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Sonntagskirche | 25.09.2016 | 08:55 Uhr

"Wir schaffen das"

Guten Morgen!

Fast 14.000 Flüchtlinge leben nach Informationen der Stadt zurzeit in Köln. Überwiegend Geflohene aus Syrien, aus dem Irak, aus Afghanistan, Albanien, Serbien, dem Iran, aus Mazedonien, dem Kosovo, aus Nigeria, Algerien.

Sie sind untergebracht in Turnhallen, Hotels, Jugendherbergen, Schutzwohnungen.

Und viele Menschen helfen ihnen. Man könnte ja meinen: Wir, Sie vielleicht und ich und viele andere, wir sind es, die den neuen Nachbarn helfen, die sie in eine neue Zukunft tragen.

Wer weiß, vielleicht ist es manchmal so.

Doch ich denke: Es ist umgekehrt. Wir bekommen Hilfe von denen, die in Deutschland Zuflucht suchen. Wir selbst sind die, die in eine neue Zukunft getragen werden.

„Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“ (1. Mose 12,2)

Das sagte Gott zu Abraham, als er ihn in ein fremdes Land schickte.

Hunderttausende sind in den letzten Jahren nach Deutschland geflüchtet. Hunderttausende sind vor 80 Jahren aus Deutschland geflüchtet. Viele Menschen sind aus ihrer Heimat vertrieben worden.

Die, die damals geflohen sind, tragen ihre Geschichten heute noch in sich. Und sie haben sie weitergegeben – an die Menschen, die mit ihnen verbunden sind und waren. Erlebnisse von Flucht und Vertreibung, die sind nicht einfach zu erzählen. Viele dieser Geschichten wurden verschwiegen, verwandelten sich in starre Blicke und in Verhaltensweisen, die störrisch und skurril daherkommen. Zum Beispiel das Horten und Sammeln von Dingen, die man aktuell gar nicht braucht. Es könnten ja schlechtere Zeiten kommen. Ein Krieg womöglich. Sie kennen das vielleicht auch. Ich weiß manchmal nicht, weshalb ich mich von den Dingen, die ich habe, nicht mehr trennen kann. Erinnere mich aber, dass meine Großmutter, die den Krieg erlebt hat, uns das so weitergegeben hat. Wie gut, wenn man auf schlechte Zeiten vorbereitet ist.

Die Menschen, die heute fliehen, erzählen Teile ihrer Geschichte, hier bei uns. Durch das Zuhören können wir lernen. Wir lernen mutig zu sein und unsere Geschichten zu erzählen. Geschichten von Flucht und Vertreibung in unseren eigenen Familien. Und wer weiß? Vielleicht geht uns das ein oder andere Licht auf… Weil wir ein bisschen mehr verstehen, wer wir sind. Weil die verdrängten Geschichten Worte finden. Und endlich ein sichtbarer Teil unserer Heimat werden. Vielleicht kann sogar mancher Schmerz heilen, wer weiß.

„Wir schaffen das.“ So betrachtet bekommt der Satz von Bundeskanzlerin Angela Merkel, der in diesem Monat ein Jahr alt wird, nochmal ein ganz anderes Gesicht, finde ich.

Ich träume davon, dass wir uns gegenseitig die Geschichten von Flucht und Vertreibung aus unseren Biografien, aus unseren Familien erzählen.

Es sind bewegte Geschichten. Es sind Geschichten von Menschen, die viel bewältigen mussten und bewältigt haben. Mal mehr, mal weniger.

Sie zu erzählen und zu hören ist überlebenswichtig. Und ich danke Gott für die Menschen, die uns durch ihre Flucht- und Heimat-Geschichten an unsere eigenen erinnern.

Sie sind ein Segen. „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen Miriam Haseleu, Pfarrerin in Köln.

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