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Kirche in WDR 3 | 21.12.2022 | 07:50 Uhr

Maria

In den Krippendarstellungen und Krippenspielen fehlt auf keinen Fall Maria, die Mutter Jesu. Meist wird sie sanft, still und liebevoll dargestellt, zerbrechlich und zärtlich. Vielleicht war sie das. Doch ganz gewiss war sie auch eine starke Frau, die nicht leicht zerbrach und doch zart war, standfest und darin hörend. An der Krippe wacht sie über ihr Kind, das ihr anvertraut ist und das sie im Laufe ihres Lebens noch oft nicht verstehen wird. Sie kennt die Alltagssorgen einer Mutter und kann für die ein Trost sein, die in der Mühsal des Alltags unterzugehen drohen.

Carlo Carretto war im 20. Jahrhundert ein bekannter italienischer Schriftsteller. Mit Mitte 40 trat er ein in die Gemeinschaft der Kleinen Brüder Jesu, die Charles de Foucault gegründet hat. Oft verbrachte er längere Zeiten in der Wüste – ganz allein war er dann unterwegs. In solch einer Wüstenzeit begann er eines Abends ein Gespräch mit Maria, der Mutter Jesu. Er wollte sie besser verstehen. Bis dahin waren ihm Formen der Marienverehrung fremd geblieben. In der Nacht, als er vor einem Wüstensturm Zuflucht in einer Grotte gefunden hatte, saß er dort zwischen dicht gedrängt liegenden Schafen und dachte an Maria, die im Stall ihr Kind gebar. Und plötzlich versteht er:

»Der Gott jenseits aller Dinge und allen Begreifens ist Mensch geworden, die Furcht hat sich in linden Trost verwandelt, aus der Unzugänglichkeit wurde Umarmung. Der Ferne ist nahe gekommen, Gott wurde Sohn.

Begreift ihr, wie umwälzend das ist?

Es hat sich ereignet, dass eine Frau in aller Wahrheit sagen konnte: „Mein Gott, mein Sohn.“ Jetzt habe ich keine Angst mehr. Wenn Gott dieses kleine Kind ist, auf Stroh gebettet im Stall, macht mir Gott keine Angst mehr.«[1]

Und im Blick auf Maria sieht Carlo Carretto ihren großen Mut und dass sie standgehalten hat unter der Last dieses grenzenlosen Geheimnisses.

Welch eine Zerreißprobe für diese junge Frau, die nicht nur das Glück ihres ersten Kindes erlebt, sondern zugleich in diesem Kind Unvorstellbares erahnt. Da kommen die Hirten und erzählen, was die Engel ihnen an großen Geschehnissen verkündet haben. Und Maria hält es aus. Was sie nicht begreifen kann, das bewahrt sie in ihrem Herzen. Sie bewegt es dort, heißt es, so dass es in ihrem Herzen reifen kann, bis sie es vielleicht verstehen wird. So macht sie es mit allem, was ihr auf ihrem Weg geschieht und was ihr unverständlich bleibt. Sie bewahrt es in ihrem Herzen.

Maria geht ihren Weg in einem ständigen Empfangen und wieder Loslassen. Sie lernt auf dem Glaubensweg, um im nächsten Schritt das Erlernte schon wieder loszulassen, da von Moment zu Moment ihr Ja-Wort des Anfangs eingeholt wird.

Marias stilles Dasein als Mutter Jesu an der Krippe rührt mich an. Sie lehrt mich als Erste, dass ich vor Gott keine Angst zu haben brauche. Sie begleitet mich auf meinen Alltagswegen als die große Glaubende, die in den kleinen Schritten des alltäglichen Lebens immer wieder auf der Suche bleibt nach ihrem Sohn, nach Gott.

Maria kann uns Mut machen, unsre Augen von unseren offenen Herzen lenken zu lassen, ohne festzuhalten, was uns gegeben wird. In immer neuen Schritten von Loslassen zu Loslassen weiterzugehen, bis das Leben des Lebendigen Gottes uns ganz umfängt. Dass Sie sich heute auf Ihrem Alltagsweg begleitet erfahren, wünscht Ihnen Sr. Ancilla Röttger aus Münster.


[1] Carlo Caretto, Gib mir deinen Glauben. Gespräche mit Maria von Nazareth, Freiburg i.Br. 1980, S. 40-41.

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