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Kirche in WDR 4 | 02.03.2016 | 08:55 Uhr

Vorsätze

Guten Morgen!

Was machen eigentlich Ihre guten Vorsätze? Sind Sie schon auf gutem Weg zu Ihrem Wunschgewicht? Haben Sie die Anzahl der täglichen Zigaretten schon verkleinert und sind Sie heute schon Ihre fünf Kilometer gejoggt? Erstrahlt das Wohnzimmer nach der Renovierung in neuem Glanz?

Das Jahr ist inzwischen schon gute acht Wochen alt, da ist es Zeit für eine kleine Zwischenbilanz. Das ernüchternde Ergebnis ist in jedem Jahr fast das gleiche. Am 1. Januar liegt das neue Jahr wie ein unbeschriebenes Blatt vor einem und da ist die Motivation groß, es mit guten Vorsätzen zu füllen und diese natürlich auch umzusetzen. Bei den meisten zeigt sich jedoch schon zu Beginn des Februars: Der Zauber des Neuanfangs ist verflogen und damit auch die Motivation, etwas zu ändern. Schneller als man denkt, ist man wieder im alten Trott. Nur fünf Prozent der Deutschen setzen ihre guten Vorsätze auf Dauer in die Tat um. Sollten Sie es also nicht geschafft haben, machen Sie sich keine Sorgen – Sie befinden sich in guter Gesellschaft. Ich habe jahrelang ähnliche Erfahrungen gemacht. Die Ziele, den Schreibtisch immer aufzuräumen und mir die Arbeitszeit besser einzuteilen, habe ich meist nur in den ersten Wochen erreicht. Dann war alles wieder wie vorher. Und das ist ganz schön frustrierend!

Ziele und gute Vorsätze habe ich immer noch. Ich schreibe Sie mir auch auf, damit ich sie buchstäblich vor Augen habe. Aber ich fasse diese Vorsätze nicht mehr für das neue Jahr - also mit dem Stichtag 1. Januar - sondern ich formuliere sie entweder nach den ersten Monaten im Jahr oder sogar erst im November. Man braucht nicht die Weite eines neuen Jahres vor sich, um sich gute Ziele zu setzen. Mittendrin im alltäglichen Trubel ist meiner Meinung nach der bessere Zeitpunkt. Da setzt man sich selbst nicht so unter Druck. Die wichtigste Erkenntnis für mich zum Thema „gute Vorsätze“ ist dieser Satz: Ich kann jeden Tag neu anfangen. Nach dem Motto: „Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt zugrunde geht, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen.“ Dieser Ausspruch, der Martin Luther zugeschrieben wird, ist voller Hoffnung. Ich kann jeden Tag neu anfangen. Ich muss nicht endlos dem Alten nachhängen und dem, was mir vielleicht nicht gelungen ist. Jeder Tag liegt neu vor mir und ich kann ihn mit neuen Ideen und Vorhaben gestalten. Dabei muss ich auch noch nicht die ferne Zukunft im Blick haben, sondern ich kann einen Tag nach dem anderen bewältigen und sehen, was sich daraus entwickelt. Ein Apfelbaum braucht auch Zeit zum Wachsen und sein Wachstum ist nicht jeden Tag sichtbar. Meist sieht man es erst nach einer Zeit des Abstands.

Der Baum ist ein schönes Bild: Ein Baum steht für Leben und Hoffnung. Allem Pessimismus zum Trotz, allen Fehlern und allem Versagen zum Trotz. Ich kann jeden Tag neu anfangen. Das sagt mir auch mein Glaube. Gott ist an jedem neuen Tag bei mir und ich habe immer wieder die Chance, meine Zeit sinnvoll zu leben. Auch wenn etwas schief gegangen ist, auch wenn ich mich schuldig gemacht habe. Gott lässt mich immer wieder neu anfangen.

Wenn es mit den guten Vorsätzen nicht ganz geklappt hat – nicht aufgeben! Einfach noch einmal ganz bewusst überlegen: Was will ich hier und jetzt anders machen? Und beginnen Sie heute, am 2. März, ganz neu. Denn jeder neue Tag steht unter dem Segen Gottes.

Gott befohlen! Ihre Johanna Krumbach, Pfarrerin in Augustdorf.

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