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Sonntagskirche | 08.05.2016 | 08:55 Uhr

Paybackpunkte

Einen zauberhaften guten Morgen! Gestern ist mir etwas Magisches passiert: Einfach so bekam ich ein Päckchen, der Absender mir völlig unbekannt und der Inhalt ein Rätsel. Ein Rätsel, weil ziemlich teuer – ich hatte aber definitiv weder irgendwas bestellt und ein Geschenk war es ja nun auch nicht. Es war nicht schön verpackt. Und es war auch kein Absender drauf. Vielleicht falsch zugestellt? Nein … stand definitiv mein Name und meine Adresse drauf. Also nichts wie ausgepackt.

Und jetzt blitzen und blinken sie mich an: Drei edle scharfe Messer. Definitiv die Sorte, für die ich für gewöhnlich zu geizig bin. Machen sich extrem gut in meiner Küche. Hab sie direkt ausprobiert, schneiden Fleisch wie Butter. Passend dazu musste ich aber nochmal extrem scharf nachdenken bevor mir nun endlich einfiel wie diese tollen Teile ihren Weg in mein Zuhause gefunden haben. Die Lösung heißt: Paybackpunkte. „Haben Sie eine Payback-Karte?“ Nirgendwo kann man mehr hingehen ohne dass einem diese Frage gestellt wird. Jede Tankfüllung, jede Tomate, ja selbst jede Klo-Rolle, die ich kaufe, ist heute an das Payback-System angeschlossen. Ich warte auf den Tag, an dem mich mein WC fragt, ob ich vielleicht Punkte sammeln möchte für die regelmäßige Benutzung. Nein. Möchte ich nicht. Und: Ich habe auch gar keine Payback-Karte. Ich gehöre vielmehr zur Gattung der Punkteverzichter – ich habe beschlossen, mich nicht unter die Knechtschaft der Klebehefte und Punktesammel-Plastikkarten zu stellen. Wohin das führt, beobachte ich stattdessen fröhlich an vielen Kassen, an denen verhandelt wird, ob es nicht vielleicht doch schon für 4,85 und nicht erst für fünf Euro einen Punkt gibt; und neidisch auf den Nachbarn geschaut wird, der mit dem Großeinkauf gleich einen halben Meter der begehrten Kleblinge überreicht bekommt.

An Kassen können sich heute Träume erfüllen: von neuen Kochtöpfen, edlen Weingläsern, kleinen Sammelfiguren – und alles ganz umsonst. Keine Extrakosten, es gibt etwas geschenkt! Und das scheint irgendwie etwas Animalisches in uns zu wecken – wie sonst könnte man sich erklären, dass manche offenbar selbst für hässliche Kuscheltiere die Kassiererin würgen könnten, wenn sie hart an der Kante zum nächsten Euro den Zusatzpunkt verweigert.

Und genau das sind dann die Momente, in denen dann meine Stunde schlägt. Ich habe nämlich in letzter Zeit eine kleine Entwicklung durchgemacht. Ich habe gemerkt, wie ich der Gattung der Jäger und Sammler eine Freude machen und so manche gefährliche Situation an der Kasse entschärfen kann: Ich habe mich gewandelt von der Punkte-Verzichterin zur Punkte-Verschenkerin. Mein Standardsatz an der Kasse:

„Wenn Sie möchten, können Sie gleich meine Punkte dazu haben.“ Dieser Satz wirkt Wunder. Und nie war es leichter, von fremden Menschen ein Lächeln und ein Danke geschenkt zu bekommen. Für mich wertvoller als Manches, für das ich da sammeln müsste. Und weniger anstrengend. Schmunzelnd darf ich da an einen Satz aus der Bibel denken: „Werft eure Perlen nicht vor die Säue“ steht da. Warum etwas weg werfen, wenn es für einen anderen wertvoll ist? Dachte sich übrigens auch die Absenderin meines Messersets. Die Punkte hatte eine Freundin für mich gesammelt. Sie kennt mich gut. Danke!

Lust am Verschenken wünscht Ihnen Ihre Daniela Kirschkowski, Pfarrerin in Marl.

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