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Kirche in WDR 4 | 20.08.2014 | 08:55 Uhr

Mauern

„Herr deine Liebe ist wie Gras und Ufer...“ Diesen Kirchenschlager der 70er Jahre (hart an der Schmalzgrenze!) habe ich in meiner Zeit als Seelsorger im Gefängnis oft mit Gefangenen im Gottesdienst gesungen, liebe Hörerin, lieber Hörer. Die Gefangenen mochten ihn – und es ist nicht schwer das zu verstehen.

„Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer, wie Wind und Weite, und wie ein Zuhaus’. Frei sind wir da zu wohnen und zu gehen, frei sind wir, ja zu sagen oder nein.“ Hier wird die Freiheit der Menschen besungen, die die Gefangenen in beträchtlichem Umfang eingebüßt haben.

In der zweiten Strophe fällt neben dem Stichwort Freiheit noch ein weiteres wichtiges Stichwort: Träume. Die spielen in den Seelen der Gefangenen auch eine ganz wichtige Rolle. Überraschend war dabei für mich: Es ist im Grunde oft der Traum von einem ganz normalen, bürgerlichen Leben: eine Partnerin finden, Kinder haben, den Beruf auszuüben zu können, den man sich gewünscht hat.

In der dritten Strophe des Liedes ist dann die Lebenssituation der Gefangenen sehr deutlich angesprochen. „Und dennoch sind da Mauern zwischen Menschen und nur durch Gitter sehen wir uns an.“ Der Liederdichter hat das zwar eher als ein Bild für die innere Verfassung eines Menschen gemeint – aber bei vielen Gefangenen ist das ja eins: Wer hinter Gittern sitzt, der fühlt sich oft auch innerlich abgeschnitten.

Und schließlich ist in der vierten Strophe von Gott als Richter die Rede: Kein Mensch. Nein, Gott als Richter. „Herr, du bist Richter, du nur kannst befreien. Wo du uns freisprichst, da ist Freiheit da.“ Viele, die im Gefängnis sein müssen, empfinden ihre Strafe als ungerecht– da kann ein gewisser Trost sein, dass Gott gerecht ist und gerecht urteilt. Anders als Menschen es tun.

Jesus Christus sagte einmal: „Ich war gefangen – und ihr habt mich besucht“. Und meinte damit, dass man sich um die Gefangenen kümmern soll. Denn Christus selbst geriet in die Mühlen der Justiz. Er wurde gefangen genommen und bis zu seiner Hinrichtung eingesperrt.

Und so war es für die ersten Christen klar: Gefangene zu besuchen, gehört zu unseren Aufgaben selbstverständlich dazu.

Die uralte Tradition, Gefangene zu besuchen, hat sich in der Kirche bis auf den heutigen Tag gehalten. Es gibt in den allermeisten Gefängnissen in unserem Land haupt- oder mindestens nebenamtliche Seelsorger, die Gefangene besuchen. Und es gibt viele Ehrenamtliche, die sich in Gefängnissen engagieren. Und das ist gut so. Ich bin darüber sehr froh! So wissen die, die ihr Leben hinter Mauern verbringen müssen: Sie sind nicht vergessen.

Heute morgen gehen meine Gedanken zu allen, die gefangen sind. Und auch zu denen, die für acht Stunden mit ihnen eingesperrt sind und ihnen in unterschiedlichen beruflichen Rollen begegnen: als Beamte des allgemeinen Vollzugsdienstes, als Sicherheitsfachleute, als Psychologen, als Sozialarbeiter, als Seelsorger. Keine leichte Arbeit! Sie alle setzen sich ja jeden Tag mit den Themen Schuld, Strafe, Versagen auseinander. Und versuchen, das täglich in die Praxis umzusetzen, was politisch als Ziel des Strafvollzugs gewollt wird. Nicht Rache oder Vergeltung, sondern: Eine neue Chance. Das ist ganz auf der Linie der christlichen Versöhnungsbotschaft!

Denn das Evangelium ist ja zuerst denen gesagt, die versagt haben, die Schuld auf sich geladen haben. Nicht den glänzenden Siegern, die immer alles richtig gemacht haben in ihrem Leben. Auch nicht denen, die sich in ihrem Leben nie etwas haben zu Schulden kommen lassen. Oder denen, die korrupt und betrügerisch sind, aber nicht dabei erwischt wurden.

Ich würde es so auf den Punkt bringen: Egal, was jemand getan hat: Im Lichte des Evangeliums ist der Mensch immer mehr als seine Taten, seien sie noch so schwerwiegend.

Ob Sie heute in Freiheit leben können oder hinter Gittern und Mauern eingesperrt sind: Gott sei mit Ihnen an diesem Tag! Das wünscht Ihnen Pfarrer Frank Küchler aus Marialinden.

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