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Sonntagskirche | 31.01.2016 | 08:55 Uhr

Eine Mauer

Eine Mauer, sage ich zu meiner Frau, die Ungarn haben das genau richtig gemacht mit ihrem Zaun und der Mauer gegen die viele Flüchtlinge. So müssen wir das auch machen. Grenzenlos offen - das kann nicht gut gehen.

Unsinn, sagt meine Frau, eine Mauer hält die Leute nicht auf. Das siehst du doch an der Grenze zwischen den USA und Mexiko. Tausend Kilometer Zaun, und die Leute klettern drüber, graben sich unten drunter durch oder lassen sich drüber weg fliegen. Wer hier hin will, der kommt hier hin.

Auch in der Bibel lese ich von einer Mauer und auch diese Mauer hat keinen Bestand. Es ist die Mauer, mit der sich die Einwohner von Jericho gegen die draußen umher ziehenden Viehhirten schützen wollen. Die Oase Jericho steht für Reichtum und Kultur, für gute Handelsbeziehungen und eine gut gerüstete Armee. Außerhalb der Mauer, in der Halbwüste, leben die armen Schlucker in verlausten Zelten, unter einem Dach mit ihrem Vieh und haben oft nicht einmal genug Wasser für sich selbst, geschweige denn für ihre Herden. Die Armen liefern an die Reichen: Die Tafeln in Jericho biegen sich unter dem, was die Viehhirten bringen: Lämmer, Kälber, junge Zicklein, deren weiches Fleisch in den Palästen besonders geschätzt wird. Und natürlich gibt es auch einen Unterschied, was die Religion betrifft: Die Reichen verehren die golden geschmückten Gottheiten, bei denen sie schwören, wenn sie ihre Geschäfte abschließen. Geldgötter eben. Die Armen lassen sich leiten vom Gott ihrer Sehnsucht und seinen Verheißungen, in denen er verspricht: Einst soll das Land, in dem Milch und Honig fließt, euch gehören.

Eines Tages ist es dann soweit. Die Mauern von Jericho fallen tatsächlich. So steht es im Buch Josua. Doch wer die Bibel aufmerksam liest, bemerkt: Dem Fall der Stadt Jericho ging ein langer Prozess voraus. Da lebten vor den Toren die Israeliten. Sie waren aus Ägypten geflohen. Zunächst waren sie die Schwachen. Die Geflüchteten. Sie machten sich klein. Waren genügsam. Doch mit der Zeit dehnten sie sich aus. Forderungen wurden laut: Nach Land, nach einer gerechten Verteilung der Güter, nach gegenseitigem Respekt. Lange ist es den Führern von Jericho gelungen, die Mauern geschlossen zu halten und das Umland zu kontrollieren.Doch mit der Zeit wurde das Territorium kleiner. Irgendwann reichte es nur noch bis zur Stadtmauer – und nicht mehr darüber hinaus.

Der Fall der Mauer von Jericho – er ist eine Hoffnungsgeschichte für die, die draußen stehen. Für die, die staunend und von weitem sehen, wie reich es sich lebt im gelobten Land.

Doch was hätten die Bewohner von Jericho damals anders machen können? Hätten sie die Tore öffnen sollen? Kluge Einwanderungsgesetze erlassen? Für soziale Gerechtigkeit sorgen, damit der Wohlstand drinnen und draußen nicht allzu sehr auseinanderklafft? Ob sie so den Fall ihrer Stadt hätten verhindern können?

Und was können wir heute tun. In unseren die Kirchengemeinden vor allem?

Ich spüre es an mir selbst: Ich muss achtgeben, dass der lebendige Gott nicht auch für mich zum Geldgott wird. Ich muss achtgeben, dass Gott für mich ein Gott der Verheißungen bleibt und nicht des Besitzstandes. Ich möchte, dass Gott für mich ein Gott bleibt, den ich bitten muss - eben weil ich nicht alles habe. Ein Sehnsuchtsgott soll er für mich bleiben.

Darum will ich in Zukunft öfter beten: Dass wir schaffen, was eigentlich kaum zu schaffen ist. Dass Gott den Wunsch nach einer hohen Mauer in mir kleiner werden lässt. Und die Sehnsucht nach einer gerecht geteilten Erde wieder größer. Einer Erde, auf der jeder Mensch einen Garten findet, in dem er sein Auskommen hat. Einen guten Sonntag wünscht Ihnen Pfarrer Ulrich Pohl aus Kirchherten.

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