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Sonntagskirche | 03.01.2016 | 08:55 Uhr

Brüche

„Was wird der Herrgott wohl zu mir sagen, wenn ich einst vor ihm stehe?“, fragte meine Oma. Ich saß am Küchentisch, sah die Sorge in ihrem Gesicht und konnte das nicht verstehen. Meine Oma! Sie hatte gemeinsam mit meinem Opa fünf Söhne großgezogen und eine Tochter und wenn es für mich irgendjemanden gab, der mit seinem Glauben und seinem liebevollen Fleiß hier auf Erden sein Soll erfüllt hatte, dann war das meine Oma. Das sagte ich ihr auch. Aber es stellte sie nicht zufrieden. „Habe ich bei dem allen auch genug für unseren Herrn Jesus getan? Ich kenne so viele andere, die viel, viel mehr getan haben als ich. Und in meinem Leben ist so vieles zerbrochen, was bei anderen noch ganz heile ist.“

Ich denke oft an dieses Gespräch zurück. Eine Antwort bin ich meiner Oma schuldig geblieben. Ich war damals vielleicht 16 oder 17. Wie gerne hätte ich ihr die Geschichte erzählt, die ich vor kurzem gelesen habe:

Eine Grundschullehrerin geht mit ihrer Klasse in den Dom. Die Kinder sind beeindruckt von den hohen Glasfenstern, durch die die Sonne hineinscheint. Die Lehrerin möchte den Kindern etwas von den Heiligen der Kirche erzählen und fragt: „Wo hier in der Kirche seht ihr denn einen Heiligen?“ Eine Kleine, andächtig zu den Fenstern emporblickend: „Die Heiligen, das sind doch die da oben, durch die das Licht scheint.“

Unter einem Heiligen stellt man sich ja sonst eher jemand heldenhaftes vor. Jemanden bedeutenden. Die Heiligen Drei Könige zum Beispiel, deren Festtag in der kommenden Woche vor der Tür steht. Ein Heiliger ist ein Mensch des Lichtes. Einer, dessen Licht Orientierung gibt in finsterer Zeit. Solche Menschen gibt es. Gut dass es sie gibt. Mitunter haben sie aber den Nachteil, dass man sich neben ihnen ungenügend vorkommt. So muss es meiner Oma gegangen sein. Was sie für ihren Herrn Jesus hat tun können, schien ihr zu wenig. Schien ihr zu wenig, gemessen an dem, was andere - Lichtgestalten - vollbracht haben.

Dabei ist es bei den Heiligen der Kirche wie bei uns: Die wirklichen Heiligen leuchten nicht aus sich selbst heraus. Es ist das Licht Gottes, das durch sie hindurch scheint. Die Heiligen auf den Glasfenstern im Dom sind ganz transparent für dieses Licht. Wenn ich das doch auch sein könnte! Nur: Dann stört es, wenn ich zu erfolgreich scheine, zu selbstsicher und gefestigt. Das Licht Gottes kommt viel besser zur Geltung, wenn es durch mich hindurch fällt. Und das kann es am besten dort, wo ich nicht zu kompakt auftrete. Durch die Sprünge und Brüche in meinem Leben - da fällt Gottes Licht hindurch. Und weil es ganz unverwechselbar meine schwachen Stellen sind, wirft Gottes Licht beim Hindurch-Fallen ein ganz eigenes Muster. Das hoffe ich zumindest, denn Bruchstellen gibt es in meinem Leben mehr als genug.

Das hätte ich auch meiner Oma gerne geantwortet: Es sind unsere Mängel und Schwächen, die uns für das Licht Gottes besonders wertvoll machen. Aber vielleicht hat ihr das im entscheidenden Moment auch jemand anders noch sagen können.

Ihnen allen jedenfalls einen gesegneten Sonntag wünscht Ihr Pfarrer Ulrich Pohl aus Kirchherten.

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