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Kirche in WDR 4 | 01.05.2026 | 08:55 Uhr

Ruhetag

Guten Morgen


Und herzlichen Dank an alle, die heute an diesem Feiertag für uns arbeiten. Herzlichen Dank an alle Krankenpfleger und Ärztinnen. An die, die in der Gastronomie, bei einem Verkehrsunternehmen, der Feuerwehr, der Polizei oder irgendwo sonst heute arbeiten. Und mein Dank gilt auch den Gewerkschaften, die sich für diesen Tag und zum Beispiel auch für ein freies Wochenende eingesetzt haben. Das ist noch gar nicht so lange her. Vorher gab es nur den freien Sonntag. Der ist übrigens eine biblische Errungenschaft.

Freizeit, wie wir sie heute kennen, war für die meisten Menschen der Antike ein Fremdwort. Den Müßiggang, von dem die manche Philosophen schwärmten, konnten sich nur wenige leisten. Die große Masse der Mägde und Knechte, der Sklavinnen und Sklaven und Fremdarbeiter hatten keinen freien Tag. Sie hatten immer verfügbar zu sein, wenn man sie brauchte. Darum war es etwas ganz Neues, dass sie in den Zehn Geboten des Ersten Testaments der Bibel mitgenannt wurden. Das Gebot des Ruhetages galt ausdrücklich auch ihnen.


Und so heißt es da:

„Sechs Tage in der Woche sollst du arbeiten und alle deine Tätigkeiten verrichten; aber der siebte Tag ist der Ruhetag des HERRN, deines Gottes. An diesem Tag sollst du nicht arbeiten, auch nicht dein Sohn oder deine Tochter, dein Sklave oder deine Sklavin, dein Rind, dein Esel oder ein anderes von deinen Tieren und auch nicht der Fremde, der bei dir lebt. An diesem Tag sollen dein Sklave und deine Sklavin genauso ausruhen können wie du.“ (1)

Interessant ist, dass auch die eigenen Kinder werden, hier genannt. Die werden damals voll mit eingesetzt beim Arbeiten. Und auch die Arbeitstiere haben frei. Dabei finde ich die Begründung interessant:


„Denke daran, dass du selbst in Ägypten ein Sklave warst und der HERR, dein Gott, dich mit starker Hand und ausgestrecktem Arm von dort in die Freiheit geführt hat.“ Heißt es in dem Gebot weiter.(2) „Denke daran, dass du selbst ein Sklave warst“. Vergiss nicht: Du oder deine Vorfahren – ihr habt selbst einmal ganz klein angefangen. Vergiss das niemals, wenn du siehst, wie Menschen heute in schwierigen Arbeitsverhältnissen leben.


Wenn es um das Verhältnis von Arbeitnehmern und Arbeitgebern geht, ist die Bibel nicht neutral. Sie hat stets zuerst die Bedürftigen und Schutzlosen im Blick. Niemand sollte rund um die Uhr verfügbar sein, immer erreichbar, immer dienstbereit.


Es braucht solche Auszeiten wie heute und es braucht diesen guten Rhythmus zwischen Arbeit und Ruhe. Jeder Mensch braucht das. Auch wenn wir in unserem Beruf noch so gut sind und Erfolg haben und auch wenn es lange gut geht, weil wir immer funktionieren.

„Ich kann gar nicht `nichts` tun“, sagte mir letztens jemand. Wie schade! Dabei wäre es so gut. Einmal raus aus dem Hamsterrad, Stille aushalten, zur Ruhe kommen. Es braucht solche „gnädigen Unterbrechungen des Alltags“ wie heute oder wie an jedem Sonntag. Ein Tag, der mich einlädt, zu staunen, was für Wunder das Leben für mich bereithält. Ja, was für ein Wunder und ein Geschenk das Leben selbst ist.


(Ende WDR 4, Verabschiedung für WDR 3 und 5: )

Ich wünsche Ihnen, dass Sie heute zum Staunen kommen und sich darüber freuen können

Ihr Pastor Heinz-Bernd Meurer aus Velbert.


Quellen:

(1) 5. Mose 5,13-14 Gute Nachricht Bibel, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

(2) 5. Mose 5,15 Gute Nachricht Bibel, © 2018 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.



Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze


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