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Kirche in WDR 3 | 24.12.2022 | 07:50 Uhr

Eine seltsame Krippe

Es ist Heiligabend. Und an vielen Orten sind jetzt schon Tannenbäume und Krippen aufgestellt. Jede Krippendarstellung hat eine eigene Botschaft und ist eine lebendige Verkündigung des Weihnachtsgeheimnisses: Gott wird Mensch aus Liebe zu uns – das ist die Kernaussage. Im Krippenmuseum in Telgte wird diese Botschaft von der Menschwerdung Gottes in ganz unterschiedliche Kontexte gesetzt. Mal lenkt die Krippenszene den Blick auf die weltweite Armut so vieler Menschen, oder die Darstellung bestimmter Personen aus unserem Umfeld rückt die Krippe in unseren konkreten Alltag hinein.

In unserem Kloster ist es Brauch, dass mehrere Krippen aufgestellt werden in den unterschiedlichen Räumen. Und die Schwester, die sie aufbaut, gibt damit ein Zeichen für ihren persönlichen Blick auf dieses Geheimnis.

Vor etlichen Jahren entwarf eine junge Schwester in unserem Speiseraum eine ganz ungewöhnliche Krippenszene: Schon der Tannenbaum stand nicht da, wo wir ihn gewohnt waren. Dann hatte sie das Weihnachtsevangelium auf ein großes Blatt gedruckt und dieses Blatt in der Mitte aufgerissen – als hätte man die Faust hindurchgesteckt. Durch dieses aufgerissene Loch war ein Bild zu sehen, das sie dahinter gestellt hatte: das Bild eines Armen. Davor lagen ein paar Steinplatten, die beim Legen eines Gartenweges übrig geblieben waren. Auf diese Platten hatte sie mit Kreide geschrieben: „Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“

Auf einer Platte stand die Krippe – ganz ohne Personen, weder Maria noch Josef noch das Jesuskind waren da. Nur die leere Krippe. Und als Krippe hatte sie eine halb durchgeschnittene Konservendose gewählt. Das Ganze ein Bild erbärmlicher Armut.

Ich erinnere mich gut an den Schock dieser Krippe, der uns alle damals durchfuhr. Wir standen davor und konnten keines der Weihnachtslieder singen, die wir sonst immer so leicht anstimmen. Es passte einfach nicht, angesichts dieser Armut zu singen „Süßer die Glocken nie klingen“. Es passte auch nicht, sich an dieser Krippe Geschichten zu erzählen und die Romantik des Weihnachtsfestes zu feiern, die es ja auch hat. Es blieb uns nur, niederzuknien und die Armut Gottes still anzubeten. Diese Krippe holte uns in die Nähe der leibhaftig Armen, die auf der Straße leben, die aus der Konservendose leben, die unsere Botschaft der Liebe abklopfen, ob sie denn auch wirklich den Menschen meint.

Doch wir brauchen auch das andere, nämlich das Erleben von Gemeinschaft, von verbindender Liebe zueinander. Wir brauchen es, einander zu beschenken und selbst füreinander Geschenk zu werden. Wir brauchen es auch, Lieder miteinander zu singen, die einfach nur Ausdruck der Freude über dieses Fest sind, das Licht in unser Leben gebracht hat. Wir brauchen die Erfahrung des Lichtes in uns und zwischen uns, damit wir es dann weitertragen können zu denen, bei denen so viel Dunkel herrscht.

Das Bild der armen Krippe hat sich mir tief eingebrannt, da es mir so deutlich vor Augen geführt hat, was Gott in diesem Kind von Bethlehem auf sich genommen hat aus reiner Liebe zu uns. So wünscht Ihnen allen aus ganzem Herzen ein lichtvolles und friedliches Weihnachtsfest Schwester Ancilla Röttger aus Münster.

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