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Kirche in WDR 3 | 08.11.2022 | 07:50 Uhr

Entfeindungsliebe

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,

wenn mich jemand verletzt, werde ich im Handumdrehen zornig: „Das lasse ich mir nicht gefallen. So nicht!“

Die frühen Mönche sprachen von Zorneskraft – von Zorn und Kraft. Wenn ich meine Zorneskraft nach der Lehre der Mönche weder gegen andere noch gegen mich selbst richten soll, bleibt die Frage: was fange ich an mit diesem schwer auszuhaltenden Feuer?

Als erstes brauche ich diese Kraft schon, um aus der Spirale der Gewalt auszusteigen. Wenn ich durch den so gewonnenen Abstand klarer sehe, kann ich überlegen, wie ich die Zorneskraft konstruktiv nutzen könnte.

Vielleicht nutze ich die Kraft, mir die Seele freizuschreiben, ins Unreine, nicht um das Geschriebene abzuschicken, sondern um es klarer vor Augen zu haben und besser bearbeiten zu können. Vielleicht nutze ich die Kraft, um wieder mit dem Menschen, der mich verletzt hat, Kontakt aufzunehmen – aber in einem klaren Gegenüber auf Augen- und Ohrenhöhe. Vielleicht nutze ich die Kraft, um in die erneute Begegnung möglichst ruhig und selbstbewusst hineinzugehen und dann klar meine Sicht ins Wort zu bringen. Vielleicht nutze ich aber auch die Kraft, um nicht in die Kränkung hinein-, sondern über sie hinwegzugehen – weil es eine harmlose Verletzung war, die im alltäglichen Zusammensein leicht geschieht.

Ich gehe in die Regie und leite meine Zorneskraft an, dem Verursacher oder der Verursacherin nicht Macht über mich zu geben. Ich werde freier und übe mich in dem, was der jüdische Gelehrte Pinhas Lapide „Entfeindungsliebe“ nennt. In der Sprache der jüdischen Bibel und in der Sprache Jesu wird die Liebe zum Feind, zur Gegnerin, in den Dativ gesetzt: Erweise ihr, die dir feind ist, Liebe durch nüchternes Tun! Es geht jetzt um Liebestaten, nicht um Liebesgefühle! Erweise der Gegnerin durch die eine oder andere Geste deine mitmenschliche Achtung, ein An-Sehen – sie ist ein Mensch wie du!

Wenn Jesus einlädt, den Feind oder die Gegnerin zu lieben, meint er keine emotionale Liebe. Solche Liebe ist jetzt unmöglich und außerdem völlig unangemessen. In der nüchternen Liebe zu unseren Gegnern geht es um konkrete Gesten aufrichtigen Respektes. Sie können den Konflikt deeskalieren und eine günstigere Basis für eine Lösung schaffen.

Gibt es eine Gegnerin, einen Gegner, dem ich heute Respekt und ein konkretes, nüchternes Liebessignal erweisen könnte?

Gott, ich möchte den Menschen, mit denen ich mich schwertue, möglichst fair, frei und klar begegnen. Festige mich dort, wo ich jetzt wirklich stehe, und richte mich auf zu neuer klarer Begegnung!

Es grüßt Sie aus Aachen

Georg Lauscher

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