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Kirche in WDR 3 | 28.03.2022 | 07:50 Uhr

Getragen

Man stelle sich die Szene vor: Jesus predigt in einem Wohnhaus, das Zimmer ist gesteckt voll mit Menschen. Überall hocken sie und haben den ganzen Boden in Beschlag genommen, auch den Flur. Jesus redet vom Reich Gottes. Und während alle atemlos/hingebungsvoll lauschen, hört man es vom Dach her rumpeln, mehrere Leute hacken augenscheinlich auf das Flachdach ein. Jesus spricht in aller Seelenruhe weiter. Dann fallen Lehmbröckchen von der Decke, ganze Klumpen, Palmzweige aus der Verstärkung. Der Himmel wird sichtbar, und als das Loch groß genug ist, erscheinen vier schwitzende Männer über der Öffnung und lassen einen gelähmten Mann auf einer Trage herabschweben. Die Leute sind verdattert, vielleicht verärgert. Und Jesus: er wirkt kein Wunder, er stellt schlicht fest: Seine Sünden sind dem Mann vergeben. Als die Leute das ziemlich aufbringt, wohl weil sie es für leere Worte und für Gotteslästerung zugleich halten, sagt er: Steh auf, nimm deine Trage, und geh! Und der Mensch, der ehemals Gelähmte, geht. Und plötzlich wissen alle, was Reich Gottes ist.

„Steh auf!“ (Mk 2,11) Was für eine Aufforderung. Ein Wort, das ins Leben ruft. In den biblischen Sprachen ist „Aufstehen“ und „Auferstehen“ dasselbe Wort. Das Wort „steh auf!“, das den gelähmten Menschen lebendig macht, bewirkt ganz wörtlich Auferstehung. Ein Vorschein von Ostern.

Einige Einzelheiten beschäftigen mich besonders an dieser Erzählung: Weder der Gelähmte noch die Träger sagen auch nur ein Wort. Alle reden: Jesus, die Dabeistehenden, die Schriftgelehrten. Allein: der Gelähmte und seine Träger bleiben stumm. Was dachte er die ganze Zeit? Welche Ereignisse, welche Beziehungen sind vorangegangen, bevor vier Leute auf die Idee zu diesem spektakulären Durchbruch kamen?

Und dann ist auch ganz eigenartig, worauf Jesus reagiert, als der Gelähmte herabgelassen wird. Es heißt: „Als er ihren Glauben sah“ (Mk 2,5). Ob der gelähmte Mensch gläubig war, das wissen wir gar nicht, nachher wohl doch sicher. Es ist aber der Glaube der Träger, der Jesus anrührt. Können sie für ihren gelähmten Freund glauben? Und braucht es hier den vereinten Glauben von vier Menschen, damit an einem anderen ein Wunder geschehen kann? So scheint es. Und worin besteht ihr Glaube? Vielleicht nur darin, dass sie den einen tragen, der nicht selber gehen kann. Weder der Gelähmte noch die vier Träger sagen irgendetwas. Sie handeln verrückt-vertrauensvoll, das reicht. Die biblischen Selbstverständlichkeiten von Wundern, die wir annehmen, sind in dieser Erzählung anscheinend auf den Kopf gestellt.

Und manches hängt auch davon ab, wie ich auf die Erzählung schaue. Ich kann ganz unterschiedliche Perspektiven einnehmen. Bin ich Zuschauer, der das Ganze wie in einem Film aus der Totale sieht? Bin ich mit im Raum und schaue nach oben unter die Decke, während mir die Lehmbröckchen auf die Haare oder ins Gesicht fallen? Oder bin ich auch einmal der Gelähmte?: Ich kann nichts zu der Sache dazutun und mich
einfach nur (vertrauensvoll? ängstlich?) durch ein Loch im Dach ins Dunkle herunterlassen?

Wenn es darauf ankommt: Nichts selbst tun. Sich tragen lassen. Es gibt Menschen. Ich werde dahin gebracht, wo ich geheilt werde.

Ein solches Vertrauen wünscht Ihnen und sich selbst Egbert Ballhorn, Bibelwissenschaftler in Dortmund.

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