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Sonntagskirche | 31.08.2014 | 08:55 Uhr

Rom und seine modernste Kirche

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer!

Rom ist meine Stadt. Ich hatte das große Glück, dort einige Zeit zu leben und weiß beim besten Willen nicht, wie oft ich inzwischen dort war - sei es beruflich oder privat oder in einer Mischung von beidem, wenn ich Menschen diese faszinierende Metropole zeigen kann. Dazu gehören natürlich Forum Romanum, Petersdom und Piazza Navona, aber am liebsten gehe ich dann zu den Orten, die - wenn überhaupt - nur kurz abgehandelt im Reiseführer stehen.

Von einem dieser Orte möchte ich ihnen an diesem Sonntag erzählen - als letzte Station unserer „Ohrenreise durch Italien“, die uns in diesem August vom Veneto über die Emilia Romagna und das kleine Felsenkloster Sacro Speco führte und nun in der Ewigen Stadt endet. Immer ging es um Orte, die - wenn man entsprechend Zeit und Muße mitbringt, das eigene Leben, den Glauben bereichern - und nicht nur die Chipkarte in der Kamera.

Heute also Rom. Gut, es braucht die Bereitschaft zu einer nicht ganz kleinen Ausfahrt, die – angenommen, wir starteten an der Engelsburg – eine Stunde Lavierens durchs römische Straßennetz bedarf. Aber immerhin kommt man schon ganz zu Beginn in den Genuss der Erfahrung, dass ein römischer Taxifahrer zum Stadtplan greifen muss und nach einigen Minuten brummelt: „Mamma mia!“

Es geht gen Osten, Richtung Sonnenaufgang. Immer weiter, bis sich am Blickrand Felder, Wiesen Hügel, unbebaute Landschaft auftun. „Tor Tre Teste“ heißt das Viertel, eine bestenfalls unspektakuläre Gegend, die man gestrost hässlich nennen könnte, wenn nicht bemerkenswerte Reste eines Aquädukts gäbe - und die neueste, modernste Kirche Roms. Richard Meier hat sie gebaut, der New Yorker Star-Architekt, der mit dem Getty-Museum in Los Angeles oder dem Burda-Museum in Baden-Baden Aufsehen erregte. 2003 ist seine römische Kirche fertig geworden, dem „dio padre misericordioso“, dem „barmherzigen Gottvater“ geweiht.

Ein bisschen erinnert der Bau ans Opernhaus von Sydney mit seinen drei großen Flügeln oder Segeln. Strahlend hell, ganz in Weiß gehalten, steht sie oben auf einem Hügel dieses römischen Schlafstadtteils, umgeben von teils zehnstöckigen Wohnhäusern, die von römischem Charme ungefähr so viel erahnen lassen wie Vino rosso im Tetrapack. Nichts an dem strahlenden Weißbeton der Kirche ist kühl, arrogant, keine selbstverliebte und sich selbst zelebrierende Architektur ist da entstanden, sondern wirklich dies: ein barmherziger Raum.

Richard Meiers Werk sagt klar, welcher Art diese Barmherzigkeit ist. Keineswegs eine schmusige, auch keine alles überstrahlende. Wenngleich West- und Ost-Fassade komplett verglast sind in voller Höhe, obschon das Dach in voller Breite und Länge den Blick in den blauen Himmel freigibt, nie gelingt es der allgegenwärtigen Sonne, direkt in den Raum zu scheinen und zu blenden.

Nur einmal im Jahr, um die Zeit der Sommersonnenwende, schießt sie am Nachmittag durch einen dreifach gebrochenen Schacht ins Kircheninnere - und umflutet so von hinten das Zentrum des Raumes: ein Kreuz aus dem 16. Jahrhundert. Es erscheint, von Licht umstrahlt, Licht vom Licht: das Licht der Welt. Selbst und gerade im Düstersten und durch es hindurch, dafür steht das Kreuz. Das ist das Unglaublichste dieses Kirchraums: Wie Schöpfung und Symbol und Schrift den Glauben, Gott, Welt und Zeit zusammenwerfen und das „Geheimnis des Glaubens“ eben nicht im geheimnisvoll-mysteriösen Dunkeln belassen - wie viele andere, nicht nur römische Kirchen, sondern es helllicht erscheint lassen. Ein weißer Raum, der nicht blendet, sondern freundlich Gottesbegegnung gewährt. Darin ist er zutiefst barmherzig.

Da lassen sich auch Leben und Glauben bei Tageslicht ansehen - nicht wie im Röntgenbild durchleuchten, sondern einfach gütig ansehen. Barmherzig. Wie gut das tut! Nicht nur in Rom.

Einen lichten Sonntag wünsche ich Ihnen! Aus Münster verabschiedet sich Ihr Markus Nolte.

Copyright Vorschaubild: Markus Nolte, Münster

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