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Kirche in WDR 4 | 01.02.2014 | 08:55 Uhr

Den Alltag heiligen wie Therese von Lisieux

Liebe Hörerinnen und Hörer!

Während des 1. Weltkriegs lesen französische Landser in den Schützengräben – merkwürdigerweise – die Autobiographie einer Nonne. Es ist die bis dahin unbekannte Schwester Therese aus dem Karmel in Lisieux, die später zur Unterscheidung von der großen Therese von Avila „die kleine Therese“ genannt wird. Offensichtlich spendet ihre Schrift den französischen Soldaten in den Schützengräben Trost und Hoffnung. Diese Soldaten sind es, durch die die Schwester, die 1897 schon mit 24 Jahren an Tuberkulose gestorben ist, zum ersten Mal bekannt wird. Inzwischen gilt sie als zweite Patronin Frankreichs, wird als Heilige und Kirchenlehrerin verehrt und das weltweit.

Wie kommt es, dass diese Ordensfrau nach ihrem Tod eine solche Karriere gemacht hat? Eigentlich wies ihr Leben doch nichts Besonderes auf. Im Kloster verlief das Leben gemäß der Ordensregel. Da gab es nicht viel, um auf sich aufmerksam zu machen. Aber vielleicht ist es gerade das, was die heilige Therese von Lisieux auszeichnet und was sie auch für heutige Menschen bedeutsam werden lässt. Therese nämlich lehrt den kleinen Weg zur Heiligkeit, was nichts anders heißt als einen „gewöhnlichen Weg“ zu einem Leben im Sinne Gottes. Sie „will ein Mittel suchen, um auf einem kleinen, ganz geraden und ganz kurzen Weg in den Himmel zu gelangen.“

Klein wird dieser Weg deshalb genannt, weil ihn jeder Mensch gehen kann, egal an welchem Platz er im Leben steht. Therese weiß, dass es Menschen gibt mit außerordentlichen Begabungen – auch im religiösen Bereich. Menschen, die in jedem Fall etwas Außergewöhnliches tun, etwas, das aus dem Rahmen fällt und groß und gewaltig ist: Menschen, die voller Elan in fremde Länder aufbrechen, um den Glauben zu verbreiten; Menschen, die um Gottes willen auf jeden materiellen Besitz verzichten.

Aber viele Menschen können das nicht. Sie leben ihr Leben so, wie es halt ist. Sie stehen jeden Morgen auf und legen sich jeden Abend schlafen und dazwischen gibt es die vielfältigen Dinge, die ihren Alltag prägen, nichts Besonderes also, das, was jeden Tag zu tun ist: Essen kochen, putzen, den Vogelkäfig säubern, den Hund Gassi führen, das Kinderzimmer aufräumen, den Müll heraustragen, im Beruf seinen Mann, seine Frau stehen. Kann das Gewöhnliche ein Leben sein, das Gott gefällt und zu ihm hinführt? Therese ist davon überzeugt. Ihr Leitbild ist nicht das Außergewöhnliche. Ihr geht es darum, das Gewöhnliche „außergewöhnlich“ zu vollbringen. Damit ist allerdings nicht gemeint, äußerliche Spitzenleistungen zu vollbringen, alles hundertprozentig perfekt zu machen. Das kann sowieso keiner. Gemeint ist vielmehr die innere Haltung, mit der die einzelnen Schritte, Handlungen, Arbeiten am Tag vollzogen werden. Therese sagt: „Mein Weg zu Gott ist Liebe, Hingabe und Vertrauen.“ Wenn diese Haltungen den Alltag prägen, ist Gott auch „zwischen den Kochtöpfen“ , wie es die Namensschwester der kleinen Therese, Therese von Avila einmal ausgedrückt hat. Es geht also darum, Gott im Alltäglichen zu entdecken und im Alltäglichen im Sinne Gottes zu handeln. Therese von Lisieux selbst ist diesen Weg des Alltäglichen im Kloster gegangen, aber: Das Kloster ist nicht die Voraussetzung, um ihn zu gehen. Wo immer Menschen leben und arbeiten, ist er möglich, in Gesundheit und Krankheit, am Anfang und in der Mitte des Lebens und auch, wenn die körperlichen und seelischen Kräfte nachlassen.

Den Gedanken Gott im Alltag zu finden drückt ein bekanntes Kirchenlied aus. Es fängt mit den Worten an: „Alles meinem Gott zu Ehren in der Arbeit, in der Ruh!“ Nichts, keine Beschäftigung soll davon ausgenommen sein, Gott die Ehre zu geben. Eine jede, auch die einfachste und unbedeutendste Tätigkeit, kann eine Etappe auf dem Weg zu Gott sein.

Ich bin Pfarrer Heinz-Josef Löckmann aus Paderborn-Marienloh und wünsche Ihnen, dass sie heute Gott mitten in den alltäglichen Beschäftigungen entdecken.

4 Zitiert nach: http://institutionen.erzbistum-koeln.de/berufederkirche/medien-materialien/Seid_meine_Zeugen/therese.html.

5Zitiert nach: http://www.theresienwerk.de/uber-therese/der-kleine-weg.

6Zitiert nach: http://www.spanische-mystik.de/Arbeitstexte.pdf (TvA, Klostergründungen 5,7).

7 Text: Duderstadt 1724, zitiert nach: Neues Gotteslob, 455.

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