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Sonntagskirche | 09.03.2014 | 08:55 Uhr

Fasten

Der späte Gast erkannte die Armut der Hütte, in der er um ein Nachtlager gebeten hatte, mit einem Blick. Er sah die Augen der Kinder, die sich begierig auf das Stück Brot richteten, das ihm der Hausvater vorgesetzt hatte. So nahm er das Brot in seine Hände und sprach den Segen. Und als er für sich etwas abgebrochen hatte, siehe, da reichte das Brot noch für die Kinder. Auch am Morgen war von dem Brot noch ein Rest da. Und so blieb es. Längst war der Gast aufgebrochen, aber das Brot ging nicht zur Neige, mit der Not hatte es ein Ende und die Kinder gediehen und wuchsen fröhlich heran.

Eine Erzählung von der genügsamen Fülle, die mich anrührt. Nicht mehr und nicht weniger als das tägliche Brot! Es ermöglicht Kindern und Eltern ein Leben in bescheidenem Wohlstand.

Das tägliche Brot? Für mich ist es längst selbstverständlich. "Nur" Brot ist beinahe schon ein Zeichen von Mangel. Ich schäme mich, es zuzugeben, aber mein Frühstückstisch biegt sich unter drei Sorten Marmelade, Honig, Butter, Brie und Brötchen. Die Fülle ist für mich der Normalzustand. Worunter ich mehr und mehr leide, ist der Überfluss. Wenn Gott mir doch wieder Genügsamkeit schenken würde, damit ich mit wenigem so zufrieden leben könnte, wie die Familie in der Geschichte vom Brot, was nicht endet.

Der Weg zur Genügsamkeit liegt im Verzicht. Und wer das Verzichten lernen will, fängt mit dem Fasten an. Die Zeit zwischen Karneval und Ostern ist die klassische Fastenzeit der Christen. Als evangelischer Pfarrer mache ich da natürlich mit. Ich erlege mir jedes Jahr sieben Wochen ohne auf: Letztes Jahr waren es sieben Wochen ohne Fleisch, im Jahr davor sieben Wochen ohne Süßes. Mein Freund verzichtet regelmäßig sieben Wochen auf seine abendliche Flasche Bier.

Sieben Wochen ohne - das fällt mir dieses Jahr leichter als sonst. Vielleicht liegt das daran, dass ich es in letzter Zeit am Magen habe. Richtiggehend übel wird mir, wenn ich das Überangebot an Nahrungsmitteln sehe, was auf mich einstürzt, sobald ich die Prospekte der Discounter aufschlage. Und zunehmend stellt sich bei mir das Misstrauen ein. Ich werde den Verdacht nicht los, dass unserem Essen immer mehr Zeug beigemischt wird, was da nicht reingehört. Ich lese von Dioxin in Eiern, von Klärschlamm im Tierfutter, von wassergepanschtem Hackfleisch, von Antibiotika im Schnitzel. Ich werde wütend, wenn ich sehe, wie unsere Form des Wirtschaftens diesen Planeten ausplündert und doch eines nicht schafft: Die Menschen ausreichend und gesund zu ernähren.

Fasten heißt für mich dieses Jahr: Ich will das so nicht mehr! Ich will einfacher leben, bescheidener essen. Also: Sieben Wochen Wasser statt Saft, Kräutertee statt Kaffee, Butter mit Salz statt Schinken mit Remoulade. Weniger verbrauchen, auf Überflüssiges verzichten. Damit die Fülle, die Gott mir schenkt, nicht in Überdruss mündet oder gar in Krankheit.

Wenn ich dieses Jahr faste, dann weil ich zurückfinden will zur Genügsamkeit. Ich möchte das tägliche Brot wieder als Fülle empfinden. Wie in der Geschichte. Habe ich Ihnen erzählt, wie sie ausgeht?

Nach sieben Jahren klopft es eines Abends wieder an die Tür des kleinen Hauses. Unerkannt bittet der Hausvater den Gast zu Tisch und setzt ihm das Brot vor. Der wehrt ab, es bleibe nicht genug für die Kinder. Esst nur davon, es ist Zauberbrot, sagt der Vater, doch wie er das sagt, wird das Brot beim Schneiden schon weniger. Und als der Gast am nächsten Morgen aufbricht, ist es ganz verzehrt. Nur der Segen bleibt, bleibt auf dem Haus. Und – so endet die Geschichte - sie litten keinen Mangel mehr bis ans Ende ihrer Tage.

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen Pfarrer Ulrich Pohl aus Neuss.

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