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Sonntagskirche | 30.04.2017 | 08:55 Uhr

Der Kobayashi-Maru-Test

Guten Morgen.

Es ist mir schon wieder passiert. Täglich passiert irgendein Mist – und ich frage fasziniert bis verzweifelt: Warum?

So gestern an der Tankstelle in der Waschbox. Ich fahre Wohnmobil. Schönes Hobby, kleiner Nachteil: Nix mit Waschen in der Waschanlage. Handarbeit ist angesagt.

So stehe ich also in der Waschbox, die Sonne scheint angenehm warm. Ich lausche dem Geräusch des Hochdruckreinigers, spiele mit dem Schaum der Waschbürste und starre ehrfürchtig auf die abfließende Glanzspülung. Minute um Minute verfolge ich, wie sich hartnäckiger Dreck allmählich in sanft glänzendes Silberblau-Metallic verflüchtigt. Und in mir macht sich dieses wohlig-warme Gefühl breit, so richtig was zu schaffen. Sich so richtig zu spüren: Wasser, Schmutz, die Arme, die langsam lahm werden ... Wunderbar. Jetzt noch nachwischen, die überzähligen Tropfen aus den Kanten polieren … herrlich. Ganz entspannt.

Bis, ja, bis: Hinter mir plötzlich ein Transporter heranbraust. Eine Zehntelsekunde später springt mit hochrotem Kopf der typische Choleriker heraus: Starrer Blick, wütend verzogene Mundwinkel. Brüllt mich direkt an: „Plätze zum Abtrocknen sind dahinten. Was meinen Sie, wofür die da sind!?“

Schockstarre. Jetzt bloß nicht aus der Ruhe bringen lassen. Sonst ist das ganze schöne Erlebnis dahin. Was jetzt tun? Und da ist er wieder: mein persönlicher, nahezu täglicher Test.

Die Aufgabe heißt: Lerne mit Menschen umzugehen, deren Benehmen so außerirdisch ist, dass Du sie am liebsten direkt auf den Mond schießen würdest. Ich treffe sie einfach immer wieder. Überall. Sie sind mitten unter uns.

Lange habe ich nach der Antwort gesucht, was ich dagegen tun kann, gegen diese Begegnungen der dritten Art. Die Palette der Emotionen habe ich durch: Höflich bleiben, pastoral mitfühlend nach dem eigentlichen Problem fragen, zurückbrüllen, losheulen, mich wundern, darüber lachen … hilft alles nix. Alles, was am Ende bleibt, ist pure Hilfslosigkeit.

Aber immerhin: Seit kurzem trägt diese Hilflosigkeit bei mir wenigstens einen Namen: Willkommen beim Kobayashi-Maru-Test. (1)

Den habe ich bei Startrek kennen gelernt.

Beim Kobayashi-Maru-Test werden angehende Offiziere der Sternenflotte in eine ausweglose Situation gebracht. Sie können nicht gewinnen, egal was sie tun. Die gesamte Schiffsbesatzung stirbt am Ende. Immer. Den Offiziersanwärtern soll durch diesen Test klar werden, dass sie keinesfalls unbesiegbar und unsterblich sind. So stark sie sich auch fühlen mögen: Hier können sie nichts ausrichten. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Auch die Bibel kennt diesen Test: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“, heißt es in Psalm 90. (Psalm 90,12; Lutherübersetzung) Mit anderen Worten: Lass Dich darauf ein, dass Du nicht alles beherrschen kannst. Dass Deine Macht Grenzen kennt. Es fühlt sich zuerst ohnmächtig an, das kann ich Ihnen sagen. Aber hinter diesem Gedanken können sich unendliche Weiten öffnen. Plötzlich wird es still in einem, der Kampf hört auf, und ich kann ihn finden: Einen Stuhl im Orbit, einen Platz vor Gott. Da brülle wer will.

Ein Stück vom Himmel, wenn es mal wieder außerirdisch wird, wünscht Ihnen Daniela Kirschkowski, Pfarrerin in Marl.

(1) http://de.memory-alpha.wikia.com/wiki/Kobayashi-Maru-Test

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