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Kirche in WDR 3 | 14.09.2022 | 07:50 Uhr

Dialogkreuz

Guten Morgen,

vor mir auf dem Schreibtisch in meinem Büro steht ein ungewöhnliches Kreuz. Es ist ein Metallgerüst und besteht aus einem längeren und einem kürzeren Rechteck, die zu einem Kreuz zusammengesteckt sind. Das ganze sieht aus wie Fenster, die aneinander gereiht sind zu einem Kreuz. Wenn ich durch diese Fenster hindurchsehe, eröffnet sich mir jedes Mal ein neuer Blickwinkel. Obwohl es so durchsichtig ist und leicht wirkt, ist es schwer: es ist gefertigt aus Stahl. Der Originalentwurf stammt von Pater Abraham Fischer aus der Benediktinerabtei Königsmünster und wurde für den Dialog- und Zukunftsprozess im Bistum Essen gefertigt. Das Kreuz hat daher auch einen Titel: Es heißt Dialogkreuz. Ich vermute es geht darum, dass durch diese verschiedenen Fenster insgesamt neue Blickrichtungen eingeübt werden sollen. Vor allem der Blick auf die Menschen soll geschärft werden, damit man mit ihnen in einen neuen Dialog eintreten kann.

Was aber sehe ich, wenn ich auf die vielen Menschen durch das Kreuz mit seinen Fenstern blicke? Es sind die unterschiedlichsten Lebensentwürfe und -formen. Manche sind geglückt, manche sind gescheitert. Manches Leben ist selbst ein Kreuz.

Dann sehe ich, dass hinter der Fassade oft Leid steckt. In einer scheinbaren Bilderbuchfamilie steckt das Leid, die schwere Suchterkrankung des Vaters tragen zu müssen. Ein sonst so optimistischer Freund berichtet von Depressionen und einem Klinikaufenthalt. Und auch ich selbst kenne in meiner näheren oder weiteren Familie so manche Kreuze, die das Leben trüben. Diese und andere Kreuze gibt es in jedem Leben, manchmal sind sie offensichtlich, viel öfter verborgen. Aber sie sind da. Und man kann lernen, sie zu sehen. Dazu verhilft mir dieses Dialogkreuz, weil es selbst auf eine Gestalt hinweist, die gelitten hat. Ich weiß um das Leiden Jesu und genau deswegen brauche ich nichts zu verdrängen, sondern kann klarer, kann genauer hinsehen. Mehr noch: Der unverstellte Blick auf das Kreuz Christi hilft mir, realistisch in die Welt zu sehen und einen Ort zu haben, wohin ich mit Not und Klage kommen kann, die ich sehe: Weil Jesus selbst das Kreuz kennt, kennt er auch meine alltäglichen kleinen und großen Kreuze.

Als Jesus einmal mit seinen Jüngern von der Nachfolge spricht, hat er ihnen nicht versprochen, dass das einfach wird, dass es ohne Kreuze im Leben gehen wird. Ganz im Gegenteil: Leben ohne Leiden, das gibt es nicht. Aber mir macht dieser Jesus Mut, der selbst weiß, was es bedeutet, sein Kreuz zu tragen. Und ich brauche auch nicht das Leid zu verdrängen oder davon wegschauen: ich kann und soll es betrachten und benennen. Schon die Verhaltenspsychologie sagt: Was du benennen kannst, das kannst du verarbeiten. Und wie wäre es, so einmal den Dialog zu suchen über das Kreuz, weil darin sich vielleicht etwas Heil finden lässt.

Aus Gladbeck grüßt Sie Meike Wagener-Esser

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