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Kirche in WDR 3 | 12.06.2024 | 07:50 Uhr

Segnen und nehmen

Guten Morgen.

Ich bin zu Fuß unterwegs – da höre ich plötzlich eine Frau rufen: „Gott segne dich, er gebe dir ganz viel Gesundheit, ein langes Leben, du bist gesegnet von Gott, er ist mit dir.“

Die Frau sitzt auf einer Bank am Straßenrand, ist etwas älter und trägt bunte Kleidung, mehrere Kopftücher verstecken ihre Haare. Sie lächelt freundlich und stützt sich auf einen Gehstock.

Ich freu mich total. Als Pfarrerin bin ja normalerweise ich diejenige, die andere segnet. Dass ich gesegnet werde, passiert nicht so häufig. Ich bedanke mich bei ihr und lächle zurück.

Sie hält die Hand auf. „Bitte, bitte. Ich brauche Geld.“

Meine Freude hält sich in Grenzen. Erst ein Segen und dann dafür bezahlen? Das hat sich in dem Moment ein bisschen so angefühlt wie ein tolles Geschenk, das ich bekomme, und das ich im Nachhinein bezahlen soll.

Über das Betteln an sich gibt es ja viele Meinungen. Ich persönlich kann nur schwer an Menschen vorbeigehen, die die Hand aufhalten oder die so aussehen, als bräuchten sie Hilfe. Nächstenliebe, auch den Geringsten am Straßenrand zu sehen, ist ein zentrales Gebot im Christentum. Wie viele andere frage ich dann manchmal, ob ich was zu Essen oder zu Trinken kaufen kann. Das fühlt sich mehr an wie helfen, als Geld zu geben. Da weiß man ja schließlich nicht, wofür es benutzt wird und ob man da nicht einen Teufelskreis befeuert. Und am Ende vor allem sein eigenes schlechtes Gewissen beruhigt.

Ich hab´ der Frau, die mich gesegnet hat, das Geld gegeben, das sie wollte. Für mich ist der Segen etwas Heiliges. Es hätte sich komisch angefühlt, der Person nein zu sagen, die mir so etwas Schönes geschenkt hat. Aber Geld zu geben für den schon gespendeten Segen hat sich auch etwas komisch angefühlt.

Denn Segen ist eigentlich etwas Bedingungsloses. Segen ist der ausgesprochene Wunsch: Ich wünsche dir, dass es dir gut geht. Dass du an Leib und Seele keinen Schaden nimmst. Dass du auf dieser Welt von Gott begleitet bist, was auch passiert.

Segen ist kein magisches Amulett, das vor schlimmen Dingen beschützt. Segen ist ein Vertrauenswort: Ich segne dich. Ich vertraue dich Gott an. Und es ist ein Vertrauensgebet an Gott: Gott, ich bitte dich um alles Gute auf der Welt für diese Person.

Also letztlich ist der Segen, den wir einander zusprechen, eine Bitte an Gott. Sie fühlt sich für den oder die gesegnete Person oft sehr intensiv an, sehr vertraut und nah.

Ich stelle mir gern vor: Der Segen sieht aus wie so ein feiner goldener Regen, der im Moment des Segnens herabrieselt. Er ist keine Rüstung, die mich beschützt. Aber er ist da, erinnert mich, dass ich nicht alleine bin. Er lässt mich golden strahlen, weil ich ein Kind Gottes bin. Egal wie andere mich behandeln oder wie ich selbst manchmal über mich denke.

Er ist also etwas ganz Wertvolles, so ein Segen. Ein wertvolles Gebet. Und ich persönlich möchte so ein wertvolles Gebet nicht mit Bezahlung vermischen. Denn ein Segen ist und bleibt unbezahlbar und bedingungslos.

Obwohl es für mich seltsam war, dass ich für den Segen bezahlen sollte: Ich bin der Frau auf der Bank dankbar für ihr Segenswort. Denn gesegnet zu werden fühlt sich oft richtig gut an. Probieren Sie es mal aus!


Es grüßt Sie aus Köln, Ihre Inga Waschke.


Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze




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