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Kirche in WDR 4 | 17.12.2015 | 08:55 Uhr

Kein schlechter Vorschlag

Guten Morgen!

Es gibt Tage, an denen wir nicht wissen, wo uns der Kopf steht und wo noch nicht. Ein Freund von mir erwischte einen solchen Tag. Er war in einem miesen Zustand und erhoffte von mir eine Art Starthilfe. Als ich ihm schließlich sagte, versuch' es doch mal mit dem Besuch in einer leeren Kirche, blickt er mich ungläubig an. Hatte ich einen schlechten Vorschlag gemacht? Eine leere Kirche - ist das eine Zumutung?

Ich glaube, dass, wenn manches drunter und drüber geht, der Mensch Ruhe und Besinnung braucht. Aber wo ist das heute zu finden? Vielleicht in eben dem leeren Raum einer Kirche. In jenen Kirchen, die angeblich deshalb leer sind, weil die Gläubigen abhandengekommen sind und nutzlos also, weil ungenützt, den lieben langen Tag dastehen.

Wenn ich unterwegs bin, betrete ich gerne Kirchen, wenn sie nicht verschlossen sind. Zuweilen sehe ich dort nur ein, zwei Besucher oder nur einen einzigen ganz allein. Um ihn ist viel Platz. Stille im hohen Raum. Luft genug und manchmal Sonnenschein in den Glasfenstern. Niemand sagt ihm, was zu tun ist. Kein Telefon stört. Niemand belästigt ihn. Was hat ihn in die leere Kirche geführt?

Vielleicht handelt er ähnlich wie Jesus, wenn der in die "Wüste" ging. Es waren menschenleere Gegenden, die er suchte, in die er sich zurückzog. Er fand dort den Ort, an dem ihn nichts und niemand von Gott trennte.

Sind nicht mehr Menschen, als wir glauben, auf der Suche nach einem Fleckchen, wo man nur sich selbst und vielleicht auch Gott unmittelbar begegnen könnte? Dennoch meiden sie diese Orte und damit auch die leere Kirchen, denn allzu sehr ist man dort tatsächlich sich selbst und Gott ausgeliefert. Meinem Freund kam mein Vorschlag vor wie die Angabe zum Weg in ein unbekanntes Land.

Warum nur habe ich ihm das mit der leeren Kirche empfohlen? Ist es vielleicht doch eine Zumutung oder gar eine Empfehlung zur Flucht? Manchmal muss man wohl fliehen. Aber dann bleibt man doch stehen, sucht Halt, Ruhe, Stille. Stille ist mehr als die äußere Abwesenheit von Lärm. Sie ist eine Kraft, die man vor allem an ihren Wirkungen erkennt. Es kann gelingen, sich selbst dabei wiederzufinden und zu wissen, wie und wo der Kopf zu stehen hat. Wer die Stille sucht, erfährt wie bei einer Entdeckungsreise die Tiefen des eigenen Lebens. Stille muss man hören. Das ist kein Widerspruch.

Gott sieht uns, auch wenn wir die Augen verschließen. Wenn der Mensch schweigt, hört er Gott sprechen. Gott spricht ständig. Er spricht zu uns, auch wenn die Ohren verstopft sind. Sein Sprechen ist leise, doch in der Stille vernehmbar.

Versuchen Sie es doch einmal mit der leeren Kirche, mit den Minuten der Absonderung und der Stille. Die leeren Kirchen stehen an jedem Ort. Es kostet dort keinen Eintritt und sie sind für jeden geöffnet. Ich glaube, dass uns Gott nie näher ist, als wenn wir am Ende sind. Er nimmt nicht alles, was mies ist, von uns ab und ändert nicht Hokuspokus unseren Zustand. Aber dass er sein Wort hält und mich unter den sieben Milliarden Menschen sieht und hört- und sie, verehrte Hörerinnen und Hörer, auch - lässt mich mit Mut in den Alltag zurückgehen. Die Zeit, die mir dann bleibt, ist Gottes Art, Kredit zu geben. Ihnen allen wünsche ich davon eine gehörige Portion. Einen guten Tag wünscht Ihnen Prälat Erich Läufer aus Leverkusen.

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Bildrechte: CCO Pixabay

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