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Kirche in WDR 3 | 27.05.2022 | 07:50 Uhr

Kirche, verändere dich

In Stuttgart findet an diesem Wochenende der 102. Katholikentag statt. Ohne mich, und für die Entscheidung, nicht hinzufahren, musste ich nicht mal lange mit mir ringen. Das hat vor allem damit zu tun, dass ich zurzeit immer wieder hadere. Nicht mit meinem Glauben, und nicht mit Gott – zumindest nicht mehr als sonst in meinem Leben. Ich hadere sehr mit meinem Katholisch-Sein, präziser: mit meiner Zugehörigkeit zur katholischen Kirche. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, Kirche birgt viel Gutes, das kann ich auch im Rückblick auf meine Kirchenbiografie sagen. Vermutlich wäre ich sonst auch nicht Seelsorgerin geworden und würde heute nicht im Auftrag dieser Kirche von meinem Glauben und von Gott erzählen. Und doch weiß ich: vielen Menschen ist es nicht so ergangen wie mir. Sie haben Verletzungen erfahren, Enttäuschungen, Demütigungen und ja, auch Missbrauch. Und zu oft hat Kirche dann reagiert mit noch weiteren Demütigungen, Verletzungen oder Vertuschungen auf dieses Unrecht. Das macht mich wütend. Genau so, wie mich die träge Aufarbeitung des Missbrauchs wütend macht. Oder die mehrheitliche Weigerung der Bischöfe, wissenschaftliche Erkenntnisse bei einer Neubewertung von Sexualität und geschlechtlicher Identität anzuerkennen. Oder der Mangel, auch für Menschen in gescheiterten Beziehungen die gepredigte Barmherzigkeit und die Chance auf Neuanfang gelten zu lassen. Mit der Frauenfrage fange ich heute gar nicht an. Ich wünsche mir so sehr, dass Kirche sich in diesen Punkten verändert. Ich weiß aber auch, dass sich andere wünschen, alles möge bleiben, wie es immer war. Da drängt sich mir allerdings immer die Frage auf: Wie war es denn immer? Als ob sich in Kirche nix verändert hat in ihrer 2000jährigen Geschichte. Hat es. Immer mal wieder. Und das ist gut so. Denn: „Leben heißt, sich ändern. Und der erreichbaren Perfektion nahe zu sein, heißt, sich oft geändert zu haben.“ Das hat der katholische Theologe John Henry Kardinal Newman im 19. Jahrhundert gesagt. Ein markantes Zitat. Was für mich in seinen Überlegungen steckt: Die Glaubenslehre muss sich entwickeln. Sie bedarf einer „Verheutigung“, wenn sie lebendig bleiben will. Dann kann die Glaubensidee, die dem Handeln und Verkünden Jesu zu Grunde liegt, in dieser Welt sichtbar und erfahrbar bleiben.

Wenn ich auf die vielen Verletzungen durch Kirche schaue, möchte ich feststellen: wir sind noch nicht nahe an der „erreichbaren Perfektion“. Aber es gibt gute Schritte des Wandels, ganz konkret wo Seelsorgende gleichgeschlechtliche Paare segnen, wo sich Pfarreien für ein Arbeitsrecht ohne Diskriminierung aussprechen, wo sich Menschen dafür einsetzen, dass Kirche ein sicherer Ort für Heranwachsende wird. Manchmal, wenn mich Kirche so richtig wütend macht, gelingt es mir, an diese Menschen zu denken. Und an den Satz von Kardinal Newman, der mich noch antreibt, dabei zu bleiben und weiterzumachen:

„Leben heißt, sich ändern. Und der erreichbaren Perfektion nahe zu sein, heißt, sich oft geändert zu haben.“

Ich wünsche, dass diese Botschaft ausgeht vom Katholikentag in Stuttgart und auch von vielen anderen großen und kleinen Initiativen, damit Kirche sich immer wieder wandelt zum Segen für die Menschen. Herzliche Grüße nach Stuttgart aus Bocholt, Sonja Stratmann.

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