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Kirche in WDR 3 | 25.01.2022 | 07:50 Uhr

Meine Bitte. Mein Danke.

Guten Morgen.

Es ist einer der letzten schönen Herbsttage, bevor es winterlich wird. Und unser Vierzehnjähriger meint: „Ich hätte mal wieder Lust, Kanu zu fahren.“ Schöne Idee. Also fahren wir an den See im Nachbarort. Am Steg liegt da ein dunkelgrünes Kanu. – „Ja, könnt ihr haben“, sagt der Verleiher. Und ein paar Minuten später haben zwei meiner Söhne und ich die Schwimmwesten um und die Paddel in der Hand. Wir setzen uns in das Boot. Ein Balanceakt, aber es geht. Schon wenig später gleiten wir drei Halbstarken durch den Herbstsee. Zwei Paddel links, ein Paddel rechts. Voller Schub voraus.

Nach wenigen Minuten sind wir mitten auf dem See. Und zieh und zieh und … plötzlich geht alles sehr schnell. Das Boot ist im Wasser und das Wasser ist im Boot. Von einem Augenblick auf den nächsten tauchen wir unter. Alle drei im 10 Grad kalten Herbstsee. Wir schauen uns an. Alle drei noch da. Aber was jetzt. Das Land sieht sehr weit weg aus.

Das Kanu ist voller Wasser und wir haben keine Ahnung, ob es gleich ganz untergehen wird. Wir wissen nicht, ob wir schwimmen können mit den vollgesogenen Klamotten. Keine Ahnung, ob irgendjemand unser Kentern gesehen hat. Es ist ein unwirklicher Moment, so ausgeliefert im kalten Wasser. – Stoßgebet. Die Jungs im Blick. Der abenteuerliche findet das irgendwie noch lustig. Der Jüngere schon nicht mehr. Ich versuche ruhig zu bleiben.

Da erreicht uns ein Elektroboot: „Brauchen sie Hilfe?“ „Ja! Bitte.“ – Ich denke, wenn sie den Jüngeren mitnehmen können, kann ich’s mit dem Großen an Land schaffen. An Land sehen wir dann aber Hektik. Den Vermieter. Ein Motorboot. Zwei, drei Minuten später ist er bei uns und zieht uns aus dem Wasser.

An Land gibt’s Decken und heißen Kakao. Mama, die am Ufer saß, will die ganze Geschichte hören. Wir stehen da, wie begossene Pudel und die Pfütze zu unseren Füßen wächst. Und so viel gibt’s gar nicht zu erzählen. In einem Moment saßen wir Boot. Im nächsten im See. Zwanzig Minuten später sind wir zu Hause. Heiße Dusche und hinterher heiße Suppe. Allen geht’s gut. Allein mein Handy hat das Bad im Herbstsee nicht überstanden.

Mein Kopf dreht sich am Abend. Als die Kinder schlafen und das große Was-Wäre-Wenn kommt, denke ich: Danke, dass alles so gut gegangen ist. Dass die Jungs sicher und warm in ihren Betten schlafen. Nicht selbstverständlich.

In unserem Dorf habe ich schon Menschen getroffen, die auf maroden Booten das Meer überquert haben. Und ich weiß: In den letzten Jahren ist das Mittelmeer zu einem Grab für Zehntausende geworden. Boote sind gekentert. Plötzlich sind Menschen im kalten Wasser, sie und ihre Kinder. Und niemand ist da, der fragt: „Brauchen Sie Hilfe?“. Kein Motorboot. Keine Decke. Kein heißer Kakao.

Wir hatten vielleicht ein paar dramatische Minuten. Aber unser Moment im Wasser, das ist alles nicht zu vergleichen mit den Mittelmeerdramen um Leben und Tod. Da suchen Menschen kein Freizeitvergnügen, sie suchen ein würdiges Leben für sich und ihre Familie. Dennoch: Für einen Moment fühle ich mich ihnen besonders verbunden. Für einen Moment kann ich mir entfernt vorstellen, wie es wäre. Verlassen im Wasser. Mit meinen Kindern. – Am selben Abend will ich mein Verbundensein mit einer Spende bestärken. Mein Gebet an diesem Abend sind ein paar Klicks im Internet. Ich surfe zur Seenotrettung. Ich bete und bitte für sie. Ich danke für diesen Tag.


Ihr Patrick Depuhl, Alpen.




Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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