird mir eigentlich erst jetzt bewusst, wo ich selber in der Rolle des Elternteiles geschlüpft bin. „Hey“, denke ich da plötzlich bei mir! „Du machst denselben Quatsch, über den du dich als Kind aufgeregt hast!“ – Denn: natürlich wissen eigentlich auch meine Kinder, was sich „gehört“ und würden wahrscheinlich auch ohne „elterliche Einladung“ das Danke über die Lippen bringen. Was mich stört (auch an mir selber), ist diese eingeübte Dankbarkeit. „Das kann nicht im Sinne des Erfinders sein“, denke ich mir. Was ist ein Dank wert, den ich mit einer „herzlich-verbindlich“ einfordern muss? Eigentlich wünsche ich mir (und das nicht nur bei meinen Kindern), dass jeder erkennt, wofür Dank und Dankbarkeit angebracht ist. Nur dann ist die Sache doch auch in Kopf UND Herz angekommen – und genau da gehört die Dankbarkeit hin.

Noch ist Oktober und ich mag diesen Monat. Vor allem deswegen, weil er für mich mit dem Erntedank in Verbindung steht. Die Felder hier am Niederrhein sind abgeerntet, die Ernte ist eingefahren, die Farben sind vollmundig und satt. In mir macht sich dann immer eine Nachdenklichkeit breit. „Das ist er nun also gewesen, der Sommer 2021!“ – In der Tat: Auch trotz Corona ist es ein guter Sommer geworden; voller Erfahrungen und Erlebnisse und mit vielen Begegnungen. Ich bin beschenkt.  Davon ist mein persönlicher „Erntekorb“ nun voll. Seit einigen Jahren pflege ich in diesen Oktoberwochen mein persönliches Erntedankritual. Ich schütte diesen „Erntekorb“ in Gedanken aus und danke (neben dem Dank für die Lebensmittel und die Ernte der Felder) für alle, die mein Leben so sehr beschenken. Ich stoße dabei auf unendliche viele Menschen, die mein Leben und meine bisherige „Lebens-Ernte“ bereichert haben. Davon, so merke ich, lebe ich.- all-täglich.

Hand aufs Herz: Ich vergesse so schnell! Auch den Dank für solche Menschen, die mit ihren Eigenarten und Fähigkeiten an meiner Seite standen und stehen. Sie haben mich wachsen lassen – manchmal punktuell, manchmal aber auch für eine lange Etappe.

Wenn es in diesen Tagen heißt: „Scheibchen Wurst für den Kleinen?“ möchte ich mich am Riemen reißen. Wahrscheinlich wird mein Sohn die Situation ganz alleine meistern… wenn man ihm die Zeit nur lässt. Diese Zeit will ich mir selber im Oktober aber auch nehmen, um jene Schätze in meinem Leben noch mal zu polieren, für die ich dankbar bin. „Wie sagt man…?“ – Ach was… vielleicht überlegen sie ja selber mal!

Kommen Sie gut in diese letzte Oktober-Woche, Ihr Bastian Rütten aus Kevelaer. 

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