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Kirche in WDR 3 | 23.05.2022 | 07:50 Uhr

Bewertungsmaßstäbe

Es ist Montagmorgen und wie schon in den vergangenen Tagen brennt auf meinen Schreibtisch eine Kerze. Ich mache das häufig: eine Kerze entzünden, für Menschen und ihre Anliegen. Wenn mir Menschen etwa erzählen, dass sie sich Sorgen machen oder eine herausfordernde Situation bewältigen müssen. Heute brennt die Kerze nicht nur, weil Montag ist und so ein Montag an sich schon oft eine Herausforderung darstellt.

Die Kerze brennt zunächst einmal für die diesjährigen Abiturjahrgänge. Denn heute steht der letzte Termin der schriftlichen Abiturprüfungen an – der Nachschreibetermin in Französisch. Als Schulseelsorgerin habe ich in den vergangenen Wochen in mehreren Gesprächen mitbekommen, wie nervös die jungen Menschen bezüglich ihrer Prüfungen sind. Da ist oft ne Menge Druck. Und ich erinnere mich gut an meine Schul- und Studienzeit. An meine Nervosität und an die Hoffnung, dass spätestens nach dem Studium all das vorbei ist mit den Noten, Zeugnissen und Leistungsbewertungen. Was soll ich sagen? Es ist bis heute nicht vorbei. Die Prüfungen haben sich in der Form geändert. Und Noten gibt es nicht mehr. Auch die Art der Bewertung hat sich geändert. Aber noch immer habe ich ja etwas zu leisten. Die Bewertung kommt nicht mehr daher als „Vier Minus“, oder „Eins Plus“. Sie kommt zum Beispiel um die Ecke als der Vorgesetzte, der die Arbeit kritisiert. Oder als die Freundin, die enttäuscht ist, wenn ich mich lange nicht melde. Bewertungen gehören immer noch zum Leben dazu. Nicht jede Bewertung geht mir nahe, manche nehme ich nicht mal für mich an. Andere aber treffen mich. Ich fühle mich herabgesetzt in meinem Wert. Ich zweifle an mir – wenn die Kritik hart ist und mich persönlich trifft, oder auch wenn angestrebter Erfolg ausbleibt. Das bringt mich manchmal ganz schön ins Wanken. Und doch ist da etwas, was mich hält: ein Gebet, über viele hundert Jahre alt. „Deine Augen sahen, wie ich entstand, in deinem Buch war schon alles verzeichnet; meine Tage waren schon gebildet, als noch keiner von ihnen da war.“ So steht es in der Bibel, in einem der Psalmen (Psalm 139).

Dieses Gebet verstehe ich im Heute so: Durch Gott, den liebevollen Schöpfer, habe ich einen Wert, von Beginn an, noch bevor mich irgendjemand auf der Welt bewertet hat.

Klar, Prüfungen können schief gehen, Leistungen können nicht ausreichen. Aber: Als Jesus zu Menschen gegangen ist, ist er vor allem zu denen gegangen, die nach menschlichen Maßstäben durchgefallen waren. Ihnen hat Jesus gezeigt, dass sie wertvoll sind, in seinen und Gottes Augen. Wertvoll mit allem, was sie ausmacht, auch mit ihrem Scheitern.

Die Kerze auf meinem Schreibtisch brennt heute für die jungen Menschen, die sich mit Französischprüfungen abmühen. Sie brennt aber auch für jede*n von Ihnen, egal für welche Prüfung oder Leistung Sie heute Zuversicht brauchen. Als Erinnerung und Ermutigung dafür, dass kein Prüfungsergebnis etwas von unserem Wert minimiert.

Ihnen wünsche ich einen guten Start in diese Woche, und vielleicht bis morgen: Ihre Sonja Stratmann aus Bocholt!

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