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Kirche in WDR 4 | 12.08.2014 | 08:55 Uhr

Was verschafft Gerechtigkeit?

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

In meinem Urlaub habe ich einen bemerkenswerten Film auf DVD gesehen: Die Verfilmung von Heinrich von Kleists Novelle „Michael Kohlhaas“ aus dem vergangenen Jahr. Die Literaturfreunde unter Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, mögen es mir nachsehen, wenn ich die Handlung eher grob zusammenzufassen versuche: Im 16. Jahrhundert geht der Pferdehändler Michael Kohlhaas zu einem Markt. Auf dem Heimweg muss er eine Grenze passieren. Der Verwalter des Freiherrn verlangt einen Passierschein, ohne dass er dazu berechtigt wäre. Kohlhaas besitzt keinen derartigen Passierschein und muss deshalb einen besorgen. Als Pfand lässt er zwei seiner Pferde zurück. Wieder auf dem Weg nach Hause erhält Kohlhaas seine Pferde aber in einem erbärmlichen und schrecklichen Zustand zurück. Das ist Unrecht und das empfindet Kohlhaas auch so und will das nicht hinnehmen und entschließt sich deshalb – halb mutig, halb waghalsig – juristisch dagegen vorzugehen. Aber: Kohlhaas bekommt kein Recht, und es kommt noch schlimmer:; Seine Frau Judith stirbt bei dem Versuch, für ihren Mann Gerechtigkeit bei der Prinzessin zu erreichen. Kohlhaas entscheidet sich für Selbstjustiz und verbreitet mit Anhängern und Weggefährten Angst und Schrecken im ganzen Land. Letztendlich wird ihm von der Prinzessin ein fairer Prozess versprochen (es geht um die zwei Pferde!), wenn er und sein Gefolge mit dem Morden aufhören. Er lässt sich darauf ein und erhält Recht in dem Prozess um seine Pferde, erfährt jedoch auch Gerechtigkeit für die von ihm in Selbstjustiz begangenen Morde und wird dafür schließlich hingerichtet.

Heinrich von Kleist’s Novelle ist mir seit meinen Schultagen vertraut. ist mir jetzt durch diesen – wie ich finde – großartigen Film erneut die Brisanz der Kernfrage der Erzählung bewusst geworden: Was bedeutet für mich Gerechtigkeit? Kann ich erst dann wirklich Frieden finden, wenn alle meine Rachegelüste befriedigt sind, selbst wenn es mich den eigenen Kopf kostet? Damit mich keiner falsch versteht: Unrecht und Ungerechtigkeit schreien nach Heilung, sie rufen lauthals danach, dass jedem Menschen Gerechtigkeit und Frieden zukommen.

Christen müssen sich bei allem berechtigten Wunsch nach Vergeltung jedoch auch mit den folgenden Worten Jesu auseinandersetzen: „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist ‚Auge für Auge‘ und ‚Zahn für Zahn‘. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand.“ Jesu Worte fordern mich und meinen Gerechtigkeitssinn enorm heraus. Wie soll ich das anstellen? Welcher Mensch ist zu solch einer Kraftanstrengung in der Lage? Michael Kohlhaas findet in der Novelle mit aller Gewalt Gerechtigkeit. Sie verschafft ihm zwar letztendlich Recht, aber kostet ihm auch das Leben. Denn in dieser Gerechtigkeit wurde Gleiches mit Gleichem vergolten. Jesus bietet mehr: Der Schlüssel zu wahrem Frieden und Gerechtigkeit besteht danach in der Vergebung und in der Bereitschaft zu verzeihen, was umso viel anstrengender und schwieriger ist, als direkt zurückzuschlagen.

Ob bei einem Streit in der Familie, unter Freunden oder auf der Arbeit: Dass Sie, wenn der Moment kommt zurückzuschlagen, wissen, dass es noch einen anderen Weg gibt, das wünscht Ihnen Pfarrer Torsten Kürbig aus Wuppertal.

* Mt 5,38f.

Copyright Vorschaubild: Public Domain Pixabay

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