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Kirche in WDR 3 | 28.10.2022 | 07:50 Uhr

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Tränenkrug

Guten Morgen!

Bei mir um die Ecke gibt es einen kleinen Imbiss mit einem ungewöhnlichen Namen. Er heißt „Zum Tränenkrug“. Wechselnde Eigentümer haben immer wieder versucht, dem einen neuen Namen zu geben, aber das hat nicht geklappt. Hier im Detmolder Ortsteil Pivitsheide wird er immer nur „der Tränenkrug“ genannt. Meine Nachbarn haben mir erzählt, dass es wohl mal mehr ein Kiosk war, oder so was wie eine kleine Dorfkneipe. Halt ein Ort, wo man einkehren konnte, jemanden treffen, sein Herz ausschütten und Tränen vergießen. Freudentränen, wenn jemand etwas Lustiges zum Besten gab oder von einem freudigen Ereignis berichtete. Tränen des Leids, wenn jemand seine Arbeit verlor, eine vertraute Beziehung in die Brüche ging, wenn jemand krank wurde oder gestorben ist. Im Tränenkrug sind sicherlich schon unzählige Tränen geflossen.

Ich mag diesen alten Namen, denn er erinnert mich an ein vertrautes Bild aus der Bibel. Von einem Krug, in dem Tränen gesammelt werden, ist im Alten Testament die Rede. Es kommt in einem Psalm vor, ein Gebet, das König David voll Angst und Hilflosigkeit gebetet hat. Auf seiner Flucht damals im Krieg wird er viel geweint haben. Mit Tränen in den Augen wandte er sich Gott zu und suchte nach Halt und Hoffnung. Er berief sich auf ihn und wiederholte fast beschwörend: „… auf Gott will ich hoffen und mich nicht fürchten.“ (Psalm 56,5). Das beruhigte ihn. Das gab ihm Zuversicht. Er spürte und erkannte, dass Gott ihm nahe ist:

„Gott, sammle meine Tränen in deinen Krug. Ohne Zweifel, du zählst sie. … Das weiß ich, dass du mein Gott bist.“ (Psalm 56, 9+10) Den Betenden dieser Worte im Psalm 56 tröstete es damals zu wissen, dass Gott seine Not wahrnimmt und ernstnimmt, dass Gott all die geflossenen Tränen nicht übersieht. Gott sind Tränen nicht gleichgültig. Gott sammelt sie in seinem Krug, jede einzelne Träne.

Für mich ist dieses Bild auch noch heute tröstend. Ich verstehe Tränen als Teil einer Lebensgeschichte. Sie sind Zeichen des Lebens in all seinen Facetten: des Leidens, der Not und Hilflosigkeit, des Liebeskummers, der Schmerzen in Krankheit - aber auch Zeichen von Dankbarkeit, der Versöhnung nach einem Streit, der riesengroßen und der klitzekleinen Freude.

Gott sammelt meine Tränen, sie sind ihm nicht lästig, sondern kostbar, denn sie gehören zu mir und zu meinem Leben dazu. Genauso wie das Lachen und Staunen, wie meine Gedanken und Träume, wie meine Fragen und Zweifel, wie die Sehnsucht nach Geborgenheit und Frieden, wie die Suche nach Halt und Hoffnung. Gott sammelt alle Tränen wie ein kostbares Gut, denn sie sind die Geschichte seiner geliebten Kinder. Das Bild vom Tränenkrug sagt mir, dass wir nicht allein gelassen sind. Wir sind wertgeschätzt von Gott. Seine Liebe umschließt uns ganz. Alle Zeit, so am Anfang und zum Ende der Woche. Und das gilt überall auf der Welt, so auch in Detmold-Pivitsheide.

Von dort aus grüßt sie heute Annkathrin Tadday

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