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Sonntagskirche | 20.07.2014 | 08:55 Uhr

Träume sind Schäume

Das Telefon klingelt. „Träume sind Schäume“ – hallt es aus dem Hörer. Felix ist dran. Er ist in der Ausbildung zum Religionslehrer. Jetzt soll er zum Thema „Träume“ unterrichten. „Was soll man denn dazu machen, Miriam? Träume sind doch kein richtiges Thema. Was soll das?“ – Ich überlege und antworte: „Träume können vielleicht platzen. Aber sie sind wichtig. Sie treiben uns an. Ohne einen Traum, ohne ein Ziel komme ich doch nirgendwo hin…“ -

„Hm“, entgegnet Felix, „vielleicht kann man ja Realität und Traum auch gar nicht so richtig unterscheiden. Was ist denn real und was ist Träumerei? Manchmal lebe ich ja in einer kompletten Traumwelt. In einer Traumwelt, in der ich die Realität verpasse. Baue ich mir mein Leben nicht immer so, wie ich es mir denke und wünsche und blende dadurch aus, wie es wirklich ist? Sehe ich in meinem Kind, meinem Partner, in dir als Freundin nicht immer nur das, was ich mir wünsche und was ich von meinem Gegenüber erwarte?“

Ich sage: „Genau, Felix. Das ist es. Ich mach mir die Welt wie sie mir gefällt. Aber das heißt ja, ich kann nur enttäuscht werden, oder? Was, wenn das, was ich mir aufbaue, nicht so bleibt? Meine Phantasien davon, wie der andere ist, mein Traumhaus, mein Traumjob…“

Liebe Hörerin, lieber Hörer, der Schaum unserer Träume verfliegt, wenn wir verletzt und verlassen werden. Wenn uns ein naher Mensch enttäuscht. Wenn ein Unglück unser schönes Haus zerstört oder wir am Wunscharbeitsplatz gemobbt werden. Dann bekommt die Oberfläche unseres Lebens einen anderen Look. Kein schöner, schillernder Schaum mehr zu sehen.

Da, wo etwas anders wird, ohne, dass ich es will, da entstehen Fragen. Da, wo Träume und Traumwelten zerplatzen, da, wo ich realisiere, dass meine Vorstellungen sich erheblich von denen der anderen unterscheiden, da, wo Beziehungen auseinandergehen, da, wo Unglück geschieht und Hoffnungen sich nicht erfüllen, da kommen meine Fragen auf.

Aus diesen Situationen von Einsamkeit, quillt die Frage nach Gott. Es ist die Frage danach, was Gott sich dabei denkt. Wie er ist. Warum um alles in der Welt bin ich es nicht wert, dass mein Traum in Erfüllung geht?

Wie soll ich das zusammenbringen, die Erfahrung von einem tiefen Schmerz und, dass Gott gut ist?

„Ist denn Gott ungerecht? Das sei ferne!“(1) Das schreibt der Apostel Paulus‘ in einem Brief an die Gemeinde in Rom. Paulus ist diese Frage auch gekommen. Seine Vorstellung vom Leben wird massiv infrage gestellt. Paulus war Jude. Und in dieser Überzeugung verfolgte er die Christen. Er bekämpfte sie und ihre Ausbreitung. Sein Traum von einem rechtgläubigen Gottesvolk sah Christen nicht vor. Doch dann kommt die große Wende. Gott erscheint ihm im auferstandenen Christus. Sein Leben verändert sich. Er hat es sich nicht ausgesucht. Es ist ihm widerfahren. Gott ist ihm widerfahren. Und er merkt: Es gibt nicht nur den einen Weg zu Gott. Für ihn ist von da an klar: Halte dich an das, was dir widerfahren ist.

Gottes Geheimnis können wir als Menschen nicht durchdringen. Unsere Sichtweise ist nur ein kleiner Ausschnitt des großen Ganzen.

Unsere Träume sind nicht unbedingt das, was der Himmel für uns vorsieht. Gott begegnet uns unerwartet. Manchmal zerplatzt dabei der Traum und das Leben geht anders weiter. Aber ist mein Traum vom Leben nicht berechtigt – der Traum von Gesundsein und Partnerschaft, von Freunden und dem Arbeitsplatz?

„Träume sind Schäume“, der Ausspruch von Felix geht mir nicht aus dem Sinn.

Mein Traum kann ein Traum sein, aber die Realität ist wohl in der Tat spannender. Und Gott hält zu mir – egal, was aus meinem Traum wird.

Einen schönen, so oder so traumhaften Sonntag wünscht Ihnen Ihre Pfarrerin Miriam Haseleu aus Köln.

(1) Römer 9,14

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