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Kirche in WDR 3 | 04.02.2022 | 07:50 Uhr

Eine Künstlerfamilie

Gestern hätte der bedeutende Komponist Felix Mendelssohn Bartholdy Geburtstag gehabt. Ihm bin ich einmal völlig unmusikalisch begegnet.

Es war ein heißer Tag. Ich lief durch die Straßenschluchten von Berlin. Um der Hitze zu entgehen, entschloss ich mich, einen städtischen Friedhof aufzusuchen, dessen Bäume vielleicht ein wenig Schatten boten. Der Dreifaltigkeitsfriedhof lag in der Nähe, und ich fand schnell das Eingangstor. Sofort stieß ich auf das Grab des Dichters E.T.A. Hoffmann. So schlenderte ich von Grab zu Grab und ein Mann, der mit einer Gießkanne unterwegs war, entdeckte mich. Er sprach mich an. „Ich sehe, Sie sind fremd hier. Suchen Sie ein bestimmtes Grab?“ „Nein, ich suche nur ein wenig Schatten.“ „Dann haben Sie Zeit, um ein ganz besonderes Grab zu besuchen. Ich zeige es ihnen. Kommen Sie mit!“ Ich ging mit, weil er mich neugierig gemacht hatte. Wir kamen zu einer Anlage, die von einem Gitter umzäunt war. Dahinter befanden sich sechs Grabsteine, von denen drei herausragten. Es waren marmorne Kreuze mit einer deutlich lesbaren Inschrift. Mein selbsternannter Fremdenführer hatte die Kanne abgestellt. Er schwieg, damit ich in Ruhe lesen konnte. „Jakob Ludwig Felix Mendelssohn Bartholdy geboren zu Hamburg am 3. Februar 1809 gestorben zu Leipzig am 4. November 1847“. Hier lag also der berühmte Komponist Felix Mendelssohn Bartholdy begraben. Ich bin kein Musikkenner, aber seinen sogenannten Hochzeitsmarsch muss ich mir als Priester fast bei jeder Trauung anhören. Mit ihm ziehen die Brautpaare in die Kirche. Mein neuer Bekannter fing an zu erzählen. Der Musiker war ein konvertierter Jude, der manchmal gegen Anfeindungen zu kämpfen hatte. Da half seine Taufe nicht. Später unterdrückten Richard Wagner und die Nationalsozialisten sein Werk, wo sie nur konnten. Bis in unsere Zeit sei die Judenfeindschaft spürbar, behauptete mein Gegenüber. An einem Geburtstag des Komponisten haben Neonazis sein Grab geschändet. Er zeigte mir am Grabkreuz die Ecke, die im antisemitischen Wahn abgeschlagen worden war. Ich wunderte mich, dass der Antisemitismus selbst die Toten nicht in Ruhe lässt. Da hilft auch keine großartige Musik.

Allein stand ich vor dem Gitter und las die anderen Grabinschriften der Familie Mendelssohn. Ich sah den Grabstein von Fanny, der Schwester von Felix Mendelssohn. Mit ihr war er eng verbunden, und sie war genauso musikalisch begabt wie er. Als Frau fiel es ihr schwer, sich durchzusetzen. Mich überraschte ihre weitere Verwandtschaft. Sie hatte den Maler Wilhelm Hensel geheiratet, einen Bruder der frommen Dichterin Luise Hensel. Wir Älteren haben als Kind einmal ihr Abendgebet gelernt.
Mit ihm verabschiede ich mich in der Hoffnung, dass Sie es heute Abend nach einem guten Tag beten können.

Müde bin ich, geh‘ zur Ruh

Schließe meine Augen zu

Vater, lass die Augen dein

Über meinem Bette sein

Kommen Sie gut durch diesen Tag, Ihr Albert Damblon aus Mönchengladbach.

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